Trügerische Sicherheit: Wo die Täter lauern

Gastkommentar von Peter Sattler, Management Consultant bei Horváth & Partners Österreich: Sicherheit bedeutet nicht nur CyberSecurity. Unternehmen laufen in Gefahr, die physischen Bedrohungen zu unterschätzen.

Peter Sattler, Management Consultant bei Horváth & Partners Österreich

Peter Sattler, Management Consultant bei Horváth & Partners Österreich

Mit „Wind of Change“ vertonten die Scorpions genau jenen gesellschaftlichen Wandel zum Ende der 1980er, der schließlich die Berliner Mauer zum Einsturz brachte. Knapp drei Jahrzehnte später ist es der digitale Wandel, der viele Mauern in unseren Köpfen niederreißt, unsere gesamte Wirtschaft umkrempelt und für Ungewissheit sorgt. Und so wie die deutsche Wiedervereinigung hat auch die Digitalisierung ihre Schattenseiten, die immer häufiger sicht- und spürbar werden.

Eine davon ist die rasant steigende Cyberkriminalität. Allein im Vorjahr ist die Zahl von Cybercrime-Delikten hierzulande um ganze 31 Prozent gestiegen. Die zunehmende Bedrohung aus dem Netz zwingt Unternehmen zur Aufrüstung. Sie investieren in Antiviren-Software, verschlüsseln Daten, legen separate Sicherheitskopien an, bauen Firewalls und trennen strikt nach Benutzergruppen.

Physische Gefahren unterschätzt

Obwohl viele Unternehmen und Institutionen CyberSecurity großschreiben und bereits wirksame Maßnahmen getroffen wurden, erstaunt es, dass trotz steigender Internetkriminalität die physische Gefahrenlage noch immer unterschätzt wird. Vor allem der materielle Schutz von Produktionsstätten und Betriebsgeheimnissen wie Rechenzentren wird grob vernachlässigt. Oft sind Zugangskontrollen lasch, Sicherheitszäune niedrig, Videoüberwachung lückenhaft und Bewegungsmelder so fehleranfällig, dass regelmäßig ausgelösten Alarmen nicht nachgegangen wird.

Die Gefahrenpalette ist breit und reicht von Sabotage und Vandalismus über Spionageaktivitäten und organisierter Kriminalität bis hin zu zivilen Protesten und sogar Terrorismus. Natürlich ist nicht jedes Unternehmen gleich betroffen. Der Autohändler am Stadtrand oder der Friseursalon um die Ecke müssen Spione oder selbsternannte Freiheitskämpfer wohl kaum fürchten. Wenn sie aber Opfer von Einbrechern werden, ist der Schaden ein großes Ärgernis und kann sogar den wirtschaftlichen Ruin bedeuten. Geraten allerdings volkswirtschaftlich relevante Konzerne oder öffentliche Einrichtungen ins Visier von professionellen Saboteuren oder gar Terroristen, dann kann das verheerende Folgen haben. Vor allem dann, wenn es um den Schutz sensibler Infrastruktur geht. In den schlimmsten Fällen müssen auch Atomreaktoren heruntergefahren werden.

Beispiel Buntmetall

Da Zwentendorf nie in Betrieb genommen wurde bleiben wir bei einem realen Beispiel aus der österreichischen Praxis. So kommt es im urbanen Raum zum Leidwesen von Verkehrsbetrieben immer wieder zum Diebstahl großer Mengen von Kupferdraht. Der Schaden geht da nicht nur in die Millionen, sondern kann auch den Pendlerverkehr lahmlegen. Hier ist das beste Virenschutz-Programm wertlos, wenn die Buntmetall-Jäger nicht mit modernen Sicherungssystemen gestoppt werden.

So wie 1990 erleben wir auch heute eine echte Revolution. Statt Glasnost und Perestroika ist es die "totale Transparenz" durch das Internet der Dinge, die unser Leben verändern wird. Mauern stürzen ein und Gräben werden zugeschüttet. Trotzdem braucht es wirksame Schutzmaßnahmen und effiziente Zugangskontrollen, um ungebetene Gäste abzuwehren. Firewalls allein reichen da nicht.


Der beitrag ist Teil der Serie "Management Commentary", einer Kooperation von trend.at und der Unternehmensberatung Horváth & Partners. Die bisher erschienen Beiträge finden Sie zusammengefasst im Thema "Management Commentary".


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