Feiges Denken, fades Gewäsch

Helmut A. Gansterer

Helmut A. Gansterer

Zwei Grundleiden unserer schwachen Zeit, die aber nicht unheilbar sind. Und: In Österreich sind es nur wenige Vollidioten. Aber sie färben wie ein Tropfen Tinte das Quellwasser.

ES GIBT DIESE THESE

, Politiker seien idealerweise die Dirigenten eines Volkes. Man wähle sie zunächst nach leidlicher Intelligenz. Dann nach ihrer Fähigkeit, das Leben als eine Symphonie zu begreifen, die komplexer ist als Gustav Mahlers zweite. Man verlange also einen Blick fürs Ganze, dazu Augenmaß im Einzelnen, weiters Taktgefühl und entschlossene Stabführung.

Zu guter Letzt wäre noch Anständigkeit angenehm (ein Fremdwort, übersetzt aus dem muttersprachlichen Wort "Ethik") und ein "gewisses Etwas". Dieses ist undefinierbar, hat aber viel mit persönlicher Glaubwürdigkeit zu tun. Und damit einer Lizenz zur Autorität, dem bequemen Volk auch Unbequemes aufzubürden, wenn dies geboten ist.

Das ist in Summe viel verlangt. Zu viel für einen Sterblichen. Weshalb es keinen idealen Politiker gab und gibt. Schon gar nicht unter den sogenannten "Charismatikern". Diese, