Michael Schmid: Wo der Abschwung Pause macht

Kommentar. Über eine teuer erkaufte kleine Sonderkonjunktur, die es jetzt zu nützen gilt.

Michael Schmid: Wo der Abschwung Pause macht

Michael Schmid

Ja, wo sind wir denn da? Wir haben doch gerade ein Jahr des Abschwungs eingeläutet. Die Aktienkurse an den Leitbörsen der Welt sind eingebrochen. Die Wachstumsmotoren des Globalisierungszeitalters, Schwellenländer wie China oder Brasilien, stottern erbärmlich. Krisenherde brennen lichterloh wie Syrien und schwelen gefährlich wie die Ukraine. Selbstauferlegte Sanktionen und wie Zombies aus ihren Gräbern wiederauferstandene Grenzkontrollen bedrängen den Außenhandel.

Doch in diesem realen globalen Horrorszenario erhellt ein tröstlicher Lichtschein die gute österreichische Stube: ein Konjunkturausblick der Oesterreichischen Nationalbank. Der fällt - jetzt ganz ohne Schmäh - entgegen der allgemeinen Stimmungslage recht gut aus. Zumindest bezogen auf die ersten beiden Quartale des laufenden Jahres. Da sollte die Wirtschaftsleistung in Österreich laut den Notenbank-Volkswirten um gut eineinhalb Prozent höher liegen als in den Vorjahresperioden. Das wäre so gut wie auf dem deutschen Niveau.

Nur: Ein nachhaltiger Aufschwung ist das leider nicht. Eher macht der Abschwung bei uns gerade mal Pause. Das Wachstum im ersten Halbjahr führen die Ökonomen nämlich auf zwei Sondereffekte zurück: die höhere Kaufkraft durch die Steuerreform und die öffentlichen Flüchtlingsausgaben.

Es handelt sich also um die Wirkungen eines schuldenfinanzierten Konjunkturprogramms. Ob daraus ein selbsttragender Aufschwung wird, ist angesichts der Erfahrungen der letzten Jahre höchst unsicher. Aber zumindest gibt es jetzt eine Chance dafür.

Der Kommentar ist im trend. Ausgabe 8/2016 am 26. Februar 2016 erschienen.

Simon Arne Manner

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