da Vinci Code: "Salvator Mundi" versetzt Kunstmarkt in Aufregung

Leonardo da Vinci, Salvator Mund. Letzte öffentliche Ausstellung vor der Auktion.

Leonardo da Vinci, Salvator Mund. Letzte öffentliche Ausstellung vor der Auktion.

450 Millionen Dollar für ein Gemälde - das auf Holz gemalte Ölbild des Erlösers Jesus Christus von Leonardo da Vinci erzielte Mitte November 2017 bei einer Christie's-Auktion den bislang höchsten Preis, der jemals für ein Kunstwerk gezahlt wurde. Die Kauflust, auch aus China, treibt die Preise weiter nach oben.

Fast 20 Minuten lang führte Auktionator Jussi Pylkkanen Mitte November mehrere wettstreitende Bieter durch die Versteigerung von Leonardo da Vincis "Salvator Mundi" - ein Bild des segnenden Jesus Christus, das Leonardo da Vinci rund um das Jahr 1500 mit Öl auf Holz gemalt hat und das als das letzte da Vinci Gemälde in Privatbesitz gilt.

Der Auktionshammer fiel schließlich bei 450 Millionen Dollar. Es folgte ein langes, begeistertes Klatschen und Jubeln. 450 Millionen Dollar ist der bislang höchste Preis, der jemals bei einer Auktion für ein Kunstwerk bezahlt wurde. Eine "Demut lehrende Erfahrung" sei das gewesen, sagt Pylkkanen im Anschluss. "Das Werk ist ein Bild von Christus, nicht einfach Öl auf Holz, eine Ikone. Wir können dieses Werk also nicht mit irgendeinem anderen von einem anderen Künstler vergleichen. Es wird noch viele Picassos, Cézannes oder Matisses geben - aber einen anderen Leonardo?"

Leonardo da Vinci, Salvator Mundi, Öl auf Holz, ca. 1500; für eine vergrößerte Darstellung des Gemäldes klicken Sie bitte auf das Bild.

Leonardo da Vinci, Salvator Mundi, Öl auf Holz, ca. 1500; für eine vergrößerte Darstellung des Gemäldes klicken Sie bitte auf das Bild.

Der Rekordpreis, der wie erst Wochen später bekannt wurde, von einem Prinzen aus Saudi Arabien gezahlt wurde, begeisterte jedoch nicht im Auktionssaal von Christies'. Der gesamte Kunstmarkt wurde in Aufregung versetzt. Sammler wie Galeristen und Auktionshäuser beginnen in Gedanken schon eine Null an die Verkaufspreise ihrer Werke anzuhängen. "Salvator Mundi" soll künftig in Abu Dhabi ausgestellt werden.

Das zweitteuerste Gemälde des Jahres fand im Mai bei einer Sotheby's-Auktion einen Käufer: Der unbetitelte, expressiv-bunte Schädel auf blauem Grund des 1988 im Alter von nur 28 Jahren verstorbenen US-Künstlers Jean-Michel Basquiat erzielte 110 Millionen Dollar. "Der amerikanische Markt ist in einem wundervollen Zustand", schwärmt Christie's-Auktionschef Pylkkanen. "Die Menschen wollen einfach frische Sachen sehen, nicht solche, die in den vergangenen zehn Jahren schon dreimal verkauft worden sind." Der Markt ist gut kalibriert, hat eine gute Energie und ist auch endlich wahrhaft globalisiert."

Optimistisch in Bezug auf die weitere Entwicklung des Auktionsgeschäfts ist auch der Europa-Chef von Sotheby's, Philipp Herzog von Württemberg: 2017 sei für das gesamte Auktionsgeschäft wieder sehr gut gelaufen. Bei den Sotheby's-Auktionen in New York im November wurde der Umsatz bei Impressionisten, Moderne und Zeitgenössischer Kunst um zwölf Prozent im Vorjahresvergleich gesteigert. "Wir sind absolut optimistisch für 2018", sagt Württemberg. "Der Markt ist einfach fabelhaft gut." Es gebe eine Masse an Käufern - "das lässt die Preise in die Höhe schießen". Die Käuferschicht aber habe sich radikal geändert. "Asien machte vor ein paar Jahren noch acht bis zehn Prozent aus und hat sich jetzt auf 30 bis 40 Prozent gesteigert." Württembergs Prognose: "In spätestens zehn Jahren werden wir ein Bild für eine Milliarde sehen - wenn es so einzigartig ist wie ein Leonardo da Vinci."


In spätestens zehn Jahren werden wir ein Bild für eine Milliarde sehen.

Trotz aller Rekordpreise warnen die Auktionshäuser vor zu hohen Preiserwartungen. "Die Schwankungen auf den einzelnen Künstler werden extremer", sagt Markus Eisenbeis, Inhaber des Kölner Auktionshauses Van Ham. "Es geht schneller rauf und auch schneller wieder runter." Das Käuferinteresse fokussiere sich immer mehr auf das 20. und 21. Jahrhundert, besonders auf Kunst nach 1960.

Für Hans Neuendorf, Gründer des Internetdienstleisters Artnet, ist das 450 Millionen-Dollar-Bild hingegen nichts anderes als eine Trophäe. "In dem Zusammenhang spielt es kein Rolle, ob das Bild echt ist oder überarbeitet", sagt er. "An der obersten Spitze des Marktes geht es ja nur um Trophäen. Da geht es gar nicht um Kunst." Der Markt wachse, immer mehr Leute und Länder wie vor allem China, würden hineingezogen. Es gebe eine enorme Zahl an Kunstmessen und Galerien. Neuendorf: "Wenn heute jemand vermögend ist, kann er es sich nicht mehr leisten zu sagen, er sei an Kunst nicht interessiert."

Kunst-Auktionen: Die teuersten Gemälde 2017

  1. Leonardo da Vinci, "Salvator Mundi" (1500)
    450,3 Mio. $; Christie's, New York, 15. November 2017
  2. Jean-Michel Basquait, "Untitled" (1982)
    110,5 Mio. $; Sotheby's, New York, 18. Mai 2017
  3. Vincent van Gogh, "Laboreur York dans un champ" (1889)
    81,3 Mio. $, Christie's, New York, 13. November 2017
  4. Fernand Léger, "Contraste de formes" (1913)
    Christie's, 70 Mio. $, New York, 13. November 2017
  5. Andy Warhol, "Sixty Last Suppers" (1986)
    60,9 Mio. $, Christie's, New York, 15. November 2017
  6. Gustav Klimt, "Bauerngarten" (1907)
    59,6 Mio. $; Sotheby's, London, 1. März 2017
  7. Constantin Brancusi, "La muse endorme" (1909)
    57,4 Mio. $, Christie's, New York, 15. Mai 2017
  8. Cy Twombly, "Leda and the Swan" (1962)
    52,9 Mio. $, Christie's, New York, 17. Mai 2017
  9. Francis Bacon, "Three Studies for a Portrait of George Dyer" (1963)
    51,8 Mio. $, Christie's, New York, 17. Mai 2017
  10. Huang Binhong, "Yellow Mountain"
    50,6 Mio. $, China Guardian Auctions, 1. Juni 2017

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