Was Einkauf mit Risikomanagement zu tun hat

René Bossert, Procurement-Experte bei Horváth & Partners

Procurement-Experte bei Horváth & Partners

SERIE MANAGEMENT COMMENTARY: Gastbeitrag von René Bossert, Procurement-Experte bei Horváth & Partners: Einkäufer müssen im Zuge der Digitalisierung zu Risikomanagern werden.

Einkäufer leben hierzulande nach dem Motto: Was man nicht ausgibt, hat man schon verdient. Doch in Zeiten der Digitalisierung reicht das nicht mehr aus. Immer mehr müssen sie in ihren Unternehmen auch Risikomanagement-Tools beherrschen. Da sind Konflikte vorprogrammiert. Denn Risikomanager müssen bereit sein, auch unliebsame Marktanalysen in den Entscheidungsgremien zu vertreten. Das erfordert starke Persönlichkeit.

Die Veränderungen in den globalen Beschaffungs- und Absatzmärkten und der Kostendruck auf das Supply Chain Management haben in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass Unternehmen oft unverschuldete Verluste hinnehmen mussten. Unerwartete Ereignisse, Lieferantenausfälle oder große Nachfrageschwankungen können die besten Planer verunsichern. Viele Unternehmen haben daher erkannt, dass systematisches Management solcher "Supply Chain Störungen" einen langfristigen Nutzen bringen kann.

Mit professionellem Risikomanagement können Unternehmen das Geschäftsergebnis verbessern, die Lieferketten stabilisieren, die Qualität optimieren und insgesamt dadurch ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken. Zahlreiche Studien zeigen, dass unter anderem der Einkauf (Procurement) gefordert ist. Gerade erfolgreiche Unternehmen lassen erkennen, welchen Beitrag Risikomanagement im Einkauf zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit leistet.

Die Bedeutung dieses Faktors hat in den letzten Jahren sogar stark zugenommen. Und das ist auch kein Wunder – denn unerkannte Risiken können schnell für negative Folgen und sinkende Umsätze sorgen, in der Konsumgüterindustrie ebenso wie im Investitionsgüterbereich oder bei Zulieferern. Da sind dann neue ERP-Lösungen, fortschrittliche Technologien und Datenmanagement in Echtzeit gefragt.

Risiken identifizieren

Durch die Verlagerung von Wertschöpfungsprozessen auf Zulieferer werden Risiken aus dem eigenen Unternehmen in die Supply Chain verlagert. Das muss nicht immer positiv sein. Oftmals hält das unternehmerische Supply-Chain-Risikomanagement nicht Schritt mit dieser Entwicklung. Ein Grund dafür sind unzureichendes Know-how oder Wissen über die gravierenden Folgen.

Beim Identifizieren von Risiken werden mögliche Szenarien aufgelistet, bewertet und anschließend priorisiert. Dabei richtet sich der Fokus auf die Hauptrisiken für das jeweilige Unternehmen. Klar ist daher, dass man sich auf die Top-Risiken konzentriert, um diese mit größter Wahrscheinlichkeit abzudecken. Lieferantenausfälle, Qualitätsrisiken und Compliance zählen zu den häufigsten Risikoarten.

Risiken bewerten

Nach der Identifizierung der wesentlichen Risiken gilt es, vertiefende Informationen einzuholen, zu konsolidieren und qualitativ wie quantitativ zu analysieren. Durch diese Aufarbeitung entsteht eine gute Übersicht, die ein besseres Bild der Risikolandschaft gibt. Zwei Risikoarten spielen dabei eine besondere Rolle. In der Beratung beschreiben wir diese Risiken nach a) ihrer Eintrittswahrscheinlichkeit und b) ihrer möglichen Auswirkungen und Schadenshöhe. So entsteht ein Risikoportfolio, aus dem einzelne Szenarien abgeleitet werden können.

Risiken steuern

Kennen wir die möglichen Szenarien, wissen wir was zu tun ist: z. B. regelmäßig Lieferanten bewerten, langfristige Rahmenverträge abschließen, Sicherheitslager anlegen, Beschaffungsländer analysieren oder auf mehrere Lieferanten setzen (Dual Sourcing Strategie).

So können Pläne bzw. Szenarien für Notfälle erarbeitet und Beschaffungsvorgänge rechtzeitig in andere Länder verlagert werden. Indem die Risiken gemäß den erarbeiteten Szenarien regelmäßig überwacht werden, ist die Versorgung sichergestellt. Dadurch lassen sich Lieferantenausfälle stark verringern, die Preise stabilisieren, Produkt- und Servicequalität verbessern.

Fazit: Risikomanagement im Einkauf hat unterschiedliche Facetten, doch braucht es jedenfalls Spezialwissen in qualitativen wie quantitativen Simulations-, Rating- und Bewertungsverfahren. Viele Einkaufsmanager unterschätzen die Tragweite dieses Know-hows. Durch die zunehmende Digitalisierung und damit steigende Komplexität der Liefer- und Wertschöpfungsketten werden sich in Zukunft jedoch jene Einkäufer erfolgreich behaupten, die das Risikomanagement-Werkzeug beherrschen



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Die Serie "Management Commentary" ist eine Kooperation von trend.at und der Unternehmensberatung Horváth & Partners. Die bisher erschienen Beiträge finden Sie zusammengefasst im Thema "Management Commentary".


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