Manfred Gram: Im Streaming-Strudel

Manfred Gram: Im Streaming-Strudel

Manfred Gram

Medien. Manfred Gram über den kleinen Expansions-Dämpfer von Netflix und den Gegenwind, den der Streamingriese jetzt zu spüren bekommt.

Ein kleiner Dämpfer auf den Weg zur Weltherrschaft, oder taumelt da doch einer der neuen Riesen? Netflix veröffentlichte seine Prognosen fürs kommende Quartal, und das machte die Anleger eher weniger froh. Im Kernmarkt USA sollen lediglich 500.000 neue Kunden dazukommen, im Rest der Welt sind zwei Millionen Neo-Abonnenten prognostiziert.

Für die Aktionäre des mit 40 Milliarden Dollar bewerteten Unternehmens zu dürftig. Muss man sich also Sorgen machen, wenn die Zuwachsraten nicht gewohnt exorbitant sind? Bricht das Streaming-Imperium, das anrückte um alte TV-Strukturen zu zertrümmern und wertvolle Daten zu Sehgewohnheiten zu sammeln, zusammen wie ein Kartenhaus?

Nicht ganz unmöglich. Anfang Jänner startete Netflix mit einer Großoffensive in 130 Ländern der Erde. De facto fressen die Expansionskosten aber den Großteil der Gewinne aus dem US-Geschäft auf. Die bereits beschlossenen Preiserhöhungen bei den Abos für Kunden sind in dieser Hinsicht kein gutes Signal. Hinzu kommt, dass die Konkurrenz nicht schläft.

Allen voran bringt sich Amazon in Stellung. Jeff Bezos will demnächst auch in den USA seinen Videodienst aus dem Prime-Paket herauslösen und gleich einmal zu einem monatlichen Kampfpreis anbieten. Das freut mitunter auch die großen Studios wie Warner, Disney oder Universal, die nach wie vor den Großteil der Inhalte für Streamingdienste liefern und trotz aller angekündigten Revolutionen die Fäden im Hintergrund fest in der Hand halten.

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Christoph Kotanko, Korrespondent der Oberösterreichischen Nachrichten (OÖN) in Wien

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