Warum sich Roboterautos durchsetzen

Christoph Kopp, Principal bei Horváth & Partners Management Consultants Österreich

Christoph Kopp, Principal bei Horváth & Partners Management Consultants Österreich

SERIE MANAGEMENT COMMENTARY: Gastbeitrag von Christoph Kopp, Horváth & Partners Österreich:

Was sich begeisterte Autofahrer wie Verkehrsexperten hierzulande noch kaum vorstellen können, ist in der Tat bereits fester Bestandteil der Zukunftsplanung von Automobilkonzernen weltweit. Nach Millionen von Testkilometern scheint klar: Selbstlenkende Autos werden sich durchsetzen, denn fahrerlose Mobilität bietet mehr Bequemlichkeit und – überraschend viel Akzeptanz.

Die Managementberatung Horváth & Partners hat in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation 2.500 Autofahrer in fünf wichtigen Weltmärkten befragt und kommt zum Ergebnis, dass jeder zweite Befragte bereit wäre, einen Aufpreis für ein selbststeuerndes Fahrzeug zu zahlen. Ebenso groß ist die Vorfreude auf ein völlig neues Fahrgefühl. Denn wird der Fahrersitz frei, kann der Innenraum zum Schlafen, Arbeiten, Spielen und Fernsehen genutzt werden.

Zwar ist die die Begeisterung in den deutschsprachigen Absatzmärkten mit 38 Prozent geringer als etwa in Frankreich, Japan oder China. Dafür ist die Zahlungsbereitschaft hier besonders hoch. Jeder dritte deutsche Autofahrer würde mehr als 1.500 Euro für die automatisierte Fahrfunktion ausgeben, denn technische Innovationen und Assistenten werden hier traditionell besonders hoch geschätzt. Dennoch scheint das vermeintliche Sicherheitsrisiko gerade die Deutschen zu bremsen.

Chinesen begeistern sich hingegen am meisten für Roboterautos. Bei allen Themen signalisieren sie höchstes Interesse und größte Zahlungsbereitschaft. Auch die Japaner zeigen großes Interesse, allerdings geringe Zahlungsbereitschaft. Die Erklärung dafür liefert die Analyse der Nutzungsintensität: In Japan verbringen Autofahrer nur 44 Minuten pro Tag hinterm Steuer, der Durchschnitt liegt bei 70. Allerdings sind auch die Japaner bereit, mehr Geld auszugeben, wenn es dafür mehr Sicherheit für die Autofahrer gibt.

Auf Privatfahrten entspannen, auf Geschäftsreise und Arbeitswegen produktiv sein, das ist die generelle Motivation der potenziellen Käufer. Die Sonderausstattung hängt vor allem von der Nutzung ab. Bei Freizeitfahrten von mehr als einer Stunde Dauer oder auf Urlaubsreisen werden Schlaf- und Entspannungsmöglichkeiten am meisten geschätzt. Auf beruflich bedingten Fahrten stehen hingegen joborientierte Ausstattungen im Kurs – von der Arbeitsoberfläche über den Computerarbeitsplatz bis hin zum hochwertigen Sprachassistenten mit Diktierfunktion.

Ein weiterer relevanter Faktor ist die Anzahl der reisenden Personen. So liegt das Interesse von Alleinreisenden vor allem bei Schlaf- und Entspannungsmöglichkeiten. Bei zwei und mehr Passagieren an Bord steht hingegen die Unterhaltung an erster Stelle. Familien zeigen durchwegs überdurchschnittliches Interesse an Sondernutzungsmöglichkeiten, um die durch Autopiloten neu gewonnene Freizeit sinnvoll oder angenehm zu verbringen. Sie sind auch im Vergleich zu Single- und Paarhaushalten eher bereit, Sharing-Angebote zu nutzen.

Fazit: Die Bereitschaft zur Nutzung autonomer Fahrzeuge ist groß und flächendeckend über alle Lander gleich. Jeder zweite Autofahrer freut sich aufs autonome Fahren. Je mehr Zeit er im Fahrzeug verbringt, desto größer die Akzeptanz. Vor allem Großstadtbewohner, Familien, jüngere Menschen mit höheren Einkommen oder Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs zeigen großes Interesse und stellen aus Sicht der Hersteller und Serviceanbieter wichtige Zielgruppen dar.


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Die Serie "Management Commentary" ist eine Kooperation von trend.at und der Unternehmensberatung Horváth & Partners. Die bisher erschienen Beiträge finden Sie zusammengefasst im Thema "Management Commentary".


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