Hybrides Arbeiten: "Was normal war, ist nicht mehr gut genug"

Der schwierige Part beim hybriden Arbeiten ist, jeder und jedem eine gleichwertige Stimme zu geben, egal, wo sie oder er sich aufhält - meint Hans Greiner, Managing Director von Cisco Austria. Und: Es geht nicht um den Ort. Arbeit ist kein Ort, sondern eine Tätigkeit.

Hans Greiner, Managing Director Cisco Austria

Hans Greiner, Managing Director Cisco Austria

Klar ist, dass die Pandemie die Art, wie wir arbeiten, verändert hat. Wer das nicht erkennt oder nicht erkennen möchte, lebt in einem Luftschloss. Klar ist, dass die letzten eineinhalb Jahre etwas in uns ausgelöst haben. Wie werden wir Alltag, Freizeit und Arbeitsleben künftig gestalten? Wie werden sich Unternehmen organisieren? Klar ist: Was einmal normal war, ist nicht mehr gut genug. Und das ist keine Bedrohung, sondern eine Chance.

Wir haben jetzt die Chance, manches zu verbessern. Bei Cisco entwickeln wir darum bewusst keine reine "Return to Office"-Strategie, weil wir in das Office, das wir vorher gekannt haben, nicht zurückkehren werden. Hybrid Work ist nicht nur ein Buzzword: Die Zukunft des Arbeitens kann damit nachhaltiger und lebenswerter für alle werden.


Versorgung muss künftig nicht nur Wasser und Strom, sondern auch Breitband bedeuten.

Anfang 2020 sind wir fast alle über Nacht in eine neue Arbeitssituation geschlittert - vermeintlich unkontrollierbar und für viele beängstigend. Aber: Es hat überraschend gut geklappt. Laut einer Studie vom Oktober 2020 möchten 87 Prozent der Arbeitnehmer selbst festlegen, wie und wann sie arbeiten - auch wenn die Büros wieder offen sind. Viele Unternehmen suchen gerade nach einer magischen Formel für die Zukunft der Arbeit, aber Hybrid Work kann in vielen Nuancen funktionieren. Es gilt, individuell zu entscheiden, zu experimentieren und positiv in die neue Flexibilität zu starten. Flexibilität im (Arbeits-) Alltag kann nicht zuletzt auch ein Wettbewerbsvorteil im Kampf um Fachkräfte sein -zur besseren Einbindung von Teilzeitkräften oder über den eigenen Standort hinaus. Die Frage ist nicht, wie sich Arbeitnehmer anpassen müssen, sondern was es vom Management braucht, damit hybrides Arbeiten gelingen kann.

Inklusion ist der Schlüssel

Jede und jeder hat eine gleichwertige Stimme, egal, wo sie oder er arbeitet. Drei von fünf Arbeitskräften werden künftig mindestens acht Tage pro Monat zu Hause arbeiten. 98 Prozent aller Meetings werden mindestens eine Remote-Teilnahme haben. So weit, so erwartbar. Der schwierige Part ist, sicherzustellen, dass jede und jeder im Meeting sich gleichermaßen einbezogen fühlt, egal, ob im Büro, im Homeoffice oder im Kaffeehaus gearbeitet wird. Egal, wo Mitarbeiter sind, welche Sprache sie sprechen und -ganz wichtig - wie technikaffin sie sind. Inklusive Arbeitsräume zu schaffen, ist das Um und Auf eines erfolgreichen hybriden Arbeitsmodells.

Künftig muss Versorgung nicht nur Wasser und Strom, sondern auch Breitband bedeuten. Wirtschaft und Regierung müssen gleichermaßen in digitale Infrastruktur investieren. Nicht nur das Homeoffice, auch das Büro muss zukunftsfit werden: Smart Building ist das Gebot der Stunde. Moderne Audio- und Videotools, smarte Sensoren zur Sicherstellung von Social Distancing, intelligente Coworking Spaces: All das spielt eine Rolle, im Büro und an jedem anderen Arbeitsort.

Priorität: Wohlbefinden

Die radikale Veränderung im Arbeitsleben durch Corona hat Positives bewirkt, aber auch Negatives: Einigen Menschen fällt es etwa zu Hause besonders schwer, sich von der Arbeit abzugrenzen. Die Krise ist eine Chance, das Wohlbefinden am Arbeitsplatz zu steigern. Wer gedacht hat, mit der Einrichtung eines Homeoffices sei das Gröbste geschafft, irrt. Jetzt müssen Unternehmen und insbesondere Führungskräfte ihre Verantwortung für ihre Teams umso mehr wahrnehmen und Kommunikation fördern. Es gilt, Feedback zu hören, Strukturen, Prozesse und Kultur anzupassen, damit Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht in ein zwar hybrides, aber starres Arbeitsmodell gezwungen werden. Die Basis dafür ist eine vertrauensvolle Unternehmenskultur, die vom gesamten Team gelebt wird.

Konnektivität und Innovation, Transparenz und Vertrauen setzen Impulse für einen neuen Arbeitsstil. Die Kombination aus Technologie, Kultur und Inklusion wird Hybrid Work steuern. Es geht nicht um den Ort, an dem Menschen arbeiten, sondern um Kommunikationswege. Denn Arbeit ist kein Ort, sondern eine Tätigkeit: Diese Denkweise sorgt letztlich auch für Resilienz im Unternehmen -u m die nächste Krise zu meistern.


Zur Person

HANS GREINER ist seit 2019 Managing Director von Cisco Austria. Er leitet zudem Cisco in Kroatien und Slowenien. Der gebürtige Niederösterreicher studierte Wirtschaft an der Universität Wien und machte einen MBA an der Universität Edinburgh.

Simon Arne Manner

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