Stutzt die Einhörner zurecht!

Angelika Kramer - trend-Redakteurin

Angelika Kramer - trend-Redakteurin

Leitartikel. Einstige Start-up-Highflyer wie Uber und Snapchat stecken in der Krise. Die Realität holt sie ein. Vielleicht ganz gut so.

Wann immer es geht, versuche ich, Taxifahrten zu vermeiden. Grantige, ungefällige Fahrer, die mit Vorliebe den weitesten Weg ausfindig machen, um den Taxameter in lichte Höhen zu treiben. Schlecht riechende Autos mit ohrenbetäubender Radio-Burgenland-Beschallung - alles schon erlebt. Kürzlich habe ich bei einem USA-Aufenthalt erfahren, dass Taxifahren auch ein Vergnügen sein kann. Freundliche Chauffeure, die auch einmal ein Auge zudrücken, wenn zu viele Passagiere an Bord sind, moderate Preise, korrekte Abrechnung und ein problemloser Bestellvorgang per App - mein erstes Erlebnis mit Uber.

Doch meine eben erst entdeckte Begeisterung für den US-Fahrtendienst scheint sich ziemlich antizyklisch zur weltweiten Meinung zu verhalten. Nach Vorwürfen ehemaliger Mitarbeiter über das sexistische Arbeitsklima beim Start-up, einem entlarvendenen Ausraster von CEO Travis Galanick gegenüber einem seiner Fahrer, Verdacht auf Technologiediebstahl und unsensiblen Bemerkungen des Managements gegenüber Fahrgästen ist die Twitteria weltweit (#hateuber oder #deleteuber) in Rage.

Von einem wahren PR-Alptraum bei Uber sprechen US-Medien mittlerweile, und Analysten hegen bereits erste Befürchtungen, dass das einst noch stolze "Unicorn" -"Einhörner" nennt die Techszene alle Start-ups mit einem Wert von mehr als einer Milliarde Dollar - zu einem "Unicorpse" mutieren könnte.

Und tatsächlich machen die jüngst publik gewordenen Zahlen von Uber - trotz des eben erfolgten Investments des Verlagshauses Axel Springer - nicht allzu viel Hoffnung, dass der weltweite Siegeszug des fast 60 Milliarden Euro schweren Unternehmens noch lange weitergehen könnte. 2,6 Milliarden Euro Verlust sollen sich 2016 angesammelt haben, von einem für heuer avisierten Börsengang ist keine Rede mehr, und rechtliche Probleme zwicken das Unternehmen in vielen Regionen der Welt.

Ganz ähnlich verhält es sich mit der noch kürzlich als Börsenstar gefeierten Foto-App Snapchat, die im März an der Wall Street mehr als drei Milliarden Dollar eingesammelt hat und eine Bewertung von mehr als 20 Milliarden Dollar abrief, ohne jemals einen Dollar Gewinn gemacht zu haben.

Auch hier ist von anhaltenden Milliardenverlusten die Rede, auch hier kommt die Konkurrenz Snapchat gefährlich nahe, auch hier berichten Mitarbeiter von menschenunwürdigem Arbeitsklima, auch hier haben wir es mit unsensiblen Äußerungen des Managements zu tun.

Seine App sei nur etwas für reiche Leute, soll Snapchat-Gründer Evan Spiegel von sich gegeben haben. Vor allem der Markt in Indien und Spanien interessiere ihn daher nicht wirklich. Hier ist es mit einem Twitter-Shitstorm freilich nicht getan. Indische Influencer rufen zu einem landesweiten Boykott der App (#UninstallSnapchat) auf.

Viel schlimmer könnte es in einem Markt mit 300 Millionen Smartphone-Usern gar nicht mehr laufen. Der Aktienkurs ist inzwischen weit unter den Ausgabekurs gerutscht, Analysten bezeichnen die Snapchat-Performance als "einen der größten Flops an der Wall Street".

Die anhaltenden Schwierigkeiten der einstigen Hoffnungsträger Uber und Snapchat sind es auch, die Ökonomen immer öfter von einem baldigen Platzen der Tech-Blase sinnieren lassen. Ohne sich diesem Abgesang anzuschließen, muss an dieser Stelle gesagt werden, dass es höchst an der Zeit ist, dass auch in die US-Tech-Welt wieder Normalität einkehrt. Schon klar, Wachstum geht bei Start-ups über alles. Doch das Streben nach Größe darf nicht alles rundherum vergessen machen.

Neue Ansätze in Sachen Arbeitsklima sind ja mitunter erfrischend, aber wenigstens Mindeststandards des Arbeitsrechts sollten eingehalten werden. Direkte, flapsige Aussagen der Gründer mögen ja bis zu einem gewissen Grad charmant sein, die Grenzen des guten Geschmacks - wie bei den genannten Unternehmen - sollten dennoch nicht überschritten werden.

Und sollte man nicht doch wieder dazu übergehen, so antiquierten Posten wie dem Gewinn bei der Unternehmenbewertung wieder einen gewissen Stellenwert einzuräumen? Und schließlich sei auch die Frage erlaubt, ob gute Gründer auch gute Konzernchefs sind. All dies im Auge habend, sollte es doch möglich sein, die innovativen Einhörner am Leben zu erhalten. Nur eben ein bisschen zurechtgestutzt.

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