Othmar Pruckner: Flüchtlingsstrom an der Quelle bremsen

Othmar Pruckner: Flüchtlingsstrom an der Quelle bremsen

Effiziente Flüchtlingsprojekte können nur am richtigen Ort geleistet werden. Für die Hilfsprojekte sollte sich Außen- und Integrationsminister Sebastian Kurz ins Zeug legen.

Jetzt haben wir sie also doch, die Obergrenzen. Plausible Konzepte, wie diese "Richtwerte“ letztlich einzuhalten und zu kontrollieren sind, werden freilich nicht mitgeliefert. Fakt ist: Wenn Flüchtlinge nicht mehr legal kommen dürfen, gehen sie eben über die grüne Grenze. Sie können weiterhin Asyl beantragen, kein Soldat kann ihnen das verwehren.

Was also tun? Die Caritas macht es vor: Mit Projekten in Jordanien und im Libanon ermöglichst sie Tausenden Flüchtlingskindern, die Schule zu besuchen. Sie unterstützt Eltern, damit ihre Kinder lesen und schreiben lernen. Und trägt dazu bei, dass alle zusammen in der Region bleiben können.

Diese plausible Methode zur Bremsung des Flüchtlingsstromes müsste nur multipliziert werden; Bund wie auch EU könnten diese Idee einfach ausbauen. Jedes Kind weiß ja heute, dass Hilfe vor Ort am effizientesten ist! Nur: Die Realität sieht leider anders aus. Praktisch alle staatlichen Hilfsgelder fließen in die Karibik und ins südliche Afrika, nach Bhutan, Albanien, Georgien oder Armenien, nicht in die Länder rund um Syrien. Vor allem aber gibt Österreich nur armselige 0,26 Prozent seines BIP für Entwicklungshilfe aus - statt international angestrebten 0,7 Prozent. Etliche NGOs kämpfen seit Jahr und Tag darum, die Hilfsgelder aufzustocken. Jetzt, in der größten Krise Nachkriegseuropas, wäre die Zeit dafür reif.

Zuständig für Entwicklungshilfe ist übrigens Außen- und Integrationsminister Sebastian Kurz. Es wäre wunderbar, würde er sich für Hilfsprojekte vor Ort ebenso ins Zeug legen wie für Grenzkontrollen und Obergrenzen.

Kommentar
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