Waffen: Das trügerische Gefühl der Sicherheit

Waffen: Das trügerische Gefühl der Sicherheit
Waffen: Das trügerische Gefühl der Sicherheit

Walter Hammerschick, Geschäftsführer des Institut für Rechts- und Kriminalsoziologie (IRKS), zur kritischen Frage des zunehmenden Waffenbesitzes. Seriöse Zahlen, die auf steigende Verkaufszahlen hindeuten, gäbe es nicht und seien kontraproduktiv. "Es kann von keiner Aufrüstung in Österreich gesprochen werden."

Offenbar gab es in letzter Zeit vermehrte Waffenkäufe von Privatpersonen. Verlässliche beziehungsweise fundierte Verkaufszahlen gibt es jedoch keine. Auf Seiten der Waffenhändler gibt es solche, die den mitunter vorgebrachten gewaltigen Anstiegen widersprechen und solche, die sich über die mediale Aufmerksamkeit freuen. Selbst wenn man höheren Schätzungen glaubt, kann von keiner „Aufrüstung“ durch die Österreicher gesprochen werden. Die meisten Menschen stehen Waffen nach wie vor sehr skeptisch oder ablehnend gegenüber, mit gutem Grund! Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund verstört die Wortwahl.

Ein großer Teil der einschlägigen Wirtschaft lacht sich angesichts der laufenden, auf gewaltige Verkaufszahlen hinweisenden medialen Berichte ins Fäustchen. So billig, soviel Werbung und das noch dazu im Mantel seriöser Berichterstattung! Selbst vermeintliche Qualitätsmedien spielen hier bereitwillig oder unbedacht mit und damit entsteht die Gefahr einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Menschen, die bislang nicht daran gedacht hätten, sich eine Waffe zu kaufen, fangen vermehrt an sich zu fragen, ob eine Waffe nicht vielleicht doch sinnvoll wäre.

Verunsicherung vs. Statistik

Das subjektive Sicherheitsgefühl ist sensibel und entzieht sich oft schlüssigen Argumenten oder unterbreiteten Fakten. Selbst objektiv gemessene, gute Rahmenbedingungen sind kein Garant dafür, dass dieses Gefühl weitgehend positiv und optimistisch ist und bleibt. Zu viele Faktoren können dieses Gefühl und die dafür verantwortlichen Wahrnehmungen irritieren. Generelle Ängste hinsichtlich Arbeit, Wirtschaft, Wohlstand etc. werfen sehr leicht ihre Schatten auch auf Einschätzungen der Bedrohung durch Straftaten. Die Entwicklung der registrierten Kriminalität widerspricht jedenfalls der offenbar zunehmenden Verunsicherung. Wie immer die fertige Kriminalstatistik 2015 aussehen wird, die von manchen Seiten heraufbeschworenen Bedrohungsszenarien unserer Sicherheit durch Flüchtlingsströme haben sich nicht bewahrheitet. Angesichts der vielen, zusätzlich in Österreich aufhältigen Menschen ist das tatsächlich bemerkenswert. Das spricht nicht nur für diese, mitunter unter sehr schlechten Bedingungen lebenden Menschen, sondern auch für die österreichische Bevölkerung.

Dennoch darf man die Augen nicht davor verschließen, dass sich viele Menschen verunsichert fühlen. Dem zu begegnen zählt zweifellos zu den großen Herausforderungen für die Politik und die gesamte österreichische Bevölkerung. Dialog, von und miteinander lernen und respektvoller Umgang miteinander sind Voraussetzungen dafür, dass sich das wieder ändert und für die Erhaltung des sozialen Friedens. Mehr Schusswaffen in den Händen von Privatpersonen sind mit Sicherheit keine geeignete Antwort auf Verunsicherungen und gefährden den sozialen Frieden.

Schutz vs. Eskalationsrisiko

Es mag sein, dass sich manche Menschen mit einer Schusswaffe persönlich sicherer wähnen. Eine zur Vermeidung, Beherrschung oder Kontrolle von Angriffen oder anderen kritischen Situationen gedachte Waffe birgt aber immer auch die Gefahr einer Eskalation. Man kann nie davon ausgehen, dass die andere Seite angesichts einer Waffe sofort zurücksteckt oder Reißaus nimmt und niemand ist davor gefeit, schlecht oder falsch zu reagieren. Aus der Sicht der Gemeinschaft muss man vermehrten Schusswaffenbesitz in privaten Händen klar ablehnen. Mit der Zahl der Schusswaffen in Privatbesitz steigt die Gefahr, dass es zu kritischen, wenn nicht tödlichen Vorfällen kommt. Um zu dieser Einschätzung zu gelangen, braucht man Waffenbesitzern nichts unterstellen. Das ist eine einfache, naheliegende Schlussfolgerung, die durch eine fundierte Studie der Medizinischen Universität New York belegt wurde.

Österreich hat ein liberales Waffenrecht und bislang musste man sich darüber nicht wirklich viel den Kopf zerbrechen. Sollte das medial schon vielfach bemühte Szenario einer „Aufrüstung“ der österreichischen Bevölkerung wahr werden, würde sich das rasch ändern. Das Gewaltmonopol des Staates hat seine guten Gründe und darf nicht in Frage stehen. Wenn das passiert, dann haben wir wirklich ein Sicherheitsproblem, aber nicht nur das.


Zur Person

Walter Hammerschick ist Geschäftsführer des Institut für Rechts- und Kriminalsoziologie IRKS (Institute for the Sociology of Law and Criminology), das in Österreich unter anderem mit den Bundesministerien für Bildung, Inneres und Justiz und auf internationaler Ebene mit zahlreichen weiteren Institutionen kooperiert.
http://www.irks.at/

Peter Pelinka

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