Wir hängen an unserer Voreingenommenheit

Wir hängen an unserer Voreingenommenheit

Michael Schmid - trend-Redakteur

Michael Schmid über die Illusion, vermeintlich moderne Phänomene wie Echokammer und Filterblase technologisch oder politisch in den Griff zu kriegen.

Mit großer Sorge diskutiert die politmediale Szenerie gerade Echokammern und Filterblasen in Social Media und Internet. Nutzern würden dort nur mehr gefilterte Informationen zukommen, die eigene Überzeugungen - und Vorurteile - verstärken; Algorithmen täten das ihre, abweichende Inhalte von vornherein auszusondern, und das führe zur Radikalisierung von Standpunkten sowie zu politischer Spaltung der Gesellschaft. Kann man so sehen. Kann aber auch selbst die Innenansicht einer Blase sein, die sich in der medialen Echokammer verstärkt.

Der Bestätigungsfehler (Confirmation Bias) wurde nämlich von der Psychologie schon lange vor dem Internet als "Vater aller Denkfehler" (Autor: Rolf Dobelli) erkannt: Wenn wir eine Meinung, als Wissenschaftler eine Theorie oder als Manager eine Strategie haben, bevorzugen wir bestätigende Infos dazu, gewichten diese höher, erinnern uns besser an sie. Wir hängen viel stärker, als wir meinen, an unseren Voreingenommenheiten!

Filterblasen, die wir geißeln, sind daher immer die Filterblasen der anderen. Wer glaubt, hier auf technologischem oder gar politischem Weg eingreifen zu müssen, bewegt sich auf gefährlichem Terrain. Wer will bestimmen, was sich wie zur Verbreitung eignet? Ein Wahrheitsministerium?

Wenn Politik etwas tun will, sollte sie für ein Schulsystem sorgen, das kritisches Denken fördert und Absolventen in die Lage versetzt, im Netz -und sonst wo - verbreiteten Unsinn zu erkennen.

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