Wiener Börse setzt auf Masse statt Klasse [Kommentar]

trend-Redakteurin Angelika Kramer

trend-Redakteurin Angelika Kramer

Angelika Kramer über das Risiko für Anleger, im neuen KMU-Segment der Wiener Börse zu investieren.

Es tut sich also wieder etwas an der Wiener Börse. Vier Börsenneulinge - und das an nur einem Tag. Jubel! Möglich wurde dieser Zustrom durch ein neues Segment für kleinere und mittlere Unternehmen, genannt "Direct Market". Günstiger, unbürokratischer, schneller sollen kleinere Unternehmen seit Kurzem an die Börse gehen können.

So weit, so gut. Im Kleingedruckten weist dann die Börse auch noch darauf hin, dass ein Investment in dort gelistete Unternehmen mit einem höheren Risiko verbunden ist. Weil eben so gut wie keine Transparenzregeln erfüllt werden müssen und die Unternehmen von heute auf morgen wieder von der Börse verschwinden können. Bleibt zu hoffen, dass dieser Mini-Disclaimer ausreicht, um Investoren vor hohen oder gar Totalverlusten zu bewahren. Wie man in Finanzkreisen so hört, überlegt eine Schar an semiseriösen Unternehmen, am günstigen "Direct Market" bei den Aktionären ihr Glück zu versuchen.

Was aus Sicht der Börse und der Emittenten also kurzfristig als kluger Schritt für den Wiener Kapitalmarkt scheint, könnte sich womöglich bald als Bumerang erweisen. Masse und mehr Volumen dürfen langfristig nicht auf Kosten der Klasse gehen.

Der "Direct Market" darf kein Auffangbecken für Abzocker werden, die anderweitig nicht an Geld kommen. Darauf sollte auch das Management der Wiener Börse schauen.

Denn ist der Ruf bei den Anlegern erst durch Enttäuschungen ruiniert, kann es Jahre dauern, bis das Vertrauen wiederhergestellt ist. Das haben Anlegerskandale wie AvW, MEL und Immofinanz in der Vergangenheit zur Genüge gelehrt.


Der Kommentar ist der trend-Ausgabe 04/2019 vom 25. Jänner 2019 entnommen.


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