Investitionen gegen das Mittelmaß in der Bildung

Bildung braucht Innovation. Die Zivilgesellschaft ist dafür ein wichtiger Impulsgeber. Private Geldgeber sind das ebenfalls - betont Andreas Lechner, Generalsekretär der MEGA Bildungsstiftung.

Andreas Lechner, Generalsekretär Mega Bildungsstiftung.

Andreas Lechner, Generalsekretär Mega Bildungsstiftung.

Die Pandemie hat Stärken und Schwächen unseres Bildungssystems sichtbar gemacht. Distance Learning und Digitalisierungserfordernisse haben seit Langem Gewohntes über Bord geworfen und die Unterrichtsagenda neu priorisiert. Einige Pädagogen und Schulleitungen haben sich in innovativen Lehr- und Lernmethoden probiert und neue Qualitäten in der Schulorganisation entdeckt.

Wie viele Schulen in den letzten Monaten tatsächlich einen Innovationssprung gemacht haben, bleibt jedoch eine große Frage. Aktuelle Studien zeigen, dass die soziale Bildungsschere durch Corona weiter aufgegangen ist und Kinder ohne engagierten Lehrer und Unterstützung von zu Hause auf der Strecke bleiben. Oder, wie man mittlerweile sagt, "verloren gingen". Das ist für die Bildungschancen jener jungen Menschen ein Hasardspiel, die auf das öffentliche Bildungssystem angewiesen sind. Angewiesen auf den einzelnen Pädagogen, der trotz schwieriger Bedingungen die Extrameile geht. Spätestens seit John Hatties Analysen wissen wir, dass die Lehrkraft der zentrale Faktor für den Lernerfolg ist.

Doch ob jemand in unserem Schulsystem einen motivierten Lehrer hat, der inspiriert und leidenschaftlich für sein Fach brennt, ist über weite Strecken Zufall oder vom Geldbörsel abhängig.

Lehrberuf attraktiver machen

In einer Umfrage unter 1.200 Schülern und Eltern haben motivierte und kompetente Pädagogen die höchste Priorität. Lehrer, die "21st-Century-Skills" wie Teamarbeit, Umgang mit Geld und Wissen zur Bekämpfung von Klimawandel und Armut vermitteln können. Schule muss in Zukunft leisten, was Maschinen nicht können. Wir brauchen kreative junge Menschen, die vernetzt denken und handeln.

Doch Pädagogen, die das können, sind rar und in den nächsten Jahren nicht in Sicht. Das Interesse für den Lehrberuf orientiert sich in Österreich an den vorhandenen Plätzen. Auf einen angebotenen Studienplatz kommt ein Bewerber. In Finnland sind es zehnmal so viele. Um Topleute für den Beruf zu begeistern und zu halten, wären gesellschaftliche Wertschätzung und Durchlässigkeit des Lehrerberufs wichtig. Samt Aufstiegs-, Ausstiegs- und Wiedereinstiegsmöglichkeiten oder der Integration externer Experten in den Unterricht. Es braucht aber auch den Mut, sich von ungeeigneten Lehrkräften zu trennen. Die Attraktivität des Lehrberufs wird in Zukunft ein zentraler Gradmesser einer Gesellschaft sein.

Bildung ist mit 1,1 Millionen Schülern, 125.000 Pädagogen und über acht Milliarden Euro Budget ein Supertanker, der wendige Schnellboote braucht, um das System ins 21. Jahrhundert manövrieren zu können. Aktuell sind es vor allem zivilgesellschaftliche Initiativen wie "Teach For Austria", die hochqualifizierte Quereinsteiger als Lehrer in Brennpunktschulen bringt, oder "Schule im Aufbruch", die neue Modelle im System etabliert. Um die Schwungmasse bei Innovationen zu erhöhen, braucht es mehr solche Schnellboote, die auch Skalierung verstehen. Jedes erfolgreiche Unternehmen hat ein F&E- Budget von mindestens drei bis fünf Prozent. Im Bildungssystem liegen wir bestenfalls im Null-Komma-Prozentbereich.

Mehr privates Engagement

Ein erster wichtiger Schritt wäre, die Spendenbegünstigung auf den Bildungsbereich auszuweiten. Denn privates Geld kann ergänzend zum staatlichen Bildungssystem wichtige Innovationsimpulse setzen. Wir leisten uns eines der teuersten Bildungssysteme der Welt, erzielen aber nur durchschnittliche Ergebnisse. Der öffentliche Bildungstanker schafft es kaum aus eigener Kraft, gesellschaftliche und technologische Entwicklungen des 21. Jahrhunderts zu integrieren. Über Jahrzehnte gewachsene Strukturen lähmen ebenso wie Kompetenzverflechtungen zwischen Bund, Ländern und Gemeinden.

Die privaten Bildungsinvestitionen sind in Österreich im Vergleich zu Deutschland und anderen Ländern sehr gering. Private Initiativen können jedoch unbürokratischer neue Bildungs- und Lernansätze im kleinen Rahmen erproben, um sie danach im Gesamtsystem auszurollen. Ohne sich in einer ersten Phase im Lehrerdienstrecht zu verzetteln. Die Mega Bildungsstiftung fördert beispielsweise schulische und außerschulische Good Practices in der Skalierung mit Geld, Know-how und Bekanntheit. Es braucht mehr Bildungsleuchttürme in unserem Land, die Inspiration und Orientierung für Nachahmer geben.

Zur Person


  • ANDREAS LECHNER, 36, begann beruflich bei den Neos und ist seit 2019 Generalsekretär der MEGA Bildungsstiftung, die von der B&C Privatstiftung und der Familie Zimmermann (Berndorf) gegründet wurde - mit über fünf Millionen Euro für Bildungsinnovationen.
Andreas Salcher, Bildungsexperte, Autor und Unternehmensberater

Schwarze Schwäne, chinesische Fledermäuse, russische Bären

Die unverfügbare Welt: Sind die Pandemie und Putins Überfall auf die …

Der Twitter-Account von Neo-Twitter-Eigentümer Elon Musk, gestartet im Juni 2009

44 Milliarden Gründe für einen letzten Tweet

Milliardär und Tesla-Gründer Elon Musk kauft Twitter und will die …

Trotz Putin: China bleibt der Hauptgegner

An der Stanford University dominiert der Krieg in der Ukraine die …

Andreas Wimmer, Vorstand C-Quadrat

Immobilienfinanzierung: Endgültiger Abschied vom Eigenheim

Die angekündigte Verschärfung der Vergabekriterien für Immobilienkredite …