Wenn der Controller zum Steuermann wird

Stefan Bergsmann, Österreich-Geschäftsführer Horváth & Partners

Stefan Bergsmann, Österreich-Geschäftsführer Horváth & Partners

SERIE MANAGEMENT COMMENTARY: Gastbeitrag von Stefan Bergsmann; Österreich-Geschäftsführer Unternehmensberatung Horváth & Partners.

In der Serie "Management Commentary" bringt trend.at in Kooperation mit der Unternehmensberatung Horváth & Partners folgende Beiträge:


Wenn der Controller zum Steuermann wird

Der Finanzvorstand großer Unternehmen wird sich künftig immer stärker mit strategischen Aufgaben befassen. Voraussetzung dafür sind professionelles Datenmanagement und gute Prognose-Tools.

Wer in Finanzabteilungen nach den größten Zeitfressern fragt, erhält immer wieder die gleiche Antwort: Forecasts nehmen zu viel Zeit und Ressourcen in Anspruch. Viele Unternehmen wollen diese klassischen Reporting-Prozesse daher mithilfe der anstehenden Digitalisierung beschleunigen.

Beispiel: Oft kommt es zu hohen Abweichungen zwischen Vertriebsprognosen zum Auftragseingang und den tatsächlichen Ist-Zahlen. Das hat zur Folge, dass die Jahresendprognosen losgelöst von der Vertriebssteuerung erstellt werden müssen. Zur Lösung des Problems dienen neue Forecast-Modelle auf Basis von Advanced Analytics. Da werden aus historischen Daten Muster und Trends abgeleitet und unter Beachtung von saisonalen und regionalen Besonderheiten Prognosen errechnet.

Verbesserung der Prognosegüte

Laut einer aktuellen Befragung der Managementberatung Horváth & Partners ist die digitale Transformation der Finanzabteilungen bereits in vollem Gang. Jeder zweite Befragte hält die Anpassung der CFO-Organisation für wichtig. Bei den erwarteten Vorteilen steht allerdings nicht nur die Zeitersparnis im Vordergrund. Vielfach wird auch eine deutliche Verbesserung der Prognosegüte angestrebt. Für Unternehmen in Branchen mit verderblicher Ware ist eine möglichst exakte Vorhersage des Absatzverhaltens sogar absolut erfolgskritisch.

Erfolg steht und fällt mit Daten

Damit ändert sich auch die Rolle des CFO. Er schaut in seinen Reports nicht mehr nur zurück, sondern will mit den digitalen Planungswerkzeugen künftige Entwicklungen möglichst genau vorherberechnen. Warum ist klar: Größten Einfluss hat der Effizienzdruck, bestätigen 94 Prozent der Befragten. 90 Prozent sehen, dass sich durch die digitale Datenanalyse auch die Art der Steuerung verändert – von reaktiver Analyse zu proaktiver Prognose. Mehr als 80 Prozent beobachten eine radikale Veränderung der Kompetenzen – aus den Kontrolleuren werden Steuermänner, die zunehmend die Richtung vorgeben. 74 Prozent sind der Ansicht, dass der künftige Erfolg von der unternehmensübergreifenden Datenverfügbarkeit und -verknüpfung abhängt.

Entsprechend sieht die Agenda der Finanzvorstände aus: Ganz oben steht die Standardisierung der Systemlandschaft, gefolgt von der Reorganisation und der Automatisierung von Prozessen. Unternehmen werden die neuen digitalen Methoden schrittweise aufbauen, verfeinern und in bestehende Prozesse integrieren, etwa Machine-Learning-Ansätze oder neuronale Netze, die bis dato selten in betrieblichen Entscheidungsprozessen zu finden waren. Mit solchen neuen Konzepten lassen sich sehr deutliche Effizienzgewinne erzielen, manche CFOs sprechen von einer Aufwandsreduktion von mehr als 30 Prozent.

Kostensenker Robotics

Bei der digitalen Transformation der Finanzabteilungen spielen auch neue technologische Ansätze eine wichtige Rolle, z.B. der Einsatz von Robotics-Software, die menschliche Arbeitsschritte wie das Durchsehen von Dokumenten übernimmt. Schrittweise automatisiert werden können etwa alle Debitoren- und Kreditorenprozesse, die in den vergangenen Jahren oftmals in Shared-Service-Centern in Niedriglohnländern gebündelt wurden. Damit entfällt das Argument der Lohnarbitrage, und auf den Zwischenschritt Shared Services kann komplett verzichtet werden. Auf diese Weise lässt sich gleichzeitig die Effizienz steigern und die Leistungserstellung am heimischen Standort halten. Viele Topentscheider in der chemischen Industrie oder bei Finanzdienstleistern wollen in den kommenden fünf Jahren solche transaktionalen Prozesse konsequent automatisieren, um damit die genannten Einsparpotenziale zu erzielen.

Wandel der Arbeitskultur

Darüber hinaus gehen Unternehmen dazu über, die Digitalisierung im Finanz- und Controllingbereich in einem ganzheitlichen Rahmen umzusetzen. Die Programme bestehen dabei aus zwei Kernelementen. Das eine ist die Weiterentwicklung der bestehenden Organisation durch die Optimierung der Prozesse, die Änderung der Finanz-Aufbauorganisation und den Aufbau mathematischer und statistischer Kompetenzen. Das andere ist die organisatorische Entwicklung und Vorbereitung der Unternehmenskultur auf die Umsetzung des digitalen Finanzbereichs der Zukunft.

Fazit: Die primäre Aufgabe für den CFO im digitalen Zeitalter besteht also darin, einen digitalen Finanzbereich aufzubauen, der aus umfassend automatisierten (Rechnungs-) Prozessen besteht und pro-aktiv Impulse für das operative Geschäft vorgibt. Controller und Manager analysieren dann in gemeinsamen Teams die Zahlen und leiten daraus entsprechende Maßnahmen ab. Der CFO muss aber auch den Wandel in den Köpfen vorantreiben, indem er die Akzeptanz für neue Arbeitsweisen oder Design-Thinking-Ansätze fördert. Nur durch die Kombination aus Technologie und vernetztem Denken kann sich sein Bereich zur pro-aktiven Steuerereinheit entwickeln.


Der Autor

Stefan Bergsmann ist Österreich-Geschäftsführer Unternehmensberatung Horváth & Partners E-Mail: sbergsmann <AT> horvath-partners.com

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