Warum niedrige Zinsen für CFOs kein Thema mehr sind

Peter Schentler, Principal Horváth & Partners Österreich

Peter Schentler, Principal Horváth & Partners Österreich

SERIE MANAGEMENT COMMENTARY: Gastkommentar von Peter Schentler, Principal Horváth & Partners Österreich: Finanzverantwortliche waren in der Vergangenheit vor allem für die gewissenhafte Finanz- und Liquiditätsplanung, das Risikomanagement und die Berichterstattung an den Vorstand verantwortlich. In Zeiten anhaltender Niedrigzinsen und digitaler Transformationsserfordernisse sind neue Qualitäten gefragt.

Österreichs Unternehmen sind derzeit voll mit den Auswirkungen der Digitalisierung befasst. Viele Finanzer machen aus der Not eine Tugend und treiben dort die Investitionen voran, wo sie strategisch relevante Zukunftsperspektiven oder Start-ups mit Disruptionspotenzial orten. Zudem operieren sie mit der Exportstärke oder günstigen Finanzierungen. Doch damit könnte es mit der Anhebung des Leitzinses frühestens 2019 vorbei sein.

Die Herausforderungen für Finanzchefs sind heute so vielfältig und komplex wie nie zuvor. Ganz oben auf der ToDo-Liste steht laut einer neuen Untersuchung von Horváth & Partners die digitale Transformation. Für 77% der Finanzchefs ist der digitale Umbruch in ihrem Unternehmen derzeit die größte „Baustelle“. Gleich dahinter folgt die Neuorganisation des Finanzbereichs zur Anpassung an digitalgetriebene Geschäftsmodelle. Erfolgreiche Finanzer müssen sich jedenfalls mit digitalen Geschäftsmodellen auskennen, Investitionen in digitale Systeme bewerten, mit digitalen Lösungen steuern und selbst agiler werden.

Der digitale Wandel erschwert auch eine weitere Aufgabe der CFOs, nämlich die Compliance zu wahren. Die neue EU-Datenschutz-Grundverordnung ist nur eines von vielen Beispielen für neue Regularien und Entwicklungen, die Auswirkungen auf Unternehmensrisiken haben. 63 Prozent der befragten Entscheider haben Probleme, die gestiegenen Anforderungen zu bewältigen.

Daten als Entscheidungsgrundlage

Das führt zwangsläufig zur Frage, wie die Unternehmenssteuerung künftig bewerkstelligt werden kann. Die Arbeit des CFO in großen Unternehmen beruht ja immer stärker auf Business Intelligence bzw. Big-Data-Analysen. Steuerungsanwendungen, die darauf basieren, sind quasi zum Must-have geworden. Ist die Qualität der darin verarbeiteten Daten mangelhaft, fehlt den Entscheidern die Übersicht, an welchen Stellen Handlungsbedarf besteht und wo geeignete Stellschrauben zur Effizienzsteigerung sind.


CFO Studie 2018

CFO Studie 2018
CFO Studie 2018

Die Management-Beratung Horváth & Partners hat für ihre „CFO Studie 2018: Chancen der Digitalisierung erkennen und die digitale Transformation der Finanzfunktion meistern“ rund 200 Führungskräfte aus dem Finanzbereich befragt. Download des Studienpapiers (PDF-Dokument, 6 Seiten)

Die Realität sieht jedoch so aus: Jeder zweite Finanzchef muss sich heute mit fehlerhaften oder unvollständigen Daten herumschlagen. Die Dunkelziffer der Finanzverantwortlichen, die Entscheidungen auf unzureichenden Datengrundlage fällen, ist noch höher. Auch der Anteil der Entscheider, die mit vorhandenen Steuerungsgrößen nicht mehr zurechtkommen, wächst. Jeder zweite CFO weiß, dass die aktuellen KPIs nicht mehr ausreichend sind, um das Unternehmen zu steuern. Jeder Zweite beklagt seine IT-Landschaft, die mehr Patchwork als Gesamtkonzept sei.

Fazit: Trotz digitaler Transformation dürfen Finanzchefs die Unternehmensstrategie und die klassischen Finanzthemen nicht aus den Augen verlieren. Doch das geht umso besser, wenn sie die Chancen der Digitalisierung zu Steuerungszwecken ausnutzen. Für die nächsten Jahre werden Österreichs Unternehmen ihre Finanzorganisation aufrüsten. Die Entwicklung des Zinsniveaus wird dabei nur ein Randthema bleiben.


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Die Serie "Management Commentary" ist eine Kooperation von trend.at und der Unternehmensberatung Horváth & Partners. Die bisher erschienen Beiträge finden Sie zusammengefasst im Thema "Management Commentary".


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