Wie Mark Zuckerberg die scharfe Waffe Facebook sichern will

Thomas Kicker, SVP Group Partnering and Business Development, Deutsche Telekom

Thomas Kicker, SVP Group Partnering and Business Development, Deutsche Telekom

Gastkommentar von Thomas Kicker: Die jährliche Facebook-Entwickler-Konferenz F8 war – bevor es Aussagen vor dem amerikanischen Kongress gab – der wichtigste Termin im Facebook-Kalender. Thomas Kicker, SVP Group Partnering and Business Development, Deutsche Telekom, war bei der Konferenz in San Franciso vor Ort.

Die für mich wichtigsten Punkte vorweg: Facebook ist eine soziale Plattform, die zwei Milliarden Menschen verbindet. Diese Plattform ist gratis. Das heißt nicht, dass sie nichts kostet. Das Geschäftsmodell ist es jedoch nicht, Daten zu verkaufen, sondern gezielte Werbung auszuspielen. Das verstehen meiner Meinung nach viele Menschen nicht, und aus dieser Unwissenheit entstehen große Teile der aktuellen Aufregung.

Auf Grunde der Breite und Verbreitung, auf Grund der Öffnung für Drittanbieter und ja, auch aufgrund der Unterschätzung und zu gierigen Governance seitens Facebook kam und kommt es zu Missbrauch. Hier kommt der ebenso wichtige Punkt der sozialen Verantwortung erfolgreicher und großer Unternehmen ins Spiel. Denn die totale digitale Demokratie – und damit auch Selbstverantwortung der Menschen – funktioniert auch nicht.

„What a year ... can't believe it's only April!“ so eröffnete ein vergleichsweise lockerer Mark Zuckerberg die F8. Schon in den Befragungen zum Fall Cambridge Analytica entlockten ihm manche unwissende Fragen zu Facebook ein Lächeln, haben sich die amerikanischen Politiker im Unterschied zu ihren englischen Kollegen nicht durch besonders gute Vorbereitung hervorgetan.

Mission: People first

Im Valley muss alles mit der Mission starten und hier hat Facebook einen guten Twist hinbekommen: Facebook steht für „People first”, was man natürlich anzweifeln kann, aber letztlich ist es doch eine anders anmutende Einstellung zum „AI first“ von GAFA Kollegen Google (GAFA sind die Big Four im Valley: Google, Apple, Facebook, Amazon). „To help people getting closer together ... doesn't happen by itself. We need to help it.”

Und dann wird auch schon der „Elefant im Raum“ thematisiert: Der Einfluss von Facebook auf freie Wahlen, der Kampf gegen Fake News und Datenschutz sind die zentralen Punkte der Agenda. Spät, sicher noch immer nicht intensiv genug, aber doch glaubhaft sind die Ansätze, die Zuckerberg präsentiert: beispielsweise das Data Control Center, die Möglichkeit die Historie runterzuladen und bald auch das neue Feature, die Browser Historie ganz zu löschen.

Man sieht einen Giganten, der sich durchaus einsichtig zeigt. Facebook ist das verbreitetste Authentifizierungsportal, der Zugang zur digitalen App-Welt … lieber einen Giganten kontrollieren und ihm bewusst und informiert vertrauen, als auf die vielen zum Großteil wesentlich gefährlicheren kleine Fische hereinfallen!

Facebook Gründer und CEO Mark Zuckerberg bei seiner Keynote auf der F8 2018

Facebook Gründer und CEO Mark Zuckerberg bei seiner Keynote auf der F8 2018

Nach dem großen Kapitel zum Thema Daten geht es in die Features, keine „moonshots“, aber eine starke und nutzbare Evolution, die sich zunehmend über das Portfolio angleicht: Messenger, WhatsApp und Instagram bekommen beispielsweise einen Group Video Call. Erwähnenswert ist die Dating App „for long term relationships, not for hookups” die natürlich zum jetzigen Zeitpunkt besonders delikat ist – ist der Match doch umso besser, umso mehr Daten man zur Verfügung stellt.

Milliarden-Netzwerk mit Milliarden-Verantwortung

Sinnvolle Gruppenfunktionen dominieren sowie einige noch sehr rudimentäre AR Features. Durchaus attraktiv ist die 199 $ Oculus Go, die Virtual Reality weiter demokratisiert. Facebook kontert Google mit einem eindrucksvollen Angebot an Games und Experiences. Watch Party erlaubt gemeinsame Hybrid Reality Spiele und Fernsehen an unterschiedlichen Orten.

Auch der Geschäftskundenbereich soll mehr und mehr erschlossen werden: Neben dem unterschätzten Workplace wird auch WhatsApp for Business verstärkt und natürlich das Messenger Business – die einfachste Art, Facebook Traffic online zu konvertieren.

Ausklingen lässt Zuckerberg seine Keynote mit ein paar Feelgood-Stories: wie die Facebook Community Frauen in Nigeria hilft, Blutspenden orchestriert oder der Safety Check bei Naturkatastrophen und terroristischen Anschlägen.

Fazit: Facebook hat eine enorme Verantwortung, denn es ist sowohl für Gutes als auch für Böses eine extrem scharfe Waffe. Dieser Verantwortung scheint sich Mark Zuckerberg jetzt auch bewusst zu sein.


Zur Person

Thomas Kicker ist Chef des Bereichs Group Partnering und Business Development der Deutschen Telekom mit Teams in San Francisco, Tel Aviv, London und Bonn sowie den hub:raum Inkubatoren in Berlin und Krakau. In seiner aktuellen Funktion ist der frühere Chief Commercial Officer von T-Mobile Austria der oberste Technologie-Scout des Konzerns.

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