Wie man ein neues Ökosystem baut

Wie man ein neues Ökosystem baut

SERIE MANAGEMENT COMMENTARY: Gastbeitrag von Stefan Bergsmann, Geschäftsführer Horváth & Partners Österreich & Jörg Schönhärl, Partner – Head of Strategy & Innovation Schweiz:

Der digitale Wandel stellt Unternehmen vor die Aufgabe, ihr Geschäftsmodell zu transformieren und gleichzeitig völlig neue, radikale Wertversprechen zu entwickeln. Die sogenannte „Ökosystem-Innovation“ bietet dafür einen gangbaren Weg – zum Nutzen von Kunden und beteiligten Partnern.

Wer mit Innovationen erfolgreich sein will, muss vorausdenken. Herausragende Innovationsarbeit lebt jedoch von einem klaren Profil. Daher müssen sich Manager ganz bewusst für oder gegen bestimmte Innovationsfelder entscheiden. Nur so können sie Stärken bündeln, Synergieeffekte erzielen und die Gefahr vermeiden, ihre Organisation zu überfordern. Unternehmen sind jedenfalls gut beraten, ihre Ressourcen nur in diejenigen Ideen zu investieren, die für ihr Zukunftsszenario den größten Erfolg versprechen.

Neue Geschäftsmodelle gesucht

Üblicherweise ist Innovationsmanagement auf neue Produkte und Services ausgerichtet, um durch Top-Line-Effekte zusätzliche Umsätze zu generieren. Es können aber auch bessere und effizientere interne Prozesse im Fokus stehen, um durch Bottom-Line-Effekte höhere Erträge zu erzielen. Moderne Innovationsarbeit muss über dieses Standardrepertoire jedoch hinausgehen und weitaus strategischer sein.

Innovation im Ökosystem

Die Ökosystem-Innovation geht davon aus, Neuerungen gemeinsam mit strategischen Partnern zu realisieren. Analog zu Ökosystemen in der Natur sollen alle Beteiligten davon profitieren, sich rund um ein führendes Unternehmen zusammenzutun. Auf Basis einer Plattform, die von diesem Unternehmen bereitstellt und gesteuert wird, bringen die Akteure ihre spezifischen Fähigkeiten und Ressourcen in ein ganzheitliches Angebot ein, um die Wertschöpfung und die Marktleistung des führenden Unternehmens zu verbessern.

Bei der Entwicklung eines Ökosystems sind zentrale Fragen des Innovationsmanagements zu beantworten: Welchen Grad der Robustheit hat das heutige Geschäftsmodell? Wo wollen wir uns positionieren? Wie setzen wir dies um? Wie generieren wir einen nachhaltigen „Lock-in-Effekt“? Auf welche Art und Weise wollen wir im Ökosystem Geld verdienen? Wer sind für unsere Zielkunden die geeigneten Geschäftspartner?

Breiteres Angebot, tiefere Wertschöpfung

Grundsätzlich gibt es zwei Strategien für erfolgreiche Ökosystem-Innovationen. Die erste zielt auf kundenorientierte Innovationen ab und erweitert die Wertschöpfung horizontal. Ökosysteme der Customer Journey integrieren Marktleistungen von Dritten, um die Kundenerfahrung zu verbessern.

Die zweite Strategie fokussiert auf fähigkeitsgetriebene Innovationen und erweitert die Wertschöpfung vertikal. Mit solchen Ökosystemen entlang der Wertschöpfungskette binden Unternehmen gezielt Partner ein, um die Kundenerfahrung mit erweiterten Fähigkeiten und mehr Wertschöpfungstiefe zu optimieren.

Durch die Kombination beider Strategien entstehen hybride Ökosysteme, die externe Ressourcen sowohl für eine breitere Marktleistung als auch für eine tiefere Wertschöpfung einbinden. Klar ist: Zukunftsorientierte Innovationsarbeit erfolgt heute vielfach vernetzt. Im Zeitalter der Plug-and-play-Geschäftsmodelle können Unternehmen oft gemeinsam mehr erreichen als im Alleingang.

Innovationstypologien nach Vision & Mission


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Die Serie "Management Commentary" ist eine Kooperation von trend.at und der Unternehmensberatung Horváth & Partners. Die bisher erschienen Beiträge finden Sie zusammengefasst im Thema "Management Commentary".


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