Online-Partnersuche: "Wer ernsthaft sucht, kommt zu uns"

Parship Geschäftsführer Martin Dobner

Der Österreicher Martin Dobner führt als Senior Director International die Geschäfte von Parship Elite in 13 Ländern. Das Deutschland-Geschäft wird von Hamburg aus geführt.

Parship-Geschäftsführer Martin Dobner im Interview über kochende Männer, treffsichere Algorithmen, Streit um Kündigungsklauseln und - natürlich - Tinder.

trend: Parship ist älter als Facebook, Twitter &Co. 15 Jahre sind eine lange Zeit im Digitalgeschäft. Während dieser Zeit hat sich Parship nicht großartig verändert. Matchen Sie die Kandidaten heute noch genauso wie damals?
Martin Dobner: Im Prinzip ja, allerdings in Details hat sich unser Matching im Laufe der Jahre angepasst. Unser Verfahren arbeitet im Kern auch mit statistischen Mittelwerten, und die haben sich über die Jahre entlang gesellschaftlicher Entwicklungen in einzelnen Parametern teilweise verschoben. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Vor zehn oder 15 Jahren war der kochende Mann tendenziell noch eher ein Exot, heute entspricht das fast schon dem modernen Standardmann. Diese Änderungen finden naturgemäß Eingang in unser Matching.

trend: Gut, so findet man potenzielle Hausmänner leichter. Was hat sich noch geändert?
Dobner: Häuslichkeit ist ja nur ein einzelner Parameter. Bevor wir unsere Mitglieder matchen, erheben wir heute in 80 bis 85 situativen Fragen zahlreiche Parameter, die für den Erfolg einer langfristigen Partnerschaft wichtig sind. Einer davon ist etwa der Wunsch nach Partnernähe, der individuell unterschiedlich ausgeprägt ist. Es gibt Menschen, die wollen viel Zeit mit dem Partner verbringen. Und es gibt Menschen, denen reicht es, sich ab und zu mit dem Partner zu treffen. Dabei ist das eine nicht zwingend besser als das andere. Unser Matching schaut darauf, dass sich in diesem Fall Gleich und Gleich gesellen.

trend: Heißt konkret: Werden die Fragen ausgetauscht oder anders gewichtet? Sind das noch dieselben wie vor 15 Jahren?
Dobner: Unser Algorithmus reflektiert die Veränderung der Gesellschaft.

trend: Gestützt auf nicht statistische Umfragen im Bekanntenkreise ist zu bemerken, dass viele auch mit Parship eine Art On-off-Beziehung führen. Wie viele kommen wieder?
Dobner: Das ist tatsächlich schwer zu sagen. Parship begleitet die Menschen bei der Suche. Wenn sie dann jemand gefunden haben, melden sie sich von der Plattform ab. Das ist dann der letzte Zeitpunkt, wo wir den Kunden noch befragen können, warum er uns verlässt. Und da sagen 40 Prozent, dass sie jemand gefunden haben. 20 Prozent sagen, sie haben in derselben Zeit woanders jemand gefunden. 20 bis 25 Prozent verlängern und 15 Prozent sind ganz weg. Damit können wir die Wiederkehrer auch schwer identifizieren.

trend: Wie weh tut Ihnen Tinder? Können Sie den Mitbewerber einfach wegwischen?
Dobner: Das ist schwierig zu beantworten. Wenn wir den Verlauf unserer Anmeldungen anschauen, merken wir praktisch nichts von Tinder. Ich denke, es sind zwei Effekte, die hier gegeneinander arbeiten. Tinder hat eine extrem niedrige Eintrittsbarriere, legt sich aber auch nicht fest, worum es eigentlich geht. Viele kommen so zum ersten Mal mit Dating in Kontakt. Wenn sie ernsthafter suchen, kommen sie dann zu uns. Und dann gibt es so manchen, der früher auf unserer Plattform war und, sag ich mal, eher die kurzfristigen Beziehungen gesucht hat und heute auf Tinder sein Glück sucht.


