Mängelrüge für Bitcoins: "Reine Spekulationsmedien"

Matthias Bank, Dekan der Fakultät für Betriebswirtschaft an der Universität Innsbruck

Matthias Bank, Dekan der Fakultät für Betriebswirtschaft an der Universität Innsbruck

Vom Gold zum Bitcoin - was eine gute Währung ausmacht und wie riskant Kryptowährungen sind. Eine Analyse von Matthias Bank, Dekan der Fakultät für Betriebswirtschaft, Universität Innsbruck.

Wir sind mitten in einem gewaltigen Umbruch, ausgelöst durch eine disruptive Technologie. Die Blockchain-Technologie verspricht sichere "Peer-to-Peer"-Zahlungen unter Umgehung der Finanzintermediäre, insbesondere der Banken. Es herrscht eine Art "Goldgräberstimmung". Dabei ist unklar, wie die internationale Staatengemeinschaft mit Kryptowährungen umgehen wird. Bis zu einem Verbot wie in China ist hier alles möglich. Können Kryptowährungen herkömmliche Währungen vielleicht sogar verdrängen?

Währungen stehen im Zentrum allen Wirtschaftens. Eine "gute" Währung ist dann gegeben, wenn eine hohe Erwartungssicherheit bezüglich zukünftiger Entscheidungen gegeben ist. Hierzu gehören eine niedrige Volatilität im eigenen Währungsraum sowie stabile Austauschrelationen gegenüber fremden Währungen. Die Währung muss allseits akzeptiert sein, sodass Verbindlichkeiten mit ihr beglichen werden können. Die Währung sollte fälschungssicher und - zumindest bezogen auf Buchgeld - diebstahlssicher sein. Weiterhin sollte eine Währung als Bar-und/oder Buchgeld allseits verfügbar sein und niedrige Kosten für die Bereitstellung und Nutzung mit sich bringen.

Zusammengefasst kann man sagen, dass für die Nutzung einer Währung kein zusätzlicher Informationsbedarf mehr anfallen sollte, das heißt, die Qualität sollte hoch und eindeutig sein. Qualitätsunsicherheiten hingegen sind "Gift" für eine Währung, da für jede Transaktion teure Ressourcen zur Informationsbeschaffung verschwendet werden müssen. Auch sollten Währungen natürlich der Geldwäsche und ungesetzlichen Geschäften keinen Vorschub leisten.


Kryptowährungen sind definitiv keine guten Währungen.

Es gibt viele Ausprägungen von Währungen oder Geld. Früher haben Währungen eine Anbindung an knappe Ressourcen aufgewiesen. Sogenanntes "gedecktes Geld" war über Edelmetalle wie Gold oder Silber definiert. Heute benutzen wir "ungedecktes Geld" (Fiat Money), für welches als gesetzliches Zahlungsmittel Annahmezwang besteht. Eine weitere Möglichkeiten einer ungedeckten Gelddeckung sind eben auch Kryptowährungen, die ihren Wert allerdings nur dadurch erhalten, dass Produzenten und/oder Konsumenten bereit sind, diese als Zahlungsmittel auf Dauer zu akzeptieren.

Sind Kryptowährungen nun gute Währungen? Nach den oben aufgestellten Kriterien definitiv (noch) nicht. Bitcoins und andere Kryptowährungen sind Teil einer Assetklasse, die viele Gemeinsamkeiten mit Aktien aufweisen. Obwohl Kryptowährungen vermehrbar sind (Mining), sind sie doch kurzfristig in einem relativ starren Angebot. Nachfrageschocks führen regelmäßig zu hohen Preisfluktuationen. Der aktuelle Preisverlauf vieler Kryptowährungen ist dabei einer Preisblase ähnlich. Der Informationsbedarf ist enorm!

Kryptowährungen erfüllen zur Zeit auch nicht das Kriterium Ressourcenschonung. Das Mining und getätigte Transaktionen benötigen extrem viel Energie. Dabei sind die hierdurch anfallenden Stromkosten versunken (Sunk Cost), das heißt, es entsteht kein Gegenwert, und diese Kosten sind nicht (mehr) entscheidungsrelevant. Allein der Glaube an die zukünftige Werthaltigkeit zählt.


Bitcoin & Co. bleiben bis auf weiteres reine Spekulationsmedien.

Schließlich sei der Aspekt genannt, dass Systemausfälle (Zusammenbruch der Infrastruktur) nicht ausgeschlossen werden können. Kryptowährungen als alleinige Zahlungsmittel können somit eine allgemeine Verfügbarkeit nicht sicherstellen und daher Bargeld nicht ersetzen. Auch die Diebstahlsicherheit ist (wie beim Bargeld auch) nicht gegeben, da die Schnittstelle Blockchain und Smartphone-basierte Wallet (Geldbörse) höchst unsicher gegenüber Hackern und Phishing-Attacken ist. Schließlich tragen Kryptowährungen nicht zur Fairness bei, da es den Nutzern durch die Anonymität in der Abwicklung relativ leicht gemacht wird, Steuern zu umgehen oder ungesetzliche Aktivitäten im Darknet zu verfolgen. Deshalb fordern ernstzunehmende Wissenschaftler sogar ihr Verbot.

Zusammenfassend kann man feststellen, dass auf absehbare Zeit die normalen Währungen und auch Bargeld nicht wegzudenken sind, sich aber eine Koexistenz mit Kryptowährungen weiterentwickeln wird. Es ist zu hoffen, dass die "Nerds" der Branche Lösungen entwickeln, die die offensichtlichen Defizite von Kryptowährungen beseitigen und betrugssichere Schnittstellen anbieten.

So bleiben Bitcoin & Co. bis auf weiteres reine Spekulationsmedien, mit denen man vielleicht viel Geld verdienen, aber auch alles verlieren kann. Wann die Preisblase platzt, kann niemand seriös vorhersagen. Das kleine Einmaleins der Ökonomie impliziert aber, dass sie irgendwann platzen muss.


MATTHIAS BANK ist ein österreichischer Betriebswissenschaftler, Professor für Bankwirtschaft am Institut für Banken und Finanzen an der Universität Innsbruck sowie seit 2013 Dekan der Fakultät für Betriebswirtschaft.


Der Artikel ist der trend-Ausgabe 49/2017 vom 7. Dezember 2017 entnommen.

Kommentar

Standpunkte

Strafrechtsreform: Im Namen des Volkes?

Kommentar
Anton Zeilinger, Physiker und Präsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.

Standpunkte

Anton Zeilinger: Mehr Platz für Ideen in der Forschung

Die VGN-Chefredakteure: Das Rauchverbot muss bleiben!

Standpunkte

Rauchverbot: Gemeinsame Initiative der VGN-Chefredakteure