Management-Fallstudie: Über das Thiem-Building

Kommentar. Über das Erfolgsteam und den strategischen Weitblick hinter der Karriere und den Turniersiegen von Tennis-Jungstar Dominic Thiem.

Management-Fallstudie: Über das Thiem-Building

Michael Schmid

Mit Turniersiegen in Süd- und Mittelamerika hat Österreichs bester Tennisspieler, Dominic Thiem, 23, nicht nur sein Karrierehoch in der Weltrangliste erreicht, sondern auch viele Sportfreunde zu nachtschlafender Stunde vor die Fernsehgeräte gelockt. Dass ein exzellenter Physiotherapeut, der schon mit Pete Sampras gearbeitet hat, seinen Teil dazu beitrug, wissen Tennisfans aus TV oder Sportseiten.

Der ihn begleitende Touringcoach war zu seinen besten Zeiten bereits mit Jürgen Melzer auf dem Weg gewesen. Das Team um Thiem ist professionell aufgestellt.

Mehr als das: Die ganze Karriereplanung des schon im Teenageralter als Supertalent geltenden Spielers kann durchaus als Fallbeispiel für exzellentes strategisches Management gelten. Der dafür Verantwortliche, Günter Bresnik, bewies diese Langfristperspektive etwa, als er ihn in einem Alter, in dem das technische Rüstzeug als entwickelt gilt, noch von der beidhändigen auf eine einhändige Rückhand umstellen ließ. Und wer erinnert sich an Unkenrufe über athletische Defizite beim Umstieg des Juniors auf die Herrentour?

Thiems Team, um ein letztes Mal zu kalauern, sorgte für die Behebung eines latenten Gesundheitsproblems und engagierte einen knorrigen Ex-Offizier und Ultra-Triathleten für den Kondi-Schliff. Nicht nur Thiem, auch der Branchenführer seines Metiers zeigt, dass die großen Erfolge nicht einer alleine erzielt: Keiner ist mit mehr Betreuern unterwegs als Novak Djokovic.

Der Kommentar ist im trend. Ausgabe 9/2016 bereits am 4. März 2016 erschienen.
Novak Djokovic war damals die Nummer 1 im Welttennis - heute hält er Rang 2 des ATP-Rankings.

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Der Aufstieg von Dominic Thiem , der inzwischen auf der Weltrangliste Rang 7 hält, hat am 7. Juni 2017 den nächsten Höhepunkt in seiner Karriere erreicht.

In drei Sätzen fegte Thiem den derzeit Zweiten des ATP-Rankings und Titelverteidiger der French Open Novak Djokovic aus Serbien in 2:15 Stunden mit 7:6, 6:3 und 6:0 im Viertelfinale der French Open 2017 vom Feld.

Der Österreicher steht nun im Halbfinale des mit insgesamt 36 Millionen Euro dotierten Turniers in Paris. In diesem trifft der 23-jährige Lichtenwörther am Freitag auf den spanischen Topfavoriten Rafael Nadal, der in der Seine-Stadt seinen zehnten French-Open-Titel anpeilt. Nadal ist derzeit laut ATP-Ranking auf Rang vier.

Thiem hat damit im sechsten Versuch zum ersten Mal auch Djokovic geschlagen. Der Serbe war der Letzte der aktuellen Top 5 im ATP-Ranking, der ihm auf seiner Abschussliste noch gefehlt hat: Gegen Roger Federer (2 Siege), Rafael Nadal (2), Andy Murray (1) und Stan Wawrinka (1) hat er davor schon zumindest je einmal gewonnen.

Thiem hat damit als erst zweiter Österreicher nach Thomas Muster (insgesamt vier Semifinali) zum zweiten Mal das Halbfinale eines Majors erreicht. Der Weltranglisten-Siebente hat nun bereits 530.000 Euro (brutto) sowie 720 Zähler für die ATP-Weltrangliste sicher.

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