Wer eher kurzfristige Beziehungen sucht, versucht sein Glück heute auf Tinder.

trend: Parship wird hohe Seriosität und guter Service attestiert: Warum gibt es ausgerechnet um die Vertragsverlängerungen Streit? Am 18. September hat der OGH dem VKI endgültig Recht gegeben, dass Sie deutlichere Hinweise zu Kündigungsmodalitäten machen müssen, und der VKI stellt auch Musterbriefe zur Verfügung. Akzeptieren Sie das oder wird weiter gestritten?
Dobner: Parship hat die Kunden bereits bisher sowohl während des Bestellvorgangs als auch in der Bestellbestätigung und schließlich in der Erinnerungsmail zwei Wochen vor Ablauf der Kündigungsfrist mehrfach auf die automatische Vertragsverlängerung hingewiesen und wird dies selbstverständlich auch weiter tun. Bezüglich der genaueren textlichen Ausgestaltung der Erinnerungsmail akzeptieren wir natürlich die gerichtliche Klärung und haben sie bereits umgesetzt.

trend: Wie muss man sich Ihre Qualitätssicherung vorstellen: Wie geht man mit Stalkern um oder mit Nutzern, die mit unangemessenem Verhalten auffallen?
Dobner: Wir haben im Service bis zu 60 Personen sitzen, die sich alle freien Textbeiträge und die Fotos der Profile anschauen und anschließend einzeln freigeben. Persönliche Nachrichten dürfen wir naturgemäß nicht einsehen. Unsere Kunden haben aber die Möglichkeit, Fehlverhalten zu melden. Es gibt auch Verhaltensmuster, die man technisch erkennen kann. Aber trotz all des Aufwandes kann es passieren, dass wir den einen oder anderen nicht sofort erkennen. Es ist für uns eine evidente Herausforderung, die wir deshalb so entschieden angehen.

trend: In welche neuen Zielgruppen könnte Parship expandieren, Senioren, Junge? Oder genügt die Kernzielgruppe zwischen 30 und 50 Jahren?
Dobner: Unsere Zielgruppe ist werbetechnisch bei 28 bis 55. Faktisch richtet sich unser Service an alle, die an einer ernsthaften Beziehung interessiert sind. Bezüglich einer möglichen Expansion glaube ich nicht, dass es Sinn macht, eine bestehende Marke zu verbiegen. Sollten wir eines Tages mehr in Richtung Senioren gehen wollen, müsste man wahrscheinlich eine eigene Marke dafür entwickeln. Dasselbe gilt für den Bereich der Dating-Apps. Als wir Elite übernommen haben, wurden bewusst die beiden Marken separat weitergeführt.


Der Schritt zur mobilen Plattform war für uns tatsächlich herausfordernd.

trend: Was war denn die letzte große Innovation auf Ihrer Plattform?
Dobner: Sicher der Schritt hin zur mobilen Plattform. Ich weiß, das klingt für Sie weit weniger spannend und herausfordernd als es für uns tatsächlich war.

trend: Worin besteht die größte Gefahr für Parship? Dass die Geschäfte so gut laufen, dass man bequem wird und den Mitbewerb übersieht? Tinder scheint Ihnen ja egal zu sein.
Dobner: Es sind zwei Dinge: Man darf sich auf seinem Erfolg nicht ausruhen und muss stetig versuchen, noch besser zu werden. Wie Partnersuche wirklich funktioniert, das wissen wir. Und man muss die Augen offen halten. Wir hätten vor 15 Jahren den hohen Grad der mobilen Nutzung so nicht vorhergesehen. Falsche Hektik ist aber auch nicht angebracht. Facebook hat man bezüglich Dating fälschlicherweise Ambitionen unterstellt, ist so aber nicht gekommen. Heute stehen Dating-Apps im Zentrum von Spekulationen. Klar sind Apps spannend, aber man wird noch sehen, was passiert, wenn Tinder &Co. die Paywall hochziehen müssen.

trend: Die 28.000 Singles, die Sie als „wöchentliche Neuzugänge“ vermarkten, auf welches Einzugsgebiet bezieht sich diese?
Dobner: Auf die Länder, in denen wir tätig sind. Ein Großteil bezieht sich auf den deutschsprachigen Raum.


Wir sind ein Nischenplayer und unsere Nische ist die der ernsthaften, langfristigen Partnerschaften.

trend: Warum zahlen Männer eigentlich mehr?
Dobner: Das könnte man meinen, ist aber nicht so. Ganz im Gegenteil. Wir haben zum Beispiel in der Altersgruppe über 40 tendenziell etwas mehr Frauen als Männer. Kaufmännisch müssten Männer für uns eigentlich interessanter sein, und dennoch bezahlen beide Geschlechter den gleichen Preis. Wir haben aber immer wieder Angebote für einzelne Gruppen.

trend: In den Content, den die Nutzer einpflegen, können Sie nicht eingreifen. Dass schöngeschrieben oder glatt gelogen wird, ist common sense - etwa beim Alter. Könnten Sie das nicht verhindern?

Dobner: Bedingt. Wir weisen ja immer wieder darauf hin, dass ja alles am Ende des Tages zu einem realen Treffen führen soll. Dass man sich bei Gewicht und Größe vielleicht eine Spur besser macht als man tatsächlich ist, ist für mich allerdings nur allzu menschlich.

trend: Frauen beschweren sich oft darüber, dass Männer Parship sehr wohl für Casual Dating nutzen. Kann man das im Vorfeld nicht ausschließen? Frösche, die keine Hochzeitsprinzen werden wollen, sondern eine Runde im Teich schwimmen.

Dobner: Das ist eine Gruppe von Nutzern, die wir weder ansprechen, noch auf unserer Plattform haben wollen. Wir sind ein Nischenplayer und unsere Nische ist die der ernsthaften, langfristigen Partnerschaften.

trend: Sie sind der Marktführer!
Dobner: Wir sind wahrscheinlich werblich der Marktführer, aber auf Tinder, Websingles & Co. sind deutlich mehr User unterwegs als bei uns, allerdings mit diffusen Absichten. Unsere Nische ist klar die der langfristigen Beziehung. Die Beziehungsform wollen wir nicht vorschreiben: Ehe, Familie – das müssen sich die Menschen selbst ausmachen. Und ganz ehrlich: Jemanden, der es nicht ernst meint und sich auf Parship anmeldet, kann ich nicht verstehen. Er investiert Geld und Zeit, die sich für ihn nicht lohnt. Es gibt für schnelle Kontakte ja ausreichend andere Plattformen. Das versuchen wir in der Werbung auch klarzumachen: ernsthaft, langfristig, die Persönlichkeit im Vordergrund, kein reines Bilder anschauen.

trend: Mit ElitePartner bieten Sie eine zweite Plattform an. Was ist der Unterschied dieser Firmengeschwister?
Dobner: Bei Parship geht es beim Matching sehr um die Persönlichkeit und die Passung. Bei ElitePartner geht es zusätzlich auch um Status.


Die Angst vor Zurückweisung ist ein eher männliches Problem.

trend: Und welche dieser Plattformen ist erfolgreicher?
Dobner: Kaufmännisch betrachtet ist Parship deutlich größer, ElitePartner ist in Deutschland etwas relevanter. Die Erfolgsquote bei der Suche unterscheidet sich im Bereich der Schwankungsbreiten: 40 Prozent sind es bei ElitePartner, 38 Prozent bei Parship.

trend: Gibt es Unterschiede in der regionalen Nutzung?
Dobner: Wir haben viele Vergleichsstudien gemacht und keine großen Unterschiede feststellen können. Die soziale Akzeptanz ist in der Schweiz am ausgeprägtesten. Das liegt aber auch alles innerhalb der statistischen Varianz. In anderen Ländern, etwa Polen, haben wir uns angesehen, ob wir den Test anpassen müssen, weil es ja ein sehr katholisch geprägtes traditionelles Land ist. Es hat sich aber gezeigt, dass solche Anpassungen im gesamten westlichen Kulturkreis nicht notwendig sind

