Karin Exner-Wöhrer: Versöhnung von Ökonomie und Ökologie

Karin Exner-Wöhrer: Versöhnung von Ökonomie und Ökologie

Karin Exner-Wöhrer, Chair of the Board SAG Salzburger Aluminium Group

Bei all den guten Ansätzen rund um das Thema Umwelt darf der Mensch nicht zu kurz kommen.

Für die Herausforderungen des soeben begonnenen neuen Jahrzehnts braucht es zukunftsorientierte Perspektiven für Wirtschaft, Gesellschaft und Klimaschutz, gegossen in durchdachte Gesetze, sodass die soziale Stabilität gesichert und der Erhalt eines offenen, menschenfreundlichen Klimas in unserem Land gewahrt bleibt. Für Letzteres ist freilich jede/r Einzelne von uns mitverantwortlich. Das vorliegende Programm zeigt dazu viele gute Ansätze.

In unserer Unternehmensstrategie steht der Mensch an erster Stelle, die Umwelt an zweiter. Insofern begrüße ich es sehr, dass es auch auf politischer Ebene zu einer "Versöhnung" von Ökonomie und Ökologie kommen soll. Das spiegelt nicht nur den Zeitgeist, es ist ein guter Beginn in einer neuen Konstellation mit erheblichem Potenzial. Wichtig ist mir die rasche Erarbeitung und Umsetzung einer ökologisch geprägten Steuerreform gepaart mit einer Vereinfachung des Steuersystems und der Abschaffung der kalten Progression.

Wichtig ist mir über die Umwelt hinaus der Mensch, der mir in den vorliegenden Informationen noch zu kurz kommt. Die drängenden Themen Pflege und Pflegenotstand sowie Pensionen und Generationengerechtigkeit müssen beherzt angegangen werden. Dem Wähler ist ohnehin klar, dass die bestehenden Systeme so nicht aufrechterhalten werden können. Die Schule muss inhaltlich (das Digitalste an der Schule ist immer noch die Pause) und kulturell (Wertschätzung und Freiraum zum Erhalt der Neugier, Kreativität und Innovationsfreude) im 21. Jahrhundert ankommen. Bildungsferne Gesellschaftsschichten können wir uns nicht leisten. Unabhängig vom sozialen Background muss es Chancengleichheit auf bestmögliche Ausbildung geben.

Zur Sicherung und Schaffung von nachhaltigen Arbeitsplätzen benötigen wir auch politisch ein noch klareres Bekenntnis zu internationalem, fairem Handel und Wettbewerb. Die Forschungsförderung braucht Prioritäten und klare Schwerpunkte, sodass Österreich in definierten Feldern international einen Spitzenplatz einnehmen kann. Bürokratische Hürden z. B. bei der Beschäftigung von Fachkräften aus Nicht-EU-Ländern, müssen dringend abgebaut werden.

Mündige und verantwortungsvolle Staatsbürger haben als Wähler diese Regierung möglich gemacht. Das Vertrauen sollte nun ebendiesen entgegengebracht werden. Damit meine ich: Eingriffe, insbesondere Verbote sind nur dort nötig, wo übergeordnete Interessen zu koordinieren und Prioritäten zu setzen sind. Durchaus auch mit Konsequenz, wenn die gemeinsamen Ziele nicht umgesetzt werden. Ein Zuviel an Gesetzen hemmt die rasche Weiterentwicklung.

Allein die Schaffung stabiler, sachorientierter Verhältnisse wird das Vertrauen in den Standort wiederherstellen und ist ein wichtiger Beitrag, um Österreich wieder fit zu machen. Ich wünsche dieser Regierung in unser aller Interesse viel Erfolg.


Zur Person

Karin Exner-Wöhrer ist Chair of the Board, SAG Salzburger Aluminium Group.


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