Zwischen Integration und Abgrenzung

ARBEITSWELT 4.0. Michael Schmid über zwei grundlegend unvereinbare Anforderungen an die Zukunft der Arbeit und die sich daraus ergebende Konsequenz.

Zwischen Integration und Abgrenzung

Michael Schmid

Die Frage "Integration oder Abgrenzung?" polarisiert die Gesellschaft - auch im Hinblick auf die Arbeitswelt. Wie diese heute wahrgenommen und in Zukunft erwartet wird, hat das deutsche Arbeits-und Sozialministerium im Rahmen einer umfangreichen Studie erheben lassen. Man kann davon ausgehen, dass die Ergebnisse auch die heimische Stimmungslage ganz gut abbilden.

Bei einer der Kernfragen, der Arbeitszeitgestaltung der Zukunft, zeigten sich zwei grundlegend voneinander verschiedene, letztlich unvereinbare Anforderungsprofile, die von jeweils etwa gleich starken Gruppen vertreten werden: Während die einen danach streben, Arbeit und Freizeit möglichst zu integrieren, verlangen die anderen klar abgegrenzte Arbeitszeiten, um diese Lebensbereiche zu trennen. Flexibilität ist bei Ersteren daher positiv besetzt, den anderen gilt sie als ungute Fremdbestimmung.

Dahinter stehen sogar noch deutlich mehr, nämlich sieben, sogenannte Wertewelten. Sie spiegeln unterschiedliche Ansprüche der Menschen an ihre Arbeit wider -vom Wunsch, materiell sorgenfrei von der Arbeit zu leben, über die Balance von Arbeit und Leben, die Selbstverwirklichung im Beruf bis zum engagierten Erzielen von Höchstleistung.

Für jede einzelne dieser Motivationslagen gibt es gute Gründe. Menschen sind nun einmal nicht alle gleich gestrickt. Soll die Arbeitswelt der Zukunft menschlich sein, muss sie daher pluralistisch sein.

trend. Ausgabe 11/2016 - 18. März 2016

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