trend: Wir haben doch sehr persönliche Daten und es gibt ein valides Interesse, damit sorgsam umzugehen. Das spielt für manche Nutzer sicher eine Rolle.
Dobner: Wir haben viele Vergleichsstudien gemacht und keine großen Unterschiede feststellen können. Die soziale Akzeptanz ist in der Schweiz am besten ausgeprägt. Das liegt aber auch alles innerhalb der statistischen Varianz. In anderen Ländern, etwa Polen, haben wir uns angesehen, ob wir den Test anpassen müssen, weil es ja ein sehr katholisch geprägtes traditionelles Land ist. Es hat sich aber gezeigt, dass solche Anpassungen im gesamten westlichen Kulturkreis nicht notwendig sind.

trend: Automatisierte Botschaften und Smileys – ist das einer seriösen, erwachsenen Plattform eigentlich würdig. Ist das nicht WhatsApp-Kram?
Dobner: Es gibt Menschen, die tun sich beim Kommunizieren leichter als andere. Diese Emoticons helfen denen, die sich schwerer tun, den ersten Kontakt zu starten. Diese Angst vor Zurückweisung, eher ein männliches Problem, zeigt solchen Männern dann: Hey, die hat sich mein Profil angeschaut, da hab ich das Recht auch ihres anzuschauen und sie anzuschreiben. Diese Kommunikationstools sind wesentliche Elemente für die Nutzer.

trend: Welchen Sinn hat die Anzeige, ob man online war? Das verführt zum Beobachten, schürt unter Umständen Misstrauen.
Dobner: Das ist wie bei WhatsApp. Das kann man jederzeit deaktivieren.

trend: Sie sind nicht ihr eigener Kunde und haben Familie: Bekannte, die um Ihren Job wissen, kommen sicher mit Anliegen und guten Ratschlägen?
Dobner: Neben vielen Erfolgsgeschichten kommen meistens drei Themen: Mein Testergebnis ist nicht so, wie ich mich sehe, ich kriege aus meiner Sicht unpassende Partnervorschläge und das dritte ist eine nicht adäquate Ansprache.

trend: Schauen Sie die "Liebesg'schichten" im ORF? Mit Ihrem TV-Konzern im Rücken (ProSiebenSat.1 Media 50 % hält plus eine Aktie der Parship Elite Group): Wäre das nichts?
Dobner: Ich kenne natürlich das wunderbare Format von Elizabeth Spira, in Österreich hat es ja schon fast Kultcharakter. Auch wenn es reizvoll wäre, Formatentwicklung liegt sicherlich nicht in unserer Kernkompetenz.


FACTS & FIGURES

Geschäft mit der Liebe - Parship Elite in Zahlen

  • 2000 wurde Parship gegründet, am 14. Februar 2001, dem Valentinstag, ging die Plattform online. Damals lernte sich erst ein Prozent der Paare über das Internet kennen, heute ist es bereits ein Viertel aller Partner.
  • 2015 wurde das Unternehmen vom britischen Investmentunternehmen Oakley Capital übernommen, die in der Folge auch ElitePartner übernahm und beide Plattformen zur Parship Elite Group zusammenführte
  • 2016 übernahm ProSiebenSat.1 die Mehrheit an der Parship Elite Group (50 Prozent plus eine Aktie). Die Mediengruppe zahlte dafür 100 Millionen Euro, in dieser Größenordnung bewegt sich auch der jährliche Umsatz. Zum Digitalgeschäft der Sendergruppe gehört u. a. ein Parfüm-und Juwelierhändler sowie der Sexshop Amorelie.
  • Mitglieder Parship hat in Österreich in etwa 500.000 registrierte Mitglieder, mit der größten Ausprägung im Alter zwischen 28 und 59 Jahren. Der Frauenanteil liegt bei 52 Prozent.
  • Kosten Der funktionell stark eingeschränkte Basisdienst ist kostenlos, der Premium-Service kostet 44,90 Euro monatlich bei sechsmonatiger Laufzeit, 34,90 € / Monat bei 12 Monaten Laufzeit und 12,90 € / Monat bei 24 Monaten Laufzeit.
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