Max Otte: Rettet unser Bargeld!

Max Otte: Rettet unser Bargeld!

Max Otte - Universität Graz

Die bargeldlose Welt ist näher, als wir glauben. Und sie ist ein totaler Albtraum für jeden Einzelnen. Wie wir uns dagegen wehren können.

Mit erschreckender Geschwindigkeit werden Banknoten und Geldmünzen aus dem Verkehr gedrängt. Nachdem wir uns 2002 von unseren nationalen Währungen verabschieden und dann 2010 hinnehmen mussten, dass die Europäische Union zu einer Schuldenunion umgestaltet wird, geht es jetzt ans Eingemachte: unser Bargeld.

"War on Cash" -"Krieg gegen das Bargeld": Das klingt ähnlich wie "Krieg gegen den Terrorismus". Das ist kein Zufall. Bargeld soll in die Nähe von Terrorismus und Kriminalität gerückt werden. Manchmal wird auch argumentiert, Bargeld sei unhygienisch oder ineffizient. In der schönen neuen Welt ohne Bargeld soll es uns allen viel besser gehen. Dabei würde sich der Traum einer Welt ohne Bargeld sehr schnell als Albtraum entpuppen, genau wie in dem gleichnamigen Zukunftsroman von Aldous Huxley.

In Schweden lassen sich die ersten Versuchspersonen bereits kleine Bezahlchips unter die Haut einpflanzen. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht: mir gruselt dabei. Eine bargeldlose Welt würde uns unserer Freiheit berauben und uns zu schutzlosen Subjekten eines allmächtigen Systems machen. Eine Staats- und Konzernwirtschaft, der wir restlos ausgeliefert sind:

* In einer bargeldlosen Wirtschaft würden wir zwangsläufig zu "Geiseln der Banken" gemacht.

* Wenn die (weitgehend) bargeldlose Wirtschaft umgesetzt ist, könnten die bankrotten westlichen Industrienationen darangehen, einen "Neustart" unseres Währungssystems inklusive weitreichender Enteignungen durchzuführen.

*Ihr ganzes Leben wird durchsichtig. Alle Ihre Käufe und Verkäufe sind bekannt und auf ewig registriert.

* Ihre Konsumgewohnheiten wandern in extrem leistungsfähige Datenbanken. Ihr Profil wird zum Eigentum eines oder mehrerer Konzerne. Ihr Profil wird zur Ware. SIE werden zur Ware.

* Das "System" - seien es Staaten oder Konzerne - hätte Methoden der Wirtschaftslenkung, von denen man in früheren Planwirtschaften nur träumen konnte.

* Politisch unliebsamen Personen kann man einfach den Saft abdrehen, also das Geld sperren.

Was noch 2010 undenkbar war, ist heute bedrohlich nahe gerückt. Die Europäische Zentralbank (EZB) unter Ex-Goldman-Sachs-Manager Mario Draghi hat sich dafür ausgesprochen, 500-Euro-Noten abzuschaffen. Und in der EU werden einheitliche Obergrenzen für Bargeldzahlungen diskutiert.

Der "Krieg gegen das Bargeld" wird mit allen Mitteln der Meinungsbeeinflussung, Desinformation, Propaganda und der Einschüchterung geführt. Eine mächtige Koalition aus vier Gruppen hat sich zusammengefunden, um dem Bargeld den Garaus zu machen: 1. Banken, 2. Anbieter von elektronischen Bezahlsystemen, 3. E-Commerce-Unternehmen und Datenkraken und 4. Politiker. Alle haben ein großes Interesse daran, eine bargeldlose Welt zu schaffen, weil sie dann viel mehr verdienen und ungestört vom Willen der Bürger wirtschaften können.

Die Koalition der Bargeldgegner ist stark, gut vernetzt und hervorragend organisiert. In jüngster Zeit haben die Bargeldgegner massive Geländegewinne verbuchen können: In Frankreich gilt seit September 2015 eine Bargeldobergrenze von 1.000 Euro (davor 3.000 Euro), in Italien bereits seit 2012. In Griechenland wurden Bargeschäfte von mehr als 1.500 Euro ab Jahresanfang 2011 illegal, solange zumindest ein Partner gewerblich aktiv ist.

Die westlichen Wirtschaftsnationen und Japan unter Führung der USA stehen vor dem endgültigen Bankrott. Die Politik des billigen Geldes und der Insolvenzverschleppung auf staatlicher Ebene ist am Ende. Eine Neuordnung der Welt ist unvermeidlich, ein "großer Neustart". Und genau dabei kommt der Bargeldabschaffung eine zentrale Rolle zu.

Sowohl unmittelbar nach der Finanzkrise als auch während der Eurokrise ging eine Welle der Empörung durchs Land. Leider hat sie beide Male nicht allzu viel bewirkt. In der Finanzkrise haben wir die unsoliden Banken gerettet, in der Eurokrise ein ungesundes System gerettet, das dadurch noch mehr in Schieflage geraten ist.

All dies ist nur ein Vorspiel zu dem, was uns droht, wenn die Bargeldgegner sich weitgehend durchsetzen können. Bezahlchips unter unserer Haut, Sozialpunktesysteme zur Belohnung "guten" und zur Sanktionierung "schlechten" Verhaltens, die weitere Enteignung der Mittelschicht im Endspiel und die durch nichts mehr kontrollierte Herrschaft der großen Finanzkonzerne sind nur einige Facetten der schönen neuen Welt ohne Bargeld.

