Manager, hört die Signale!

SERIE MANAGEMENT COMMENTARY: Gastbeitrag von Stefan Bergsmann und Stephanie Nöth-Zahn; Unternehmensberatung Horváth & Partners:

Thema: Management Commentary
Manager, hört die Signale!

Richtiges Risikomanagement hilft Marktrisiken reduzieren

KI, VR, 3D-Printing, Augmented Reality und Blockchains sind nicht nur Buzzwords, sondern neue Technologien, die viele Geschäftsmodelle auf den Kopf stellen. Je früher die Signale des absehbaren strukturellen Wandels erkannt werden, desto mehr Zeit bleibt um auf mögliche Entwicklungen zu reagieren. Frühwarnindikatoren spielen eine wesentliche Rolle in der strategischen Ausrichtung eines Unternehmens.

In Zeiten wachsender Komplexität benötigen Risikomanager quantitative wie qualitative Instrumente, um eine Übersicht über die Risikolandschaft zu erlangen. Die Risikomanagement-Experten von Horváth & Partners haben dazu eine Software entwickelt, die neue Möglichkeiten zur Analyse von qualitativen Massendaten liefert und mit Hilfe von semantischen Analysen um Big-Data-Faktoren erweitert. Die „Global Risk Radar“ Software markiert das Ende des Silodenkens und durchbricht die Grenzen althergebrachter Methoden zur Risikoidentifikation.

Semantische Datenverarbeitung

Die Webcrawler der Software durchkämmen das Datenmeer im Internet wie mit einem Fischernetz nach relevanten Informationen und speichern deren Inhalte in einer Massendatenbank ab. Die gesammelten Textdateien werden anschließend mit Hilfe von Algorithmen strukturiert analysiert und bewertet. Das übergeordnete Ziel moderner Semantik ist dabei, die Meinungen in den jeweiligen Artikeln mess- und damit Risiken für den Risikomanager steuerbar zu machen.

Beim Fischfang beeinflusst die Größe der Netzmaschen, welche Fische gefangen werden - ähnliches gilt für den Webcrawler. Das Global Risk Radar fokussiert auf die Auswertung von sehr granularen Daten. Denn es sind die Ausreißer, die extremen Ereignisse, die nicht verharmlost oder ignoriert werden dürfen, da es bei ihnen am meisten zu gewinnen oder verlieren gibt.

Diese Extremwerte haben für Riskmanager große Bedeutung. Durch deren sorgfältige Analyse wird sichergestellt, dass die entscheidenden Informationen nicht verloren gehen.

Herausforderung für Mensch und Maschine

Eine Sprache zu verstehen, bedeutet nicht nur die Wörter zu verstehen, sondern auch den Zusammenhang hinter ganzen Sätzen. Während es für den Mensch oft sehr einfach ist, eine Sprache zu lernen, ist es für Computer ziemlich schwierig, Zweideutigkeiten der Sprache oder unterschiedliche Betonungen zu verstehen.

Semantische Datenverarbeitung basiert auf maschinellen Lernverfahren. Die Analyse großer Datensätze ermöglicht es dem Algorithmus, Wissen künstlich zu erzeugen – durch das Erlernen einer Vielzahl von Beispielen, das Verallgemeinern von Aussagen und das Erkennen von Mustern.

Der Mensch korrigiert die Auswertungen. Somit lernt der Algorithmus, wie er wichtige Assoziationen herstellen kann. Der Maschine wird damit schrittweise beigebracht, die Sprache zu verstehen.


Ein Anwendungsbeispiel

Selten wurde ein Begriff so inflationär benutzt wie die „Blockchain“. Die Entwicklung dieser Technologie kann aktuell nur schwer vorausgesagt werden. Ist sie nur ein kurzlebiger Trend oder schafft sie es, ganze Industrien grundlegend zu verändern? Wer vertritt welche Meinung und wer ist überhaupt Experte auf diesem Gebiet? Da die Antworten auf diese Fragen oft nur schwer zugänglich sind, benötigt der Risikomanager ein Instrument, das solche komplexen Themen rasch aufbricht, strukturiert und vereinfacht. Er braucht eine unvoreingenommene Meinung, die ihn in seinem täglichen Handeln unterstützt.

Global Risk Radar liefert Durchblick

Das Dashboard des Global Risk Radars liefert den Überblick, die „Risiko Chancen Matrix“ den Inhalt. Das Radar verarbeitet Millionen Dokumente aus dem Internet und integriert diese in ein bewährtes strategisches Planungstool. Die zweidimensionale Matrix ordnet identifizierte Risiken und Chancen nach deren Auswirkungen und Eintrittswahrscheinlichkeiten ein.

Jeder Satz in einem Artikel des Word Wide Web wird anhand des Begriffs „Blockchain“ analysiert und bewertet. So kann festgestellt werden, welche Themen im positiven oder negativen Zusammenhang mit der Technologie stehen. Das schafft eine kompakte und aussagekräftige Übersicht über die aktuelle Risikolandschaft dieser Technologie.

Indem er solche Informationen ins Reporting einbezieht, vervollständigt der Risikomanager seine laufende Marktrisikoanalyse. Aufkommende Risikotreiber, die zuvor gar nicht in Betracht gezogen wurden, können durch den Algorithmus schnell identifiziert und quantifiziert werden. Dadurch können zentrale strategische Fragen auch besser, schneller und genauer beantwortet werden. Der Risikomanager hat somit ein Tool in der Hand, um bei schwierigen Fragestellungen die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Fazit: In Zeiten zunehmender Komplexität stoßen konventionelle Methoden der Risikoermittlung an ihre Grenzen. Risikomanager brauchen daher neue Instrumente, um Chancen und Risiken früher zu erkennen. Durch die Integration von intelligenten Algorithmen und maschinellen Lernmethoden können rapide Marktveränderungen wesentlich besser und rascher antizipiert werden – mit der Folge, dass fundamentale Entwicklungen erkannt werden, lange bevor sie andere Marktteilnehmer registrieren.


Der Autor

Stefan Bergsmann ist Österreich-Geschäftsführer Unternehmensberatung Horváth & Partners E-Mail: sbergsmann <AT> horvath-partners.com


Die Serie "Management Commentary" ist eine Kooperation von trend.at und der Unternehmensberatung Horváth & Partners. Die bisher erschienen Beiträge finden Sie zusammengefasst im Thema "Management Commentary".


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