Ken Fisher: Vorbereitung auf die Normalität

Gastkommentar. Große Wachstumsaktien aus dem IT-, Kommunikations- und Gesundheitsbereich werden am raschesten wieder steigen.

Ken Fisher ist einer der erfolgreichsten Investmentberater der USA und Autor zahlreicher Bücher zu den Themen Wirtschaft und Finanzen.

Ken Fisher ist einer der erfolgreichsten Investmentberater der USA und Autor zahlreicher Bücher zu den Themen Wirtschaft und Finanzen.

BULLENMARKT. Als der globale "Shutdown" zur Eindämmung von Covid-19 begann, stürzten die Aktienmärkte ab. Sie preisten den abzusehenden Einbruch der Weltwirtschaft bereits ein. Den ATX hat es dabei mit am schwersten getroffen. Niemand weiß, wann der Umschwung stattfinden wird.

Aber: Auf jeden Abschwung folgt ein Aufschwung. In einsetzenden Bullenmärkten sind die Gewinne regelmäßig enorm - daraus wollen Sie bestimmt das Beste machen. Wie also sollten Sie sich für den unausweichlichen Aufschwung positionieren? Ich sehe zwei Varianten, die von einem wesentlichen Faktor abhängen: der Dauer des Rückgangs. Diese dürfte über die in der Erholung beste Strategie bestimmen.

Markteinbrüche treten in zwei Varianten auf: Korrekturen und "Bärenmärkte". Korrekturen sind schnelle Einschnitte um minus zehn bis minus 20 Prozent. Sie werden von sinkender Stimmung und nicht von wirtschaftlicher Verschlechterung getrieben. Noch bevor die Ängste schwinden, setzt die Aufwärtsentwicklung ein - ebenso rasch, wie der Absturz kam. Bärenmärkte dagegen sorgen für stärkere, längere Rückgänge mit erkennbaren, grundlegenden Ursachen. Sie beginnen meist langsam, weil die Aktien schrittweise die steigende Wahrscheinlichkeit einer Rezession einpreisen, dauern länger und beschleunigen sich bis zu ihrem Tiefpunkt.

Der aktuelle Rückgang ist untypisch. Er ist groß genug für einen Bärenmarkt und hat eine klar erkennbare Ursache: die wirtschaftlichen Auswirkungen der Reaktionen auf Covid-19. Aber: Die Entwicklung verhält sich bislang wie bei einer Korrektur. Mit schnellem Start: Innerhalb von Tagen kippten Aktien von Allzeithochs in einen Abschwung - so schnell wie nie zuvor. Die Wirtschaft befand sich im Wachstum - nicht schwächelnd oder auf dem Weg, sich zu einer Blase zu entwickeln.

Warum ist diese Unterscheidung wichtig? Weil die Aktien, die nach einer Korrektur vorne liegen, sich erheblich von denen unterscheiden, die nach einem Bärenmarkt führen. Nach einer Korrektur hat sich die Wirtschaft nicht fundamental verändert. Wer vorher vorne war, führt meist auch danach. So wie bei der Korrektur in Q4 2018. Große Wachstumsaktien führten davor und danach. Falls der aktuelle Wirtschaftseinbruch nur von kurzer Dauer ist, sollte sich dieses Szenario wiederholen, auch wenn das Ausmaß des Rückgangs gewaltig ist.

Das bedeutet: Konzentrieren Sie sich auf große Wachstumsaktien mit hohen Bruttogewinnmargen. Schauen Sie auf Technologie und Unternehmen im Sektor der Kommunikationsdienstleistungen, ähnlich Netflix, Facebook und Google. Wählen Sie Health Care wie Medizintechnik und außergewöhnliche Konsumgüter wie z. B. Luxusmarken. Kleinere Unternehmen und solche in sensiblen Bereichen (Industrie, Rohstoffe, Finanzen) dürften hinterherhinken.

In diesem Szenario fährt der eher mittelstandsorientierte österreichische Markt besser damit, im Ausland große, globale Marken einzukaufen. Technologie in den USA, Holland und Deutschland, Luxusgüter in Frankreich und Medizintechnik in den USA.

GUTE CHANCEN. Umgekehrt liegen nach klassischen Bärenmärkten die kleineren, weniger bekannten, wirtschaftlich sensibleren Werte voran. Sie werden im Abschwung oft durch Konkursängste besonders getroffen. Und sie steigen - sogar bevor sich die Realität als gar nicht so schlimm erweist - wie der ATX beim letzten Mal.

Vom Tiefstand der globalen Aktien am 9. März 2009 bis zum Jahresende 2009 stieg der ATX um 85 Prozent und übertraf damit den Zugewinn von 52 Prozent bei globalen Aktien. Wenn die derzeitigen Betriebsschließungen über den Sommer hindurch zu einem starken Rückgang führen, dürften kleine, wertvolle Unternehmen wie die österreichischen frühzeitig steigen - angeführt von kleineren Industrie-, Rohstoff-und Finanzwerten im In-und Ausland.

Meiden Sie defensive Aktien wie Versorgungs- und Telekomunternehmen. Diese hinken in steigenden Märkten hinterher, speziell zu Beginn.

Bisher hat sich dieser Abschwung trotz seiner Vehemenz eher wie eine Korrektur als wie ein Bär verhalten. Das könnte sich ändern. Aber aus heutiger Perspektive sind Qualität und Wachstum die bevorzugte Wahl. Sie haben sich auch bisher bei Rückgängen besser gehalten, und große Konsumtitel sowie Tech und Health Care überstehen Stürme eher.

Dieser Rückgang ist, wie alle starken Einbrüche, schmerzlich. Aber jeder Abschwung geht zu Ende - immer bevor der Wiederaufschwung klar wird. Bevor dieser Rückgang endet, sollten Sie sich auf einen ordentlichen Gewinn aus der erneuten Wachstumsphase vorbereiten.



Andreas Lampl, Chefredakteur trend

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