100 Tage Kurz - Bildungspolitik: Positive Beurteilung

Michael Schmid, trend-Redakteur

Michael Schmid, trend-Redakteur

Im Bildungsbereich lässt sich die Annäherung einer bislang oft von Wunschdenken geprägten Ausrichtung an die Realität erkennen.

Niemand darf das Schulsystem ohne Grundkompetenzen im Lesen, Schreiben und Rechnen verlassen." Diese Selbstverständlichkeit ins Regierungsprogramm schreiben zu müssen, zeigt, welch prekäres Erbe Minister Heinz Faßmann antritt. Funktionaler Analphabetismus vieler Pflichtschulabsolventen ist unübersehbar. Die Misere konzentriert sich im öffentlichen Schulwesen in Wien. "Missglückte Integration" nennt eine - sozialdemokratische - Pädagogin auf der Rechercheplattform Addendum als Grund.

Sprachliche und kulturelle Integration einer rasant steigenden Zahl von Zuwandererkindern wurde bislang Lehrern und Klassenverbänden in der denkbar gesamthaftesten aller Gesamtschulen, der Volksschule, oktroyiert. Das funktionierte schon vor der Flüchtlingswelle von 2015 nicht. Was das für den Lernfortschritt ihrer Kinder bedeutet, wissen Eltern und tun es, sofern finanziell irgendwie leistbar, durch Flucht in Privatschulen kund. Dass man nun auf Deutschförderklassen und verbindliche Sprachkenntnisse vor Eintritt in reguläre Klassen setzt, verspricht neben Fairness für alle anderen Schüler auch effizienteren Einsatz von Förderlehrern und Geld. Mit der Verankerung der Bildungspflicht und einer effektiveren Sanktionierung von Bildungsverweigerung gibt es weitere gute Ansätze.

Auch die absurde siebenstufige Notenskala an den Neuen Mittelschulen (NMS) abzuschaffen, zeugt von mehr Realitätssinn als deren einstige Einführung. So wie das ganze Bildungsprogramm stärker von Praktikern als von theoretisierenden "Experten" geprägt scheint. Talente-Check und Chancen-Pass für die Wahl des richtigen weiteren Bildungs- und späteren Berufswegs sind wenig gewürdigte, doch wichtige Punkte. Umso mehr Tamtam gab es dafür um Ziffernnoten ab Schulbeginn - unnötig, weil die verbale Beurteilung daneben ja beibehalten werden kann.

Rohrstaberlpädagogik - wie manche Kommentatoren meinten, die selbst gern verbal mit solchen herumfuchteln - ist das sicher nicht. Mehr Ziel-und Leistungsorientierung trifft die Sachlage besser.

Bei den Hochschulen ist die Ausgangslage günstiger und Faßmann zudem auf heimischem Terrain. Die F&E-Quote hat sich positiv entwickelt. Die "Universitätsfinanzierung neu" ist ein Durchbruch in Richtung echter Studienplatzfinanzierung, die ja schon in Christian Kerns "Plan A" enthalten war. Von Massenstudien überlastete Universitäten erhalten eine Handhabe, durch Zugangsbeschränkungen für vernünftige Studienbedingungen zu sorgen, und bessere Karriereperspektiven sollen junge Forscher im Land halten. Das alles sind nach 100 Tagen naturgemäß mehr Vorhaben als Ergebnisse, doch für ein positives Zwischenzeugnis langen sie allemal.

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