Warum die klassische Konsolidierung überholt ist

Managementberater Till Tschierschky

Managementberater Till Tschierschky

Gastkommentar von Till Tschierschky, Managementberater Horváth & Partners: Was die Agglomeration und Konzentration ganzer Industriebereiche und Wertschöpfungsketten für die Konsolidierung von Unternehmensgruppen bedeutet.

Im Vorfeld der Europawahl 2019 tobt in den Mitgliedsländern ein Streit darüber, wie viel Europa gut für die Bürgerinnen und Bürger ist. Zur gleichen Zeit tobt an einer anderen Front, im Management der großen Konzernzentralen, völlig unbemerkt von der Öffentlichkeit, ein Streit darüber, wie die zunehmende Komplexität von Organisationsstrukturen und Finanzsystemen in den Griff zu bekommen wäre. Denn in einem sind sich alle einig: die klassische Konsolidierung von Bilanzen hat ausgedient, da sie den modernen Anforderungen an flexible und adaptive Steuerung und Berichterstattung nicht mehr entspricht.

Zusammenführung aller verfügbaren Daten

Worum geht es für die Finanz- und Steuermänner/frauen der Konzernzentralen? Jedenfalls nicht mehr nur um Accounting und Controlling, sondern um den Aufbau von umfassenden, IT-basierten Lösungen für die gesamte Organisation, um die Zusammenführung von konsolidierten und nicht-konsolidierten Daten in Reports, um die Frequenz und Verfügbarkeit dieser Daten – nicht unbedingt in „Real-time“, aber zumindest „any-time“ – also zu unbestimmten Zeitpunkten, aber dann sofort.

Was das für die Finanzteams in den Konzernzentralen bedeutet ist klar: noch mehr Arbeit und noch mehr Stress, insbesondere dann, wenn der Bilanzabschluss naht und Management wie Aktionäre auf die Ergebnisse warten. Doch gerade dieser Abschluss könnte künftig ein „Non-Event“ werden, wenn man die Thesen moderner Konsolidierungspraxis befolgt. So etwa kann die Bilanzierung am Ende einer Periode beschleunigt, der Aufwand reduziert und die Effizienz deutlich erhöht werden, wenn man die anstehenden Dinge schon auf dem Weg dorthin erledigt.

So viel Zentralisierung wie möglich

Die Zauberformel dafür ist „So viel Zentralisierung wie möglich, um Effizienzgewinne in vollem Ausmaß zu generieren“. Voraussetzungen dafür sind eine IT-Landschaft, die den geänderten Anforderungen optimal entspricht, und eine Organisationsstruktur, die inhaltlich wie prozessual klare Vorgaben macht. Das Instrument schließlich ist so alt und bekannt wie die Luftfahrt – eben ein „Financial Closing Cockpit“, mit dem man selbst durch schlimmste Stürme navigiert – jetzt aber nicht mehr mit Bauchgefühl, sondern eben mit allen verfügbaren Daten, Einzelabschlüssen und Sammelabschluss in der Übersicht.

Kritiker werden nun fragen, was daran neu ist. Klar: Ideen und Prozedere stellen keine Revolution dar. Sie sind aber in vielen Konzernzentralen noch nicht umgesetzt. Wie die Bilanzkonsolidierung in Zukunft aussehen wird, kann jedenfalls gut vorhergesagt werden, die großen Software-Systeme dazu gibt es nun. Wie überall anders auch geht es um eine Analyse der individuellen Anforderungen, dann um die Machbarkeit und zuletzt um die Auswahl der Konsolidierungssoftware. Moderne Konzernlenker werden dann ihre Ziele besser und effizienter erreichen können.

Fazit: Klassische Konsolidierungsmethoden mit Accounting, Controlling und Abstimmung sind nicht nur aufwändig und redundant, sondern überholt, weil sie die künftigen Anforderungen an die Ergebnisplanung und Steuerung nicht mehr erfüllen können. Anders als die Politik haben Konzernzentralen jedoch die Möglichkeit, ihre Strukturen und Systeme so zu zentralisieren, dass sie sicher in die Zukunft steuern. Und für jeden Konzern, der sein „altes“ ERP-System durch ein neues ersetzen muss, ist es dringend ratsam, sich jetzt mit der Thematik zu beschäftigen.


Zur Person

  • Till Tschierschky ist Principal und Management-Berater bei Horváth & Partners München. Er begann seine Karriere als Senior Consultant bei einer großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, bevor er als Partner und Geschäftsführer in verschiedenen Unternehmensberatungen arbeitete. Am 7. März 2019 war er zu einem außerordentlich stark besuchten Business Breakfast in Wien.

Die Serie "Management Commentary" ist eine Kooperation von trend.at und der Unternehmensberatung Horváth & Partners. Die bisher erschienen Beiträge finden Sie zusammengefasst im Thema "Management Commentary".


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