Hans Roth: Recycling ist mehr als Pfand auf Plastikflaschen

Kunststoffrecycling in Österreich muss bis 2025 auf 150.000 Tonnen pro Jahr verdoppelt werden. Aber anstatt über Lösungen zu diskutieren, reduziert sich die öffentliche Diskussion auf eine Frage: Plastikpfand: JA oder NEIN?

Hans Roth: Recycling ist mehr als Pfand auf Plastikflaschen

Österreich kann auf beachtliche Sammelquoten bei Papier, Glas, Metalle oder Holz stolz sein. Wir erreichen im europäischen Vergleich Spitzenwerte und schon jetzt die EU-Recyclingziele bei diesen Wertstoffen. Im Gegensatz dazu müssen wir bis 2025 das Kunststoffrecycling von derzeit 78.000 auf 150.000 Tonnen pro Jahr verdoppeln, um die EU-Quote von 50 Prozent zu erreichen - sonst drohen Strafzahlungen.

Kunststoff wird uns auch in Zukunft begleiten. Er ist leicht formbar, bruchfest, beständig und leichter als Glas oder Metall - und deshalb überaus beliebt. Das Recyceln von Kunststoffabfall übernehmen in Österreich 38 hochmoderne Kunststoffverwertungsanlagen , wo er zerkleinert, gereinigt, nach Sorten getrennt, geschmolzen und als Kunststoffgranulat aufbereitet wird. Dieses Rezyklat wird dann in Industrie und Produktion wieder eingesetzt. Kunststoffrecycling ist mehr als ein Pfand auf Plastikflaschen.

Wie steigern wir nun das Kunststoffrecycling? Unsere Branche ist sich einig: Wir müssen mehr Kunststoffabfall sortenrein sammeln, recyceln und das daraus entstehende Rezyklat sinnvoll einsetzen. Aber anstatt über Lösungen zu diskutieren, die entlang der gesamten Wertschöpfungskette notwendig wären, reduziert sich die öffentliche Diskussion auf eine einzige Frage: Pfand auf Plastikflaschen: ja oder nein?


Ein neues Einwegpfandsystem für Plastikflaschen sehen wir Entsorger kritisch.

Ein Pfand auf Mehrwegflaschen, die wieder befüllt werden, ist sinnvoll, diese setzen sich auch im Handel zunehmend durch. Ein neues Einweg-Pfandsystem auf PET-Flaschen sehen wir kritisch: Es ist teuer für den Handel, kompliziert für den Konsumenten - und vor allem nicht zielführend, denn in drei Bundesländern wird die erforderliche PET-Sammelquote bereits jetzt erreicht.

Zwei Maßnahmen würden deutlich mehr bringen. Erstens: die getrennte Sammlung ausbauen, um die 250.000 Tonnen Kunststoffe, die jedes Jahr im Restmüll landen, zu verwerten. Weitere 200.000 Tonnen Papier, 70.000 Tonnen Glas und 67.000 Tonnen Metalle werden ebenfalls nicht getrennt entsorgt. Diese 600.000 Tonnen Wertstoffe müssen wir vom Restmüll trennen - durch wirksame Kampagnen oder digitale Innovationen wie den Wertstoffscanner.

Hier bekommt jeder Haushalt direkt auf sein Smartphone Rückmeldung über die Qualität seiner Mülltrennung. Dadurch reduzieren sich die Wertstoffe im Restmüll um bis zu 50 Prozent. Theoretisch könnten wir so die 250.000 Tonnen Kunststoffe, die im Restmüll sind, aussortieren - und das EU-Kunststoffrecyclingziel problemlos erreichen!

Zweitens muss die gesamte Wertschöpfungskette des Kunststoffrecyclings optimiert werden. So sollte bereits das Design von Produkten das Recycling der verwendeten Kunststoffe im Auge haben. Derzeit besteht die Folienverpackung von Fleisch aus mehreren Schichten, die getrennt gesammelt werden sollten - was de facto nicht möglich ist. Auch macht mehr Kunststoffrecycling wirtschaftlich nur Sinn, wenn es für das daraus entstehende Produkt auch einen verpflichtenden Absatzmarkt gibt.

Der Plastikpakt

Erst vor kurzem haben sich über 90 Länder und Organisation im "Europäischen Plastikpakt" dazu verpflichtet, dass Unternehmen mindestens 30 Prozent Recyclingplastik verwenden sollen. Leider war Österreich nicht unter den Unterzeichnern, hierzulande werden derzeit nur zwölf Prozent der Kunststoffproduktion durch Rezyklate gedeckt. Auch der Verband Österreichischer Entsorgungsbetriebe unterstützt eine verpflichtende Einsatzquote von mindestens 30 Prozent.

Wir müssen das EU-Ziel für Kunststoffrecycling gesamtheitlich, wirtschaftlich und vor allem ökologisch betrachten. Die Politik muss sich entscheiden, welcher Weg eingeschlagen werden soll, sonst wird es für die österreichische Abfall- und Ressourcenwirtschaft immer schwieriger, zu planen, zu investieren und zukünftige Herausforderungen zu meistern. Die Branche ist wie in der Vergangenheit bereit, diese Aufgabe zum Wohle der Ökologie gemeinsam zu lösen.


Zum Autor

Hans Roth ist Chef von Saubermacher und Präsident des Verbands Österreichischer Entsorgungsbetriebe.



Andreas Lampl, Chefredakteur trend

"Wohlstandswehleidigkeit": Jammern auf (zu) hohem Niveau

Wir werden letztlich mit deutlich teurerem Gas zurande kommen. Wenn sich …

Die Unvereinigten Staaten von Amerika

Der Wiener Wirtschaftsanwalt Robin Lumsden verhandelt in Kalifornien …

Der Bundespräsident nutzt seine Rolle als beliebtester der Unbeliebten und las der Regierung bei der Eröffnung der Bregenzer Festspiele die Leviten.

Die Sündenbock-Wahl [Politik Backstage]

Vor allem die FPÖ will Van der Bellens Wiederwahl zu einem Probegalopp …

Rechtsanwältin Katharina Körber-Risak

Viertagewoche auch bei uns - warum nicht?

Ein Pilotversuch in Großbritannien lässt aufhorchen - es geht um die …