Ökonomie und Ökologie - die zwei Seiten einer Medaille

Ökonomie und Ökologie - die zwei Seiten einer Medaille

Ulrike Rabmer-Koller - Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer sowie Präsidentin des europäischen KMU-Verbands UEAPME

Gastkommentar. Klein-und Mittelbetriebe sind die Treiber einer ökologischen Wirtschaft. Aber sie brauchen einfacheren Zugang zu Finanzmitteln.

SIND ÖKONOMIE UND ÖKOLOGIE ein Widerspruch? Mitnichten! Die mittelständischen Unternehmen spielen eine zentrale Rolle für nachhaltiges und ressourceneffizientes Wirtschaften. Dies ist nicht nur mein Credo als Wirtschaftsvertreterin und Unternehmerin, die selbst in diesem Segment tätig ist. Dies war auch die dezidierte Botschaft des jüngsten G7-Umweltminister-Treffens, das Mitte Juni in Bologna stattgefunden hat. Dazu waren auch 19 Wirtschaftsvertreter aus den G7-Staaten sowie der EU eingeladen. Ich durfte dort für den europäischen KMU-Verband UEAPME die Stimme der kleinen und mittleren Unternehmen einbringen.

In ihrer Schlusserklärung hoben die G7-Umweltminister die zentrale Bedeutung des Mittelstandes bei der Brückenbildung zwischen Ökonomie und Ökologie - völlig zu Recht - explizit hervor - ein wichtiger Erfolg und gleichzeitig Anerkennung für die Leistungen der vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen in der EU, die im weiten Feld der Green Economy Großartiges leisten. Mehr als 90 Prozent der Umwelttechnikunternehmen sind KMU.

Die Geschichte, warum sich gerade KMU in der Green Economy so gut schlagen, ist schnell erzählt: Klein-und Mittelbetriebe spielen aufgrund ihrer Fähigkeit, sich rasch auf individuelle Kundenwünsche und spezifische Marktsegmente einzustellen, eine zentrale Rolle als Innovatoren.


Jeder 20. Job in Österreich ist ein Green Job.

Damit sind KMU nicht nur Wachstums-und Beschäftigungsmotor, sondern speziell auch im Umweltbereich Treiber von Weiterentwicklungen. Und: Sie zeichnen sich als Arbeitgeber gerade auch in Krisenzeiten, wie wir sie in den vergangenen Jahren quer durch Europa erleben mussten, durch besondere Widerstandskraft aus.

Auch in Österreich steht Green Tech "made by KMU" hoch im Kurs. Rund zehn Prozent der österreichischen Wertschöpfung entfallen auf die Umweltwirtschaft, etwa jeder 20. Arbeitsplatz ist ein "Green Job". Das Beschäftigungswachstum war in den letzten Jahren in der Umweltwirtschaft mehr als doppelt so hoch wie in der Gesamtwirtschaft. Gerade KMU sind mit innovativen Umwelttechnologien oft auch Weltmarktführer. In so mancher Nische machen sie unser Land weltweit zu einem Champion.

Daher alles paletti? Auch diese Frage ist mit einem lauten "Mitnichten" zu beantworten. Damit die Betriebe ihrer besonderen Verantwortung in Richtung Nachhaltigkeit weiterhin gerecht werden können und mit weiteren Innovationen den bisherigen Erfolgen noch eines draufsetzen können, brauchen sie eine Verbesserung der Rahmenbedingungen. Vordringlich ist ein vereinfachter Zugang zu Finanzmitteln. Dass die G7-Umweltminister in Bologna eine verbesserte KMU-Finanzierung ebenfalls in einem eigenen Kapitel thematisiert haben, werte ich als sehr positives Signal.

NUN MÜSSEN DIE wohlklingenden Worte aber mit konkreten Taten untermauert werden. Neben einem erleichterten Zugang zu Finanzen stehen ausreichend qualifizierte Arbeitskräfte und weniger Bürokratie ganz oben auf der Agenda des notwendigen Handelns. Zudem können einheitliche Standards für Nachhaltigkeit, die auf internationalen Normen beruhen, einen Mehrwert schaffen.


Es geht um Freiwilligkeit und Anreize statt Zwang und Bürokratie.

Wobei eines aber auch klar ist: Eine Vielzahl europäischer Unternehmen - und hier vor allem kleine und mittlere Unternehmen -hat sich freiwillig einer nachhaltigen Wirtschaftsweise verpflichtet, nicht aus gesetzlichem Zwang. Aus Gründen der Wettbewerbsfähigkeit und weil kreatives Nachdenken über die beste und sinnvollste Lösung ganz einfach erfolgreiches unternehmerisches Tun auszeichnet.

Die Anwendung solcher einheitlichen Standards für Nachhaltigkeit muss daher unbedingt auf freiwilliger Basis beruhen. Der derzeit festzustellende Trend zur Verrechtlichung dieser Materie ist mehr als problematisch und muss gestoppt werden.

Europas Unternehmen sind schon Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit. Immer neue Verpflichtungen sind weder sinnvoll noch notwendig. Eine erfolgreiche Klimapolitik braucht vielmehr positive Anreize und einen Fokus auf KMU. Es geht um Freiwilligkeit und Anreize statt Zwang und Bürokratie -dann können Win-win-Situationen für Ökologie und Ökonomie kreiert werden!

Zur Person

Ulrike Rabmer-Koller ist Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer sowie Präsidentin des europäischen KMU-Verbands UEAPME. In dieser Funktion war sie beim letzten G7-Umweltminister-Treffen Teil der europäischen Delegation. UEAPME vertritt mit 64 Mitgliedern europaweit zwölf Millionen KMU mit 55 Millionen Beschäftigten.


Der Gastkommentar ist im trend.PREMIUM Ausgabe 26-27/2017 vom 30. Juni 2017 erschienen.
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