Bernhard Gröhs: Mut zur Trendumkehr

Bernhard Gröhs: Mut zur Trendumkehr

Bernhard Gröhs - Managing Partner von Deloitte Österreich

Der Wirtschaftsstandort Österreich verliert im internationalen Vergleich an Attraktivität. Was wäre zu tun?

Es kann nicht geleugnet werden: In globalen Rankings verschlechtert sich die Position Österreichs stetig. Der jüngst veröffentlichte Deloitte.Radar bestätigt diesen negativen Trend leider erneut. Im globalen Wettbewerb führen europäische Länder wie die Schweiz und Schweden das Deloitte-Ranking an.

Österreich wiederum rutscht immer mehr ins Mittelfeld ab - unsere Standortattraktivität hinkt seit Jahren anderen vergleichbaren Ländern hinterher. In den umfassendsten internationalen Indizes befindet sich Österreich nicht einmal mehr in den Top 20, selbst in den spezifischeren Indizes schaffen wir es nicht mehr unter die besten zehn. So weit der nicht sehr überraschende, aber besorgniserregende Befund.

Ist das schlechte Abschneiden nicht geradezu skurril, wenn man sich das grundsätzlich vorhandene Potenzial ansieht? Wir haben viele gescheite Köpfe in unserem Land, innovative Unternehmer und engagierte Menschen. Bei Betrachtung der Standortfaktoren werden die Bereiche, in denen Handlungsbedarf besteht, aber schnell offensichtlich.

Steigende Arbeitslosigkeit, geringes Wirtschaftswachstum, sinkende Investitionen und eine hohe Staatsverschuldung sind die Hauptfaktoren, warum Österreich keine guten Werte im politischen und makroökonomischen Umfeld testiert werden. Die regulatorischen Auflagen sind ein Standortnachteil, Kostentreiber und Innovationshemmnis. Die hohe Steuerquote stellt im internationalen Wettbewerb eine Bürde dar. Ein weiteres Sorgenkind im Inland ist der Arbeitsmarkt. Die steigende Arbeitslosenquote trotz erhöhten Jobangebots bereitet Kopfzerbrechen und wirft Fragen auf, so beispielsweise, ob wir junge Menschen nicht schon seit Jahren ungenügend auf den Arbeitsmarkt vorbereiten; ob wir nicht Unternehmergeist schon viel früher fördern sollten; wie wir die Herausforderungen der Migrationsbewegung lösen werden.

Die Analyse zeigt aber auch, dass es in Österreich in einigen Bereichen durchaus Potenzial zu heben gibt. Innovation und F&E zählen zu unseren Stärken. Daher ist es völlig richtig, die Zielsetzung anspruchsvoll zu definieren, wie dies die Bundesregierung etwa mit der Digital Roadmap tut: Österreich wieder zum Innovation Leader in Europa zu machen.

Hut ab vor dieser Herausforderung! Die erhöhte Forschungsförderung gibt wichtige Impulse, aber die Anstrengungen werden bereits bei der Ausbildung deutlich erhöht werden müssen. Die Spitzenposition bei der Lebensqualität ist zwar an sich sehr erfreulich, kann aber auch ein Hindernis für notwendige Veränderungen darstellen.

Konzentration auf das Bewahren des früher Erreichten wird nicht reichen. Im Gegenteil: Kein Fortschritt ist schlussendlich ein Rückschritt.

Was müssen wir Österreicher also tun, um das Ruder herumzureißen und wieder in der Topliga mitspielen zu können? Der Deloitte.Radar zeigt klar: An Rezepten für die Trendumkehr mangelt es nicht. Es gibt viele vernünftige Ansätze, wie Österreich wieder nach vorne gebracht werden kann.

Aber die Menschen verspüren dennoch das Gefühl von Stillstand und Verunsicherung. Das führt zu einer zögerlichen und pessimistischen Grundstimmung. Jede Trendumkehr beginnt aber mit einer geänderten Erwartungshaltung. Wir brauchen jetzt eine grundsätzliche Änderung in den Köpfen. Nur ein ambitionierteres Mindset bei uns allen wird zu einer wirklichen Veränderung führen. Für die Bewältigung der unbestritten großen Herausforderungen brauchen wir Mut - Mut zur Veränderung, Mut zum Risiko und Mut zu Entscheidungen.

Es sind alle wichtigen Kräfte in Österreich gefordert, diesen Mut unter Beweis zu stellen: Die Politik muss in einem nationalen Schulterschluss Mut beweisen, indem Reformbedarf klar kommuniziert wird. Wichtige Reformschritte und die richtigen Rahmenbedingungen gerade für die vielen innovativen Unternehmer müssen im ökonomischen Wandel viel rascher geschaffen werden.

Die Steuerreform und das Alternativfinanzierungsgesetz waren solche mutigen Schritte in die richtige Richtung, aber jetzt muss rasch ein Deregulierungsgesetz folgen.

Die Lehrerschaft muss Mut beweisen, indem sie von der bisherigen Fehlerkultur abkehrt, hin zu einer Kultur, in der die Stärken unserer jungen Talente gefördert werden. Viele einzelne mutige Initiativen, die Lehrer und Proponenten aus der Zivilgesellschaft gemeinsam entwickelt haben, lassen berechtigten Optimismus aufkommen. Die Bildungsreform geht hier ebenfalls die ersten Schritte in eine neue Zukunft.

Die Zivilgesellschaft muss weiterhin Mut in der Bewältigung der großen gesellschaftlichen Herausforderungen beweisen. Im letzten Jahr haben die Menschen bereits auf beeindruckende Weise gezeigt, wie man mit der Flüchtlingskrise konstruktiv umgeht, wir werden aber noch einen langen Atem brauchen.

Auch die Medien müssen wieder Mut zu positiven Nachrichten beweisen. Nicht ohne Grund ist gerade in diesen herausfordernden Zeiten das Schlagwort "Constructive News" in aller Munde. Ein positives Mindset wird nur entstehen, wenn auch die positiven Beispiele aus der Gesellschaft eine Bühne bekommen.

Dann werden auch die Unternehmer ihren Mut beweisen, indem sie weiter auf den Standort Österreich setzen und verstärkt investieren. In der Vergangenheit haben die Unternehmen diesen Mut schon vielfach bewiesen und hochwertige Arbeitsplätze geschaffen.

Die Trendumkehr in Österreich kann gelingen - aber nur, wenn wir alle gemeinsam wieder mehr Mut beweisen und gemeinsam anpacken.


Zur Person

Bernhard Gröhs ist Managing Partner von Deloitte Österreich.


Der Gastkommentar ist im trend. Ausgabe 9/2016 am 4. März 2016 erschienen.

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