Vicky Reisinger: „Die Zeit bekommen wir nie mehr zurück“

Über Corona, Lockdown, Silvester und das Eingesperrtsein. Und warum die Politik endlich den Jugendlichen zuhören, aber auch mit ihr zusammenarbeiten soll - eine Meinungsrede einer Jugendlichen.

Vicky Reisinger: „Die Zeit bekommen wir nie mehr zurück“

Corona. Corona, das Wort des Jahres. Das Wort, durch das sich unser Leben schlagartig verändert hat. Mit diesem Begriff kommen viele Gedanken auf: Pandemie, Lockdown, Impfung, das Schützen der Gefährdeten. Hauptsächlich gefährdet, wie vermutlich bekannt ist, ist die Altersgruppe ab 65. Das Leben unserer Mitmenschen zu schützen ist sehr wichtig, doch manchmal hat man das Gefühl, dass jüngere Leute hierbei vergessen werden.

Zuerst einmal muss man sagen, dass gerade die jüngere Generation besonders unter dem Eingesperrtsein leidet. Mir ist bewusst, dass die Isolation und der soziale Rückzug für alle unangenehm sind, doch gerade die Jugend hat ein gesteigertes Bedürfnis ihre sozialen Kontakte zu pflegen. Gerade wir wollen hinaus in die Welt, Erfahrungen sammeln, Fehler machen und daraus lernen. Die Jugend ist der einzige Zeitpunkt an dem man frei ist. Frei von jeglichen Urteilen, Vorurteilen, Bewertungen. Es ist eine Zeit in der man nur so vor Lebenslust strotzt. Wir sehnen uns nach dem Fortgehen und nach Feiern und besonders nach unseren Freunden.

In dem Artikel von Thorben Pollerhof „Das Recht auf Vermissen“ aus der Zeitung der Standard, geht es um genau diese Problematik. Junge Erwachsene beschreiben in diesem Text ihre Situation und ihre Erfahrungen mit dem Coronavirus. Allgemein kann man sagen, dass sie sich alle in einem Punkt einig sind und ich mich ebenfalls anschließen muss: Wir finden es nicht fair, dass uns unterstellt wird, dass unser Interesse ausschließlich beim „Saufen“ und „Feiern“ liegt. Denn das ist definitiv nicht der Fall. Des Weiteren werden unsere Probleme und Sorgen als lächerlich dargestellt, da sie als First World Problems gelten.

Ja, es gibt sehr viele Leute, denen es wesentlich schlechter geht und dessen sind wir uns auch bewusst. Dennoch heißt das nicht, dass die Sorgen der Jugend nicht ernst zu nehmen sind. Soziale Isolation stellt gerade für uns ein fürchterliches Problem dar. Uns fehlt dieses „Fortgeh-Ventil“, wo man alle seine negativen Gedanken wegschieben und einfach loslassen kann und mit seinen Freunden die Zeit genießen kann. Letztendlich läuft es darauf hinaus, dass wir die Regelungen akzeptieren und annehmen. Alles was wir sagen wollen, wenn wir unsere Gedanken äußern, ist, dass wir uns nach dieser schönen Zeit sehnen und sie uns zurückwünschen.

Nicht wegschauen, zuhören und kollaborieren

Daher denke ich, dass die Regierung nicht wegschauen sollte, dass man uns zuhören und mit uns kollaborieren sollte. Beispielsweise könnte man uns Treffen in kleineren Kreisen gestatten und uns im Gegenzug regelmäßig zu den Massentests schicken, die dann auch vorweisbar sein müssen. So kann die Regierung dafür sorgen, dass regelmäßig mehr getestet wird und Jugendliche sich langsam wieder in die Normalität einfinden können. Des Weiteren denke ich, dass man den Jugendlichen nicht jede Festivität nehmen sollte. Beispielsweise sollte zu Silvester zumindest ein Treffen in kleinen Gruppen ermöglicht werden, denn diese magische Zeit mit unseren Freunden, die wir jetzt verlieren, bekommen wir nie mehr zurück.

Dieses Jahr in unserer Jugend gab es keine Feiern. Es gab keine Festivals. Es gab keine Treffen. Wir wurden isoliert und aus dem Leben gerissen und es war schwer für uns. Sehr schwer. Und uns jetzt auch noch die Festivität des Jahres zu nehmen, wäre eine Tragödie.

Das ganze Jahr freuen wir uns auf Silvester. Auf das Feiern an Silvester. Auf das Gemeinsam ins neue Jahr starten. Auf den Mitternachtswalzer, das Bleigießen, das Anstoßen, das Feuerwerk. Das alles sollen wir nicht mit unseren Freunden erleben dürfen.

Ja, wir verbringen natürlich auch gerne Zeit mit unseren lieben Eltern. Ja, wir verbringen die Feiertage auch gerne mit ihnen. Ja, wir müssen uns auf die Schule/Uni konzentrieren. Und ja, wir wissen, dass wir in einer Pandemie leben. Und ja, wir wissen auch, dass durch Feiern Leben gefährdet werden. Aber diesen einen Tag sollte man anders regeln als den Alltag. Dieser Tag sollte nach diesem Jahr uns gehören.


Zur Autorin

Vicky Reisinger ist Schülerin einer Maturaklasse in Wien.


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