Raucherentwöhnung und Sanierung - ein Zusammenhang

Alois Czipin, Gründer "Czipin Produktivitätssteigerungs-GmbH"

Alois Czipin - Consulter

Gastbeitrag von Unternehmensberater Alois Czipin: Wie der schwierige Prozess der Raucherentwöhnung mit der Sanierung von Unternehmen zusammenhängt.

Ich gestehe: Ich war schwerer Raucher! Das Tagespensum belief sich am Höhepunkt meiner "Karriere" auf täglich 40 bis 60 Zigaretten!

Und das kam so: Im zarten Alter von 15 Jahren wollte ich unbedingt schon erwachsen wirken. Ich bewunderte in der Schule die älteren Jahrgänge mit den Insignien ihren Coolheit - den Zigaretten! Ich stellte mich also dazu und begann, selbst zu rauchen. Die Pausen verbrachte ich ab da im sogenannten Raucherkammerl - und genoss die Zugehörigkeit zu der coolen Gang.

Jahre später begannen meine "goldenen Raucherjahre". Ich startete 1978 als Unternehmensberater mit sehr vielen Geschäftsreisen. Im Gegensatz zu heute konnte man überall rauchen: im Flugzeug, im Zug, im Büro, in jedem Auto - heute unvorstellbar. Und ich nutzte alle Möglichkeiten, damit stieg auch der Zigarettenkonsum!

Alles lief problemlos, wenn sich nicht nach und nach in der Früh Kopfschmerzen eingestellt hätten. Ich ignorierte diese zunächst, aber mit der Zeit litt ich immer öfter darunter. So begann ich, mit dem Gedanken zu spielen, das Rauchen aufzugeben. Ich schränkte das Rauchen über das Wochenende stark ein, aber sobald der normale Alltagsstress ausbrach, war ich wieder bei meinen 40 bis 60 Zigaretten pro Tag. Und die Kopfschmerzen blieben!

Dann kam der 25.10.1994: Ein junger Journalist des Magazins "Die Wochenpresse" ist angesagt. Er will mich als Unternehmensberater interviewen. Dazu lade ich ihn in mein Haus in Salzburg ein. Er ist wie ich ein begeisterter Raucher, was dazu führt, dass wir uns im Zuge des Interviews eine wahre "Rauchschlacht" liefern. Am Ende des Abends sind einige Packungen Zigaretten vernichtet.


Ich beschließe mit rauchen aufzuhören, brauche aber Begleitung.

Der 26.10.1994 ist Staatsfeiertag und damit frei. Ich werde spät munter und wieder einmal plagen mich furchtbare Kopfschmerzen! Nach dem Frühstück lässt mich der Gedanke "genug ist genug" nicht mehr los. Ich fasse den Entschluss, mit dem Rauchen aufzuhören. Ich weiß auch, dass ich für diese große Veränderung einen Begleiter (= Berater) brauche. Also kontaktiere ich einen befreundeten Arzt und bitte ihn, mich zu begleiten. Er gibt mir einen wichtigen Ratschlag auf den Weg mit:"Nimm dir nicht vor, nie wieder zu rauchen! Sage dir: Heute rauche ich nicht, die nächste Stunde oder die nächste Minute rauche ich nicht!" Es ist hart für mich, aber es gelingt mir mit viel Disziplin und wöchentlichen Treffen mit meinem Arzt. Bis heute habe ich keine einzige Zigarette mehr geraucht!

Vor zwei Jahren habe ich ein Mandat bei einem Industrieunternehmen übernommen. Das Unternehmen war in einer prekären Schieflage und litt ganz einfach unter zu hohen Kosten. Und das kam so: Der CEO war vor einigen Jahren, aus dem Controlling kommend, zum Geschäftsführer aufgestiegen. Dem Unternehmen ging es gut, und er war sehr stolz, viele Mitarbeiter unter sich zu haben. So wurden mehr Leute als notwendig aufgenommen. Der CEO fühlte sich pudelwohl in dieser Rolle.

Die Kopfschmerzen kamen nach und nach, als sich die Ergebnisse Jahr für Jahr verschlechterten. Der "25. Oktober" für diesen CEO fiel auf den 7.11. 2014: In einer langen Besprechung wurde offenbar, dass das Jahresergebnis katastrophal schlecht ausfallen würde. Am nächsten Morgen geht es dem CEO sehr schlecht. In seinem Kopf setzt sich der Gedanke fest: "Genug ist genug!" Er trifft den Entschluss, tiefgreifende Veränderungen einzuleiten. Als Begleiter engagiert er ein Team unter meiner Führung.

Zu Beginn der Zusammenarbeit treffen wir uns, um Grundregeln zu fixieren:

  • Grundregel 1: Der CEO selbst übernimmt die Verantwortung für das Projekt.
  • Grundregel 2: Wir treffen uns jede Woche am Montag um 7.30, um den Fortschritt abzugleichen und mit frischer Energie die Woche zu beginnen.
  • Grundregel 3: Einmal getroffene Entscheidungen werden auch umgesetzt.

Der CEO nimmt gleich vieles in die eigene Hand und beginnt, erste personelle Entscheidungen zu treffen. Dies wiederum löst Handlungsdruck auf der nächsten Ebene aus, woraufhin auch die Manager dort und andere Führungskräfte dem Beispiel folgen.

Bereits im Jahr eins nach diesem Projekt werden wieder schwarze Zahlen geschrieben.

Und welchen wichtigen Ratschlag gab ich in diesem Fall? "Lassen Sie sich ab sofort jede einzelne Neueinstellung vorlegen! Denn sind die Mitarbeiter einmal da, so ist es wesentlich schwieriger und unangenehmer, sie wieder abzubauen!"

Ich war erst kürzlich wieder zu Besuch. Und siehe da: Die Wirkung hat sich noch verstärkt!

Zur Person

ALOIS CZIPIN , Consulter mit dem Schwerpunkt Produktivität, teilt in der trend-Serie "BusinessCLASS" seine Erfahrungen in Unternehmen. Sie können daraus schlauer werden!

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