Garage + Kunst – eine interessante Symbiose

Garage + Kunst – eine interessante Symbiose

Nach der Haustür gilt ein Garagentor als zweitwichtigste Willkommenspforte zum trauten Heim eines stolzen Hausbesitzers – das eine für Zwei-, das andere für Vierbeiner. In früheren Zeiten der Stall, so sind Garagen heute gleichsam Visitenkarte und Aufbewahrungsort der Pferde(-stärken) zugleich.

So heißt es auch bei Normstahl, dass Garagentor für Komfort und Sicherheit stehen und das Heimkommen symbolisieren. Nicht umsonst erfahren die Stallungen von heute hohe Wertschätzung und genießen Ausschließlichkeits-Potential: So gab nahezu jeder vierte Immobilienkäufer – 22 Prozent - im letzten Jahr zu Protokoll, dass eine fehlende Garage beziehungsweise Stellplatz für das eigene Vehikel für sie ein Ausschlusskriterium bei der Immobilienwahl darstelle – nach Umweltlärm, nerviger Nachbarschaft, fehlendem Garten und dunklen Räumen immerhin das fünftwichtigste Entscheidungskriterium für oder wider.

Genug fahrbare Untersätze gibt es ja. So suchten, wie Statistik Austria ausweist, allein in Wien 2014 683.258 Autos nach ihrem Garagen- oder Stellplatz. Experten-Schätzungen zufolge gingen dabei lediglich rund 30.000 Autos leer aus.

Was liegt da angesichts eines großen Angebots näher, als die Bedeutung des für viele unverzichtbaren Gebäude-Accessoires durch künstlerische Aufwertung zusätzlich in seiner Wertschätzung zu betonen und gleichsam Kunstsinn und -geschmack seines Eigentümers stolz jedermann zu präsentieren?

Zugegeben, in Zeiten wachsenden Konformismus‘ und wiederentdeckter Bauhaus-Schlichtheit atmen die mitunter farbenfroh-lustigen Aufpeppungen à la 70er Jahre Flower-Power-Ästhetik einen leichten Hauch von Anachronismus. Doch es geht auch anders. Ermutigt durch großflächigere „Leinwand“-Einheiten moderner Garagen-Sektionaltore, welche die schmal-lamelligen Blechgerippe früherer Schwing- und Rolltore schnell vergessen machen, wagen sich nicht nur Hobbykünstler und Eigenheimbesitzer in Personalunion mit Pinsel und Farbtopf ans Sta(h)(l)ltor.

Ob gewollt oder nicht: Graffittis sind unmissverständliche Eyecatcher und verleihen einer biederen Garagenfläche einen gewissen anarchischen Glanz.

In Zeiten urbaner Graffitikunst-Kultur rücken zunehmend professionelle Designer mit Spraydose und Airbrush der oftmals tristen Farbgebung kühn zu Leibe. Dabei ist die Grundszenerie moderner Garagentore willkommener-maßen schon vorgegeben. Profitieren können Graffiti- und Airbrush-Künstler dabei schon von einer vorhandenen Grundatmosphäre aus riesiger Farbauswahl und endbehandelter Oberfläche der industriell gefertigten Tore.

Denn: Vorbei sind (gottseidank) die Zeiten, als selbstbemalte glubschäugige Regenwürmer, Eulen oder Raupen aus Äpfeln blickend inmitten einer Prilblumen-Romantik von Autos und Garagentoren auf mitleidig draufblickende Passanten starrten.

Fotorealistische Wiedergaben sind der letzte Schrei und das Credo einer Reihe professioneller Graffiti-Agenturen, welche die Foto-Vorgaben ihrer Auftraggeber gekonnt naturalistisch in Szene zu setzen verstehen. Ob der mittlerweile verstorbene vierbeinige Liebling, die Nobelkarosse, die sich bestenfalls hinter der Zink-Fassade tatsächlich verbirgt, meist jedoch reinem Wunschdenken entspringt oder auch die detailgetreue Replik eines Kunstwerks à la Roy Lichtenstein oder Friedensreich Hundertwasser – nahezu alles scheint möglich.

Die Botschaft ist klar: Hier hat die Dame des Hauses das Sagen.

Irgendwo zwischen klassischer Werbung, Spraykunst und kreativem Handwerk angesiedelt, sind die neuzeitlichen Urban-Künstler Herr der Metall-Leinwände landauf, landab. Sie verstehen sich besonders darauf, selbst kleinste Details perfekt in Szene zu setzen und dabei doch etwaige Profilierungen, Absätze oder Rillen in der Torstruktur gekonnt zu kaschieren.

So hat unlängst Stadtkunst-Ikone Golif in Neu Marx nicht nur einen riesigen „Beobachter“ geschaffen, den man nur aus der Luft erkennt, sondern seine Visitenkarte in Form seiner „Inkarnation“ aus leicht zerzausten Haaren, Brille und langer Nase gleich noch auf einem Garagentor im Sechsten verewigt - auf der Fassade des Kulturvereins Werk in den Stadtbahnbögen nämlich.

Auto mal expressionistisch will sagen: Hier ruht das Vintage-Obekt der Begierde.

Doch wenn nicht der Künstler selbst höchstpersönlich Hand anlegt, sondern allzu täuschend ähnliche Doubletten die Metall-Wände zieren, kann es aber auch rechtlich brenzlig werden. So geschehen 2013, als ein Finanzinvestor in Wien-Mariahilf auf seinem Garagentor eine Fälschung der im Jahr 2008 im Linzer Lentos Kunstmuseum ausgestellten Collage der schrägen Performance-Künstler Eva&Adele aus Berlin nachmalen ließ. „Wenn ich nicht schon wegen geplatzter Preisverhandlung das Original bekomme, dann lass ich es einfach plagiieren und auf mein Garagentor platzieren“, muss sich wohl der Eigentümer dabei gedacht haben. Das falsche „Rote Liebe“ betitelte Garagentor-Exponat jedenfalls musste per Gerichtsbeschluss wegen Urheberrechtsverletzung unter Fristsetzung entfernt werden.

Dass es auch jenseits urheberrechtlich fragwürdiger Aktionen professioneller Kunstmaler oder Graffiti-Künstler anders geht, beweisen Fertigschablone, Diaprojektor und Beamer. Sie ermöglichen selbst dem ungeübten Kunstlaien in heutiger Zeit, sein eigenes Copyright auf Zinkblech zu schaffen. Abseits geübter, freihändiger Umsetzung können für einfachere geometrische Darstellungen Schablonen oder Matrizen aus Pappbögen geschnitten werden. Für komplexere Gestaltungen ist eine Projektion per Dia oder mit einem Beamer angeraten.

Damit der Garagentorlack möglichst lang haftet und schädlichen Witterungseinflüssen trotzt, sollte der Untergrund mit feinem Schleifpapier angeraut, entstaubt und grundiert werden. Altlack-Schichten gründlich anschleifen und das Resultat abschließend mit Nitroverdünnung entfetten. Dann gilt es, die Umrisse des späteren Motivs anhand von Matrizen oder Schablonen mit Blei- oder Buntstift vorzuzeichnen. Durch Motivprojektionen auf das Tor können bestimmte Randbereiche kinderleicht vorgepinselt und fertige Areale anschließend mit Innenleben gefüllt werden. Abschließender Auftrag etwa mit einem besonders witterungsbeständigen, transparenten Bootslack hilft, die Oberfläche des kleinen Kunstwerks vor erosiven Schädigungen durch Sand, Wasser, Eis und Wind zu schützen.

Car-Wrapping stand Pate bei vergleichsweise teuren Vollfolierungen von Garagentoren, die eine gute Portion manuelles Geschick einfordern. Problematisch wird’s hier besonders bei Sektionaltor-Oberflächenstrukturen, die allzu schnell den Motiveffekt in Mitleidenschaft ziehen und unnatürlich erscheinen lassen. Dazu müssen die Folien in Streifen entsprechend der exakten Sektionenbreite geschnitten, partiell Streifen für Streifen aufgeklebt werden. Kompromiss zwischen Farbauftrag und Vollfolierung sind sogenannte Billbords – fertige Folien, die mit rückseitig angeklebten Klettbändern am Garagentor auf am Garagentorrand angeklebte Klett-Gegenbänder angebracht werden.

Uhren

Luxusuhren 2017: Sonne, Mond und Sterne

9 Tipps für eine stressfreie Geschäftsreise

Check-In: Das trend Special für Business-Reisende

9 Tipps für eine stressfreie Geschäftsreise

Check-In: Das trend Special für Business-Reisende

Tipps für Reisende: Urlaub richtig buchen