Der unaufhaltsame Zug zur E-Mobilität

Christoph Kopp, Principal bei Horváth & Partners Management Consultants Österreich

Christoph Kopp, Principal bei Horváth & Partners Management Consultants Österreich

SERIE MANAGEMENT COMMENTARY: Gastkommentar von Christoph Kopp, Horváth & Partner Management Consultants: Elektromobilität wird sich durchsetzen ohne die persönliche Mobilität in Frage zu stellen.

In den vergangenen Monaten musste man als Autofahrer einige Male schlucken, wenn man die Zeitungen aufschlug, TV-Nachrichten sah oder Online-Nachrichten aus der Welt der Automobilität konsumierte. Abgasskandale bei den Herstellern, Diskussionen über Dieselfahrverbote in Deutschland, immer neue Einschränkungen des Individualverkehrs, weitere Verteuerungen über Steuern, Maut & Co. die es vor allem den jüngeren Verkehrsteilnehmern immer schwerer macht, an eine Zukunft mit dem eigenen Auto zu glauben. Zu hoch sind die Kosten für Mensch und Umwelt, so die Argumentation.

Dennoch basteln alle Beteiligten in Industrie, Verkehrswirtschaft und Politik an neuen Mobilitätskonzepten und Lösungen, die allerdings nicht nur in einer Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs oder im Ausbau von Bahn-, Flug- und Schiffstrecken liegen, sondern vor allem wieder in der Optimierung des Individualverkehrs gipfeln – denn die individuelle Mobilität und Freizügigkeit des Reisens ist eine der ganz großen Errungenschaften der Neuzeit und eine Freiheit liberaler und marktwirtschaftlich orientierter Volkswirtschaften, die durch kein anderes Gut zu ersetzen ist – auch wenn der Trend hin zu Car Sharing geht, bei dem das Auto nicht mehr im Eigentum eines einzelnen Individuums steht, sondern als Leistung von vielen Leuten bei Bedarf benutzt werden kann.

Die zunehmende Mobilität weltweit spüren wir in Europa spätestens seit es mit den Volkswirtschaften in Asien und Afrika bergauf geht und der Wohlstand zu immer mehr Fernreisen (= Touristen), aber auch immer mehr Individualverkehr (Nahverkehr) führt. Dies hat in den vergangenen Jahren insbesondere in Indien oder China vermehrt zu Verkehrsinfarkten und anhaltender Umweltbelastung geführt. Kein Wunder also, dass sich besorgte Mobilitätsforscher und Ingenieure nach Alternativen zu fossilen Kraftstoffen umschauen.

Die Unternehmensberatung Horváth & Partners befasst sich seit Jahren in Studien und Analysen mit dem Mobilitätsthema und sieht den Trend klar vorgezeichnet: Die E-Mobilität ist im Vormarsch, egal ob sie nun wirklich eine ökologische, geschweige denn wirtschaftliche Alternative zum Erdöl ist. Das ist allein an den weltweit über 300 neuen E-Modellen abzulesen, die bis 2025 auf den Markt kommen. Von abgasfreien Antriebssystemen erwartet man sich einfach mehr Nachhaltigkeit und Lebensqualität, ohne auf individuelle Freiheiten verzichten zu müssen. Darum geht es letztlich in der Debatte. Hier ein paar Flashlights der Untersuchungen:

  • Steigende Reichweite: Im Durchschnitt lag die Reichweite von batteriebetriebenen Fahrzeugen 2017 bei knapp 300 Kilometern, bis 2020 sollen es 400 Kilometer sein. Nur wenige Jahre zuvor, 2011, waren es lediglich 150 Kilometer. Es ist abzusehen, dass die Reichweite einer Stromladung in den nächsten Jahren auf 500 km getrieben wird, einem konkurrenzfähigen Wert im Vergleich zu Verbrennerfahrzeugen. Diese Steigerung kann eine Folge leistungsfähigerer Batterien mit erhöhter Energiedichte sein, oder durch geringeren Energieverbrauch pro gefahrenen Kilometer geschafft werden.
  • Höhere Zulassungszahlen: Ende 2017 waren 123.000 Elektrofahrzeuge in Deutschland zugelassen, davon die Hälfte rein elektrisch. Das entsprach einem Plus von fast 80 Prozent im Vergleich zum Jahr davor, 2018 wird die Marke von 200.000 erreicht. Und wenn das Tempo des E-Wachstums anhält, wird das für 2020 ausgegebene Ziel der Bundesregierung in Berlin, eine Million Elektrofahrzeuge in Verkehr zu bringen, bis 2022 erreicht – bei einem Bestand von 45 Millionen Pkw immerhin ein Anteil von 2 Prozent. Zum Vergleich: In Norwegen als europäischer Spitzenreiter liegt der Wert bereits bei 30 Prozent.
  • Dynamik und Fortschritt: Dass die angepeilten Ziele ziemlich sicher erreicht werden, liegt auf der einen Seite an der Einführung weiterer Plug-In Hybride, die Verbrennungs- und Elektromotoren kombinieren, aber auch an der Verbesserung bestehender Elektromobile und ihrer Reichweiten. Auf den Straßen Chinas etwa fahren mittlerweile über 1,2 Millionen Elektrofahrzeuge, und wenn die gesellschaftliche Dynamik und der technologische Fortschritt anhält, werden es bis 2020 nochmal soviel sein.
  • Sinkende Kosten: Auch der Trend sinkender Batteriekosten für Elektrofahrzeuge wird sich weiter fortsetzen. 2017 kostete eine Kilowattstunde 170 Euro, knapp 25 Prozent weniger als im Jahr davor. 2010 lag dieser Wert noch bei rund 600 Euro, für 2020 wird ein Wert von weniger als 100 Euro pro KWh prognostiziert. Wenn die Nachfrage nach E-Autos weiter steigt und diese positive Preisentwicklung an den Autokäufer weitergegeben wird, ist es nur eine Frage der Zeit, dass auch die E-Automodelle im Vergleich preisgünstiger werden.

Fazit: Was der Fakten-Check Mobilität 3.0 von Horváth & Partners seit 2010 an Ist-Daten auswertet und in die nächsten Jahre hochrechnet, sind verlässliche Aussagen zur Wahrscheinlichkeit des Erreichens relevanter Schlüsselgrößen in der Mobilität. Man kann zur Elektromobilität stehen wie man will, dass sie sich aber durchsetzen wird, ist mittlerweile gesichert – nicht zuletzt auch deshalb, weil sie bei allem Für und Wider eine umweltverträgliche und gesundheitsschonende Alternative zum Verbrennungsmotor ist – und dabei die Freiheit der persönlichen Mobilitätswahl nicht in Frage stellt.



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Die Serie "Management Commentary" ist eine Kooperation von trend.at und der Unternehmensberatung Horváth & Partners. Die bisher erschienen Beiträge finden Sie zusammengefasst im Thema "Management Commentary".


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