Eine Prise Trump für Österreich

Eine Prise Trump für Österreich

Angelika Kramer - trend-Redkateurin

"Make Austria great again" oder: Wie Österreichs Wirtschaft ihren einstigen Pioniergeist wiedererlangen könnte.

Ganze zehn Monate wähnte sich Österreich im sportlichen Olymp. Beeindruckend, wie unsere Nationalelf das Ticket zur Euro in Frankreich löste. Und auf einmal war Österreich auch abseits des Fußballfelds wieder wer. Teamchef Marcel Koller stülpte sich eine Baskenmütze über, brach ein Baguette, und die Österreicher wussten: Wir haben wieder einen Grund, selbstbewusst in der Welt aufzutreten.

Aber eben nur für zehn Monate. Denn bereits nach dem ersten Gruppenspiel in Frankreich gegen Ungarn war klar: Das wird nichts. Heute, wenige Monate nach der katastrophalen Euro, ist die Chance auf eine WM-Qualifikation unseres Teams quasi dahin, Kollers Tage als Teamchef gezählt. Wir sind wieder in der Realität aufgeschlagen.

Auch das wirtschaftliche Selbstbewusstsein Österreichs war schon bedeutend ausgeprägter. "Wann fand eigentlich die letzte große Firmenübernahme durch ein österreichisches Unternehmen statt?", fragte mich kürzlich ein Manager aus dem Ausland. Und auch wenn man es nur ungern zugibt: Der Mann hat recht. Wo sind die Zeiten hin, als österreichische Banken ganz Osteuropa aufkauften, als die OMV eine Übernahme nach der anderen tätigte, als die Telekom Austria ihre Muskeln bis zum südlichsten Balkan hinunter spielen ließ und sich die Wiener Börse anschickte, die Schaltstelle für den CEE-Börsenhandel zu werden?

Die Expansionsgelüste gingen sogar weit über Osteuropa hinaus: Deutschland, Frankreich, Südamerika - für Österreichs Unternehmen gab es noch vor Kurzem kein Halten mehr.

Abverkauf, Rückzug, Schrumpfen, Sparen - das sind die Begriffe, die aktuell bei heimischen Unternehmen dominieren. Und wenn wir in unseren Sphären tatsächlich einmal einen Milliardendeal erleben, dann ist das österreichische Unternehmen meist das Ziel der Übernahme. Das gesamte Osteuropa-Geschäft, das sich die Bank Austria - damals noch Österreichs größte Bank - mühsam über die Jahre aufgebaut hat, wandert jetzt mir nichts, dir nichts zu den neuen Eigentümern nach Mailand, die OMV verkauft alles, was nicht niet-und nagelfest ist und dient sich der russischen Gazprom als Handlanger an, bei der Telekom Austria geben längst Mexikaner den Ton an, und die Wiener Börse besitzt gerade noch ein Minibeteiligung an der Prager Börse.

Make Austria great again", forderte Wirtschaftskammer-Boss Christoph Leitl kürzlich in Anlehnung an den Wahlkampfslogan von US-Präsident Donald Trump. Und auch wenn Österreich nicht unbedingt trachten sollte, die USA in allem zu kopieren, in Sachen Selbstbewusstsein und Pioniergeist könnte sich so mancher ein Scheibchen abschneiden. "Die Österreicher reden alles immer klein", meinte der eingangs erwähnte Manager.

Und er hat leider schon wieder recht. Was österreichische Firmen einst in Osteuropa erreicht haben, sollte zuversichtlich stimmen. Auch wenn bei Weitem nicht alles gelungen ist und man sich nun aus manchen Märkten wieder verabschieden muss, wird es Zeit, wieder nach vorne zu blicken. Unternehmen sitzen aufgrund der niedrigen Zinsen auf Bergen von Liquidität. Seien wir doch einfach wieder mutiger und zeigen wir der Welt, dass Österreichs Unternehmen sich nicht mehr nur die Butter vom Brot nehmen lassen!

Doch - und hier kommt wieder der Wirtschaftskammer-Präsident ins Spiel -dafür müssen auch die Rahmenbedingungen "great" werden. Eine Reform der Gewerbeordnung, wie wir sie gesehen haben, hat mit unternehmerischer Größe bestimmt nichts zu tun. Auch in Sachen Start-ups, wo dieser dringend benötigte Pioniergeist als zartes Pflänzchen gerade wieder entsteht, ist noch viel zu tun: Steuerliche Erleichterungen für Anschlussfinanzierungen wären dringend notwendig, um Ausnahmeunternehmen wie Runtastic länger im Land halten zu können. Mehr Geld für Innovationen und Bildung seien nur am Rande erwähnt und wurden an dieser Stelle bereits zu oft gefordert.

Und: Beweisen wir doch etwas mehr Mut in der Auswahl unserer Politiker. Ungewöhnliche, herausfordernde Zeiten verlangen nach Querdenkern in der Politik, die frische Impulse bringen. Außenminister Sebastian Kurz oder Wirtschaftsstaatssekretär Harald Mahrer haben sicher das Zeug dazu.

Wenn also schon der Fußball in den nächsten Jahren als Mutmacher und Motivator auslässt, muss wohl die Politik einspringen und Österreich wieder groß machen.

Peter Pelinka

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