"Ein sehr nachdenklich stimmender Tag"

Der voestalpine-Konzern ist in Großbritannien an zehn Standorten vertreten und beschäftigt auf der Insel rund 660 Mitarbeiter. Für Wolfgang Eder, den CEO des Stahl- und Technologie-Konzerns, ist der EU-Austritt Großbritanniens ein schwerer Rückschlag auf dem Weg zu mehr Einigkeit in Europa.

"Ein sehr nachdenklich stimmender Tag"

Voestalpine CEO Wolfgang Eder

Es ist ein sehr nachdenklich stimmender Tag für Europa, aber man muss den Ausgang des Referendums in Großbritannien respektieren und so auch zur Kenntnis nehmen. Mir persönlich fällt es schwer, diese Entscheidung der Briten gegen die EU zu akzeptieren, da ich das Land und die Menschen sehr schätze. Für die Menschen in Europa ist damit ist die Euphorie von 1989 mit der Öffnung nach Osten und der Geburt eines großen gemeinsamen Europa jetzt endgültig verloren gegangen.

Die bevorstehenden Verhandlungen werden zeigen, ob beziehungsweise wie ein künftiges Miteinander zwischen Großbritannien und der EU aussehen kann. Ich bin davon überzeugt, dass man trotz “Scheidung” einen konstruktiven Weg der weiteren Zusammenarbeit finden wird.


Wir müssen klar sagen, dass wir ein vereintes Europa wollen

Dominoeffekte in anderen EU-Staaten sind durch die aktuelle Situation nicht auszuschließen. Eines ist aber vollkommen klar: Europas Zukunft kann nicht in einem neuen Nationalismus liegen. Auch in Österreich werden verstärkte Diskussionen zum Thema Europäische Union aufkommen. Sollte es jedoch zu einem Referendum in Österreich kommen setze ich darauf, dass den Österreichern folgendes bewusst ist: Das im europäischen Vergleich kleine Österreich würde bei einer Abkehr von der europäischen Idee zum Spielball der internationalen Spekulation werden, mit unabsehbaren Folgen für Wirtschaft, Arbeitsplätze und Wohlstand. Wir müssen klar sagen, dass wir ein vereintes Europa aus politischen und wirtschaftlichen Gründen wollen. Europa muss es zudem schaffen, auf Basis konsequent gelebter Prinzipien stringenter, klarer und transparenter zu werden.

Die Pro-Europa-Kräfte müssen sich jetzt auf die Zukunft konzentrieren und Antworten auf die großen politischen und wirtschaftlichen Fragen finden. “Klein-Klein” muss über Board geworfen werden. Ein Europa von einzelnen, im internationalen Vergleich kleinen Nationalstaaten wird in einer globalisierten Welt keine Zukunft haben. Die Menschen in Europa brauchen einfach eine neue europäische Perspektive. Wenn dennoch einzelne Länder die EU verlassen möchten, dann muss man ihnen künftig auch die Wahl dazu lassen. Andererseits darf sich aber Europa von Ländern, die alle zwei Jahre drohen die EU zu verlassen, auch nicht permanent erpressen lassen.


Beziehungen weden sich nicht in Luft auflösen.

Auf die europäischen Unternehmen – abgesehen von der Bankenwelt – wird der direkte Einfluss durch den Austritt Großbritanniens unmittelbar nicht allzu massiv sein – insbesondere auch deswegen, weil es bislang stabile wirtschaftliche Beziehungen zwischen britischen und europäischen Unternehmen gab, die sich ja nicht einfach in Luft auflösen werden und der Austritt nach zwischen zivilisierten Partnern üblichen Regeln, das heißt kontrolliert erfolgen wird. Was aber jedenfalls unmittelbar sehr stark beeinflusst wird, sind die Wechselkurse. Die längerfristigen Auswirkungen sind hier im Detail zwar noch nicht absehbar, es könnte dadurch aber doch zu erheblichen Verschiebungen in den internationalen Handelsströmen kommen.

Für die europäische Stahlindustrie sind kurzfristig eher keine massiveren direkten Konsequenzen zu erwarten. Allerdings könnten veränderte Wechselkurse auch hier die internationalen Kräfteverhältnisse verschieben. Ein eindeutiges Negativszenario wäre eine erhebliche Abwertung des Euro, da dies Europa zu einer noch attraktiveren Region für Exporte aus China und anderen Regionen machen würde, dies gilt allerdings dann für sämtliche Produktbereiche.

Sebastian Kurz, Kanzler a.D., am ÖVP-Bundesparteitag im Mai 2022. Er würde nur zu gern weiter in der Politik mitmischen.

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