Warum es eine "Third Mission" für Hochschulen braucht

Rainer Graf, Horváth & Partners

Rainer Graf

SERIE MANAGEMENT COMMENTARY: Gastbeitrag von Rainer Graf, Competence Center Public Management Horváth & Partners: "Eine digitale Hochschulstrategie tut not."

In der Serie "Management Commentary" bringt trend.at in Kooperation mit der Unternehmensberatung Horváth & Partners folgende Beiträge:


Warum es eine "Third Mission" für Hochschulen braucht

Von den Hochschulen und Universitäten nimmt man gemeinhin an, dass sie die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung maßgeblich vorantreiben. Doch gilt dies in vielen Bereichen schon lange nicht mehr. Überdies baut der globale Wettbewerb mit privaten Bildungs- und Forschungseinrichtungen zusätzlichen Druck auf. Was jetzt not tut, ist eine digitale Hochschulstrategie.

Derzeit herrscht an den Hochschulen und Universitäten vielerorts (noch) ein Fleckerlteppich aus oft unkoordinierten Digitalisierungsmaßnahmen. Diese gilt es unter einer Dachstrategie zu vereinen und somit das Optimum aus der digitalen Revolution herauszuholen. Eine solche zentrale Digitalisierungsstrategie könnte etwa dazu führen, dass Synergieeffekte optimal genutzt werden, Doppelarbeiten, Silodenken und monolithische IT-Systeme überwunden werden.

Konkret geht es um die drei wichtigsten Handlungsfelder Forschung, Lehre und den gesellschaftlichen Auftrag – im Fachjargon "Third Mission". Letztere wird immer wichtiger für die öffentliche Mittelzuteilung, denn von Hochschulen und Universitäten wird eine klare Dienstleistungs- und Kundenorientierung erwartet.

  • In der Forschung muss die Hochschule sicherstellen, dass die digitale Infrastruktur vorhanden ist. Digitale Kollaboration wie virtuelle Forschungsgruppen und Innovationsnetzwerke fördern die Innovationskultur und tragen zur Vernetzung bei. Der freie Zugang zu Informationen erleichtert und beschleunigt auch die Lehre. Industrie-Kooperationen und Gründerzentren können die Hochschule so zu Treibern der digitalen Revolution machen.
  • In der Lehre steht das digitale Lernen im Vordergrund. Durch die infrastrukturelle Unterstützung wird das Studienerlebnis kundenorientiert weiterentwickelt. Die Digitalisierung der Buchstände etwa eröffnet Möglichkeiten, die Bibliothek zu einem Vernetzungsort weiterzuentwickeln. E-Learning-Angebote öffnen die Präsenzuniversität hin zum digitalen und globalen Campus. Die nationale wie auch die internationale Sichtbarkeit und Wettbewerbsfähigkeit werden dadurch gesteigert.
  • Die „Third Mission“ ergänzt Forschung und Lehre um die gesellschaftliche Verantwortung. Die Vermittlung und Schaffung von sozial, kulturell oder ökonomisch nutzbaren Wissens stellt die eigentlich bedeutendste Aufgabe der Hochschulen dar. Um dieser Mission gerecht zu werden, nutzen sie neben intensiver Öffentlichkeitsarbeit inzwischen u.a. Live-Streaming-Angebote, um den Zugang großer außeruniversitärer Zielgruppen zu ermöglichen.

Die Vernetzung der Studierenden und die Förderung der Innovationskultur finden sich besonders in der Bibliothek als physisches Pendant zur digitalen Welt. Auch hier sollte für den Studien- und Forschungserfolg digitale Exzellenz angestrebt werden.

Der „Smart Campus“ wird durch die elektronische ID leichter zugänglich und sicherer. Digitale Bezahlsysteme machen ihn kundenfreundlicher, die frühzeitige Einbeziehung der Studierenden in die Entwicklung solcher Systeme stellt die Nutzerfreundlichkeit sicher. Damit auch die Zeit nach der Hochschule erfolgreich wird, sind Karriere-Hubs und Alumni-Netzwerke die idealen Begleiter.

Das Hochschul-Management sollte ganz vom digitalen Leitgedanken (und digitalisierten Entscheidungsprozessen) durchdrungen sein, „Digital by Default“ führt schließlich zur papierlosen Hochschule. Big-Data-Anwendungen skalieren die Effekte von IT-Systemen, die in ihrer Anwendung von klassischen Campusmanagement- und ERP-Systemen bis zu CRM-Systemen mit Marketingkomponenten reichen. Durch die organisatorische Einbettung kann sehr viel Effizienzpotenzial gehoben werden.

Das digitale Leitbild enthält im Idealfall eine Vision der zukünftigen Hochschule, sowie eine Mission, wie die Rolle der Digitalisierung für die Hochschule eingeordnet wird. Die Umsetzung der Ziele kann aber nur unter Einbeziehung aller Beteiligten mit aktiver Kommunikation erfolgen. Das Veränderungsmanagement reicht dabei von der Ansprache attraktiver Multiplikatoren bis hin zur kontinuierlichen Bewerbung und Öffentlichkeitsarbeit für die Vision des Wandels.

Fazit: Für die erfolgreiche Entwicklung der künftigen Hochschule ist eine umfassende Digitalisierungsstrategie zentrale Voraussetzung. Die Zielformulierung und Umsetzung muss dafür gleichmäßig über alle Handlungsfelder und Unterstützungsfunktionen hinweg erfolgen, da sich diese gegenseitig bedingen. Sind sie nachvollziehbar, steht der „Third Mission“ (und damit zusätzlichen Finanzmitteln) nichts mehr im Wege.


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