Transferpreise: Ein heikles Thema bei Betriebsprüfungen

Horst Müller, Cost and Profit Accounting bei Horváth & Partners Stuttgart.

Horst Müller, Cost and Profit Accounting bei Horváth & Partners Stuttgart.

Wenn internationale Konzerne innerhalb ihres eigenen Unternehmens Güter beziehen und Dienstleistungen austauschen, kommen Verrechnungspreise (im Fachterminus: Transferpreise) zur Anwendung. Viele sehen darin einen eleganten Weg, Kapital und Ressourcen über die Landesgrenzen zu verschieben und dadurch Steuern zu sparen. Das ruft die Finanz auf den Plan.

Durch den 2015 abgeschlossenen BEPS-Aktionsplan der OECD (Base Erosion and Profit Shifting) haben sich die Anforderungen an die Gestaltung von Transferpreisen erheblich verschärft. Die Auswirkungen auf das Transferpreismanagement der Konzerne sind vielschichtig. Zum einen wird eine Verschiebung der Verantwortung und Gestaltung von Transferpreisen vom Controlling hin zur Steuerabteilung sichtbar. Zum anderen verstärkt diese Verschiebung das Spannungsfeld zwischen steuerrechtlichen Anforderungen und Steuerungsanforderungen.

Für die Finanz ein gefundenes Fressen

Eine Untersuchung von Horváth & Partners aus dem vergangenen Jahr zeigt, dass die Anwendung und Höhe von Transferpreisen gerade bei Betriebsprüfungen immer kritischer hinterfragt werden. So sind Konzern-intern erbrachte Dienstleistungen ebenso wie die Überlassung von Wirtschaftsgütern zwischen unterschiedlichen Konzernteilen heute bei jedem zweiten Unternehmen strittig, 2015 lag der Anteil erst bei einem Drittel: für jede Finanzbehörde ein gefundenes Fressen.

Hingegen nimmt die Bedeutung von Transferpreisen für die steuerliche Optimierung massiv ab. Während 2015 noch zwei von drei Unternehmen (64 %) eine wichtige Rolle der Transferpreise für ihre Steuerbelastung sahen, waren es 2018 nur noch 28 Prozent.

Keine Veränderung sehen die Befragten in der Bedeutung von Transferpreisen für die Sicherung steuerlicher Rechtssicherheit. Überraschend groß ist dabei jedoch der Anteil der Unternehmen, die sich über die geringe Unterstützung der hauseigenen Konzern-IT-Struktur für ihr Transfermanagement beklagen (75 %).

Heißes Eisen für die Steuer

Transferpreise bleiben also ein heißes Eisen und steuerrechtlich im Mittelpunkt von Betriebsprüfungen. Da Regulierungstiefe und Dokumentationsanforderungen weiter zunehmen, wird auch die Intensität der Betriebsprüfungen ansteigen. Das bedeutet wiederum noch mehr Unsicherheit und Aufwand für die Dokumentation und Verteidigung von Transferpreisen. Dabei ist und bleibt die steuerliche Rechtssicherheit ein zentrales Ziel der Unternehmen, um in möglichst ruhigem Fahrwasser zu bleiben.

Absehbar ist jedenfalls, dass die Abstimmung des Transferpreissystems mit den betriebswirtschaftlichen Anforderungen durch die gestiegene Regulierungsdichte herausfordernder wird. Aber auch das Ziel eines gut integrierten Transferpreis- und Steuerungskonzeptes, das gleichzeitig die steuerrechtlichen Anforderungen und die Managementerwartungen an eine effektive Unternehmenssteuerung erfüllt, wird an Bedeutung gewinnen. Anpassungsbedarf gibt es in fast jedem Konzernunternehmen.

Fazit: International agierende Konzerne, die ihr Transferpreis- bzw. Steuerungssystem optimieren wollen, sollten bei der Konzeption und Umsetzung steuerliche und betriebswirtschaftliche Perspektiven gleichermaßen berücksichtigen – also Steuerabteilung und Controlling unter einen Hut bringen. Wenn inhouse Klarheit besteht, werden auch die nationalen Steuerbehörden milder urteilen.


Für die im Dezember 2018 publizierte Transferpreisstudie hat Horváth & Partners 130 Experten aus den Bereichen Steuern, Controlling und Rechnungswesen befragt. Die Studie kann bei info <AT> horvath-partners.com bezogen werden.


Der Autor

Horst Müller ist Leiter des Beratungssegements Cost and Profit Accounting bei Horváth & Partners Management Consultants in Stuttgart. E-Mail: hmueller <AT> horvath-partners.com


Die Serie "Management Commentary" ist eine Kooperation von trend.at und der Unternehmensberatung Horváth & Partners. Die bisher erschienen Beiträge finden Sie zusammengefasst im Thema "Management Commentary".

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