Wunderwaffe Kurzarbeit?

In der Bekämpfung der Corona-Wirtschaftskrise hat Österreich auf massive und flächendeckende Ausrollung von Kurzarbeit gesetzt. Aber: Ist das Instrument wirklich treffsicher?

Katharina Körber-Risak

Katharina Körber-Risak

Zu Beginn des Corona-Shutdowns in Österreich herrschte in sehr vielen Unternehmen die blanke Panik. Die Welle rollte so unerwartet und drastisch, dass vielen Unternehmern die Luft zum Atmen wegblieb. Plötzlich riefen Klienten an, die einen jahrelangen Boom erlebten und auf einmal einen Großteil ihrer Belegschaft kündigen mussten.

Die Regierung hat auf die Kündigungswellen schnell und robust reagiert und in Zusammenarbeit mit Sozialpartnern und AMS die sogenannte "Corona-Kurzarbeit" geschaffen. Bestehende Kurzarbeitsregelungen, die als Kriseninstrument bereits seit den 60er-Jahren existieren, wurden über Nacht ausgeweitet und deutlich höhere Beihilfen gewährt.

Im Wesentlichen bietet die Corona-Kurzarbeit bis Ende September die Möglichkeit, Arbeitnehmer variabel zwischen zehn und 90 Prozent ihres ursprünglichen Arbeitszeitausmaßes zu beschäftigen und dabei einen großen Anteil der Lohnkosten vom AMS refundiert zu erhalten. Im Gegenzug verpflichtet sich die Arbeitgeberin während der Kurzarbeit zur Aufrechterhaltung des Beschäftigtenstandes und in der Regel auch zu einem weiteren einmonatigen Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen für diejenigen, die von der Kurzarbeit betroffen waren.

Damit ist Arbeitgeberinnen und Arbeitnehmern geholfen: Die Kosten können drastisch reduziert werden, Arbeitnehmer haben vergleichsweise geringe Einbußen beim Entgelt (Untergrenze 80 Prozent des vorherigen Nettoentgelts), aber dafür eine Arbeitsplatzgarantie.

Ganz schmerzfrei war und ist die Einführung der Kurzarbeit dennoch nicht. Einerseits hat die Einbeziehung von Sozialpartnern und (naturgemäß) AMS sehr viel an Aufwand geschaffen. Auch der Umstand, dass das Instrument - in der Eile verständlich - ein paar Mal nachgeschärft werden musste, hat den Aufwand für die Beteiligten nicht unbedingt reduziert.


Kurzarbeit bringt leider keine kurzfristige Liquidität.

Größter Schmerz aber ist wohl, dass die Kurzarbeit keine kurzfristige Liquidität bringt: Der Arbeitgeber geht bei den Löhnen und Gehältern in Vorleistung und rechnet danach die tatsächlich ausgefallene Arbeitszeit mit dem AMS ab. Das AMS refundiert dann nach Prüfung einen durchaus großen Teil der Entgeltkosten an die Unternehmen, wobei dies nach aktuellen Auskünften bis zu 90 Tage in Anspruch nehmen kann. Die erste große Abrechnungsrunde wird daher erst Ende April losgehen, das Geld kommt dann wohl erst im Sommer.

Kurzfristige Liquidität ist aber auch durch andere Staatsbeihilfen nicht zu erzielen, da die Instrumente gegen Umsatzausfälle von Unternehmen (gebündelt im sogenannten Notfallfonds) gerade erst im Ausrollen sind. Das liegt unter anderem daran, dass hierzu auch beihilferechtliche Weichen auf EU-und nationaler Ebene gestellt werden mussten.

Damit ist aber programmiert, dass nur die Unternehmen, die entweder noch über ausreichend Liquidität verfügen oder mit Hilfe der Banken eine Überbrückung herstellen können (auch das werden in der Regel eher "gesunde" oder von der Krise nur kurzfristig betroffene Unternehmen sein), überhaupt Kurzarbeit als Alternative zu Kündigungen in Anspruch nehmen können. Das könnte ein durchaus gewollter Effekt sein, da die Kurzarbeit ihrem Wesen nach "vorübergehende wirtschaftliche Schwierigkeiten" überbrücken soll und nicht als Sanierungsinstrument für vor der Krise schon strauchelnde Unternehmen genutzt werden darf.

Kritischer zu sehen ist hingegen, dass auch "zu gesunde" Unternehmen, die die Krise entweder kaum spüren oder auch aus eigener Kraft überwinden könnten, die Kurzarbeit in Anspruch nehmen. Derzeit wird das Vorhandensein von "wirtschaftlichen Schwierigkeiten" und der Notwendigkeit von Arbeitszeitausfall ex ante gar nicht überprüft. Beides wird aufgrund der Corona-Krise flächendeckend angenommen. Das derzeit praktisch wohl gar nicht anders mögliche "Durchwinken" von Kurzarbeitsanträgen könnte manchen Unternehmen daher nachher auf den Kopf fallen.

Das AMS hat nämlich 40 Jahre Zeit, das Vorliegen der Voraussetzungen für Kurzarbeit nachträglich zu überprüfen und Beihilfen zurückzufordern. So lange wird die Krise selbst nach den pessimistischsten Prognosen aber nicht dauern.


Zur Person

Katharina Körber-Risak ist Rechtsanwältin mit Schwerpunkt Arbeitsrecht in Wien.


Die Analyse ist der aktuellen trend-Ausgabe 16/2020 vom 17. April 2020 entnommen.


Justizministerin Alma Zadic

Tickende Zeitbombe in Schwarz [Politik Backstage]

Die neuen Attacken auf Alma Zadic und die Justiz sind nur das Vorspiel. …

Georg Gassnerist Strategie-Experte bei der Managementberatung Horváth

Transformation: Der Businesstraum vom Ökosystem

Ökosysteme sind das neue Gold der Wirtschaft. Darüber sind sich …

Benjamin Grether, Steering Lab Horváth Managementberatung

Künstliche Intelligenz: Warum wir faire Algorithmen brauchen

Immer mehr und immer tiefgreifendere Entscheidungen werden heute von …

Franz C. Bauer, trend-Redakteur

Franz C. Bauer: "Ein Lehrstück in Unsicherheit"

Ungewissheit und Risiko begleiten uns immer schon, und Erfolgreiche …