Österreich braucht den Rapid-Moment

Übermäßige Nervosität, verschenkte Chancen, taktische Experimente und wohl auch mangelndes Glück haben dazu geführt, dass für das Nationalteam von Österreich die EURO 2016 in Frankreich deutlich kürzer als erhofft war. Trotzdem gilt: Österreichs Nationalelf hat bei der Fußball-Europameisterschaft zweifellos Kämpfergeist unter Beweis gestellt.

Österreich braucht den Rapid-Moment

Michael Krammer - CEO und Eigentümer von Ventcom sowie Präsident vom SK Rapid Wien.

Der Weg zur Fußball-EURO 2016 in Frankreich war eine beeindruckende Erfolgsgeschichte. Marcel Koller hat unsere Nationalmannschaft unter die Top 10 der Welt geführt. Auf einem klaren Kurs, mit einem konkreten Ziel und vor allem mit einem manchmal spürbaren emotionalen Moment, der den Unterschied macht. Man hatte am Weg zur EURO 2016 den Eindruck: Plötzlich ging etwas, was vorher nicht möglich war. Plötzlich wurden Kräfte freigesetzt, die es vorher in dieser Form nicht gegeben hat.

Wir erleben einen solchen, ganz besonderen Moment bei SK Rapid Wien in einem Ritual, das sich nun schon seit über 100 Jahren wiederholt: bei der von den Fans eingeklatschten "Rapid-Viertelstunde". Sie ist ein Mythos, der bis ins Jahr 1919 dokumentiert ist, aber vermutlich noch weiter zurückreicht.

Dieser Rapid-Moment machte oft möglich, was viele nicht für möglich gehalten hatten. Ein Tor, eine letzte Wendung im Spiel, eine Sensation.

Die Signalwirkung

Auch wenn der Rapid-Moment nicht in jedem Spiel zum gewünschten Ergebnis führt, so ist er doch ein wichtiges Signal. Er ist das Dokument einer Stimmung, eines emotionalen Impulses, der es uns ermöglicht, über uns hinauswachsen zu können.

Der Rapid-Moment - am Ende eines meist harten und fordernden Spiels - ist eine Absage an Jammern und Wehklagen. Er ist eine Ansage für volle Einsatz- und Leistungsbereitschaft unter extrem fordernden Bedingungen. Er ist eine Ansage für Stärke, die in der Gemeinschaft der Mannschaft und der Fans wurzelt. Und er ist eine Ansage für die Überzeugung, dass jedem beendeten Spiel ein nächstes Spiel folgt, in dem man es noch besser machen wird.

Mehrere Rapid-Momente

Wir brauchen nicht nur im Sport, sondern auch in Gesellschaft und Wirtschaft einen solchen Rapid-Moment. Wir müssen lernen, im richtigen Moment noch einmal Gas zu geben. Als Unternehmer, die neue Ideen konsequent auf den Boden bringen. Als Mitarbeiter, die ihre Qualifikation und Leistungsbereitschaft für den gemeinsamen Erfolg voll ausspielen. Und natürlich auch als Politik, die notwendige Reformen mutig und ohne falsches Hinsichtl- und Rücksichtl-Denken umsetzt.

Für all das braucht es ein besonderes Momentum, das besonderes Engagement und besondere Motivation freisetzt. Das den letzten „Kick“ gibt, etwas Wichtiges und Richtiges auch konsequent durchzuziehen. Ein Momentum, in dem nicht die Umstände beklagt, sondern einfach das Beste daraus gemacht wird.

Der Rapid-Moment ist aus meiner Sicht nicht nur ein treffendes Bild dafür, was wir in der Wirtschaft im entscheidenden Augenblick brauchen. Er soll ein Anstoß sein, uns dessen bewusst zu werden, dass wir gemeinsam einfach mehr können als wir glauben. Die Möglichkeit, genau das unter Beweis zu stellen, gibt es jeden Tag von Neuem.

Das nächste Spiel hat gerade erst begonnen.


Zum Autor

Michael Krammer ist seit November 2013 Präsident von SK Rapid Wien.
Neben seinem Ehrenamt ist er beruflich Gründer, Miteigentümer und CEO des Mobilfunkdienstleisters Ventocom, der für Hofer Telekom (HoT) und Allianz Mobilfunkdienste abwickelt. Neben seiner Tätigkeit ist er im Verwaltungsrat des Schweizer Mobilfunkanbieters Sunrise
Zuvor war er unter anderem CEO bei Orange Austria, E-Plus und Telering.


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