Vielleicht müssen wir angesichts einer Weltbevölkerung, die 2050 bis auf zehn Milliarden Menschen ansteigt, in einem Kontrollstaat leben. Aber die Privatsphäre ist eine Errungenschaft, auf die die meisten Menschen ungern verzichten. Ich habe die Hoffnung nicht aufgegeben, dass es Alternativen zum totalen Überwachungsstaat gibt und dass wir das, was unsere Eltern, Großeltern und Urgroßeltern uns in den letzten 200 Jahren an Bürger- und Freiheitsrechten erkämpft haben, zumindest zum großen Teil für unsere Kinder bewahren können.

Der Erhaltung des Bargelds kommt dabei eine Schlüsselrolle zu, denn Bargeld ist in vielen Ländern gesetzliches Zahlungsmittel. § 14, Absatz 1 des Bundesbankgesetzes besagt: "Auf Euro lautende Banknoten sind das einzige unbeschränkte gesetzliche Zahlungsmittel."

Im Vertrag über die Europäische Union steht in Artikel 128: "Die von der Europäischen Zentralbank und den nationalen Zentralbanken ausgegebenen Banknoten sind die einzigen Banknoten, die in der Union als gesetzliches Zahlungsmittel gelten." In den USA steht auf jedem Geldschein: "This note is legal tender for all debts, public and private."

Artikel XI des Gesetzes über die Oesterreichische Nationalbank legt fest: "Die von der Oesterreichischen Nationalbank (...) ausgegebenen, auf Euro lautenden Banknoten sind gesetzliche Zahlungsmittel. Die (...) genannten Banknoten müssen zum vollen Nennwert unbeschränkt angenommen werden, soweit die Verpflichtung nicht in bestimmten Zahlungsmitteln zu erfüllen ist."

Am Bargeld hängt so viel mehr als nur unser Recht, bar zu bezahlen. Letztlich geht es um unsere Bürgerrechte und die Verhinderung eines Kontrollstaats. Staatliche Stellen müssen Bargeld annehmen, denn Bargeld ist gesetzliches Zahlungsmittel. Der deutsche Ökonom und Wirtschaftsjournalist Norbert Häring ist einer der hartnäckigsten Kämpfer, dieses Recht durchzusetzen. Seit Februar 2015 befindet er sich im Clinch mit dem "Beitragsservice ARD, ZDF, Deutschlandradio" (früher Gebühreneinzugszentrale GEZ).

Er widerrief seine Einzugsermächtigung für die Rundfunkgebühren und besteht darauf, bar zu bezahlen. Nach einiger Zeit erhielt Häring ein Schreiben, dass die Annahme von Bargeld mit der Rechtslage nicht vereinbar sei. Das ist auch deswegen pikant, weil einige Rundfunkanstalten durchaus Bargeld annehmen. Häring reichte am 18. August 2015 Klage beim Verwaltungsgericht in Frankfurt ein.

Beim Widerstand gegen die bargeldlose Welt haben Sie das Gesetz über die Oesterreichische Nationalbank und den EU-Vertrag im Rücken. Anders als bei den rechtswidrigen Gesetzen zur Eurorettung können Sie selber gegen die Bargeldabschaffung aktiv werden:

- Zahlen Sie einfach so oft wie möglich mit Bargeld. Es bieten sich an: Tankstellen, Einkäufe von Lebensmitteln- und Bekleidung, Restaurants, Baumärkte, Buchläden, Raumausstattung und vieles andere. Gerade bei Tankstellen und Lebensmittelmärkten wird zunehmend bargeldlos gezahlt. Das muss nicht sein. Ein positiver Nebeneffekt: Sie unterstützen damit wahrscheinlich tendenziell eher kleinere Unternehmen.

- Nehmen Sie etwas Bargeld von der Bank und verwahren Sie es an einem sicheren Ort. Eine Mengenempfehlung möchte ich nicht geben, denn das hängt davon ab, wie sicher Sie das Geld aufbewahren können und wie viel Sie insgesamt haben. So sind Sie vorbereitet, wenn irgendwann vielleicht einmal ein Bank Run wie in Griechenland droht. Nachdem die Banken dort im Juni 2015 geschlossen wurden, können die Bürger nur noch 60 Euro pro Tag abheben. Um ein Guthaben von 50.000 Euro abzuheben, würden sie also ungefähr zwei Jahre benötigen. Beugen Sie vor!

- Wenn Sie bereit sind, hartnäckiger zu kämpfen, machen Sie es wie Norbert Häring und widerrufen Ihre Einzugsermächtigung beim öffentlichen Rundfunk. Aber versuchen Sie es besser nicht beim Finanzamt. Das Finanzamt fackelt nicht lange, und Kontenpfändungen sind keine schöne Sache, auch wenn das Recht auf Ihrer Seite ist.

- Diskutieren Sie mit Freunden, Kollegen und Verwandten über die Gefahren der Bargeldabschaffung. Vielen sind die Gefahren überhaupt nicht bewusst! Entlarven Sie die Scheinargumente der Bargeldabschaffer.

- Schließen Sie sich meiner Petition gegen die Bargeldabschaffung im Internet an: www.rettet-unser-bargeld.de .

Jede Handlung zählt. Jedes Mal, wenn Sie als Bürger für das Bargeld eintreten, wenn Sie an der Tankstelle mit Bargeld anstatt mit der Karte bezahlen, wenn Sie auf die Gefahren der Bargeldabschaffung hinweisen, kämpfen Sie für unser aller Freiheit! Gegen totale Überwachung. Für eine Wirtschaftsordnung, in der der Einzelne noch etwas zählt. Dafür lohnt es sich, zu kämpfen!


MAX OTTE wurde einer breiteren Öffentlichkeit durch seine präzise Vorhersage der Finanzkrise bekannt. Der 51-jährige deutsche Ökonom lehrt an der Universität Graz und betreibt mit dem IFVE Institut für Vermögensentwicklung seinen eigenen Aktienfonds.


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