Grüner Populismus - Kuscheln ist zu wenig

Oliver Judex, stellvertretender Chefredakteur trend

Oliver Judex - stellvertretender Chefredakteur trend

Kommentar von Oliver Judex über einen fatalen Denkfehler der grünen Führung.

2017 kann entscheidend sein. Wer wird dem Rechtspopulismus der FPÖ genügend entgegensetzen? Nach der Selbstzerfleischung der Regierungsparteien fast ein Selbstläufer für die Grünen. Doch die Partei ist uneins. Während der Altvordere Peter Pilz einen linkspopulistischen Kurs fordert, will Chefin Eva Glawischnig von Populismus nichts wissen.

Es ginge vielmehr darum, sich weiter zu öffnen, zu verbreitern, mit sachorientierter Politik zu punkten - mit einem Wort: das Übliche. Mit dem einen Unterschied, dass sie sich durch den Wahlsieg des Antipopulisten Van der Bellen bestätigt fühlt, den sie wohl als Sieg der Grünen empfindet, wenn sie von der "erfolgreichsten Phase in der Geschichte der Grünen" spricht.

Mit Verlaub: Das ist eine Fehleinschätzung. Selbst nach dem Sieg der One-Man-Show VdB grundeln die Grünen unverändert bei zwölf Prozent herum (Wahl 2013: 12,4 Prozent). Mit einem unauffälligen Kuschelkurs à la Glawischnig wird sich daran auch nichts ändern.

Was fehlt, sind nicht nur wirtschaftspolitische Lösungen abseits von Integration und Drogenlegalisierung, sondern vor allem ein Kommunikationskonzept. Wenn die Partei künftig mitmischen will, wird sie nicht umhin kommen, prononcierter aufzutreten, auffallender, nachdrücklicher - und auch populistischer, sofern damit die ursprüngliche Bedeutung, nämlich die Inszenierung von Inhalten, gemeint ist.

Die Angst davor ist unbegründet. Die Geburtsstunde der Grünen konnte populistischer nicht sein: von der Besetzung der Hainburger Au bis zum Hirschgeweih auf dem Kopf von Günther Nenning. Das war zumindest eine Politik, die in aller Munde war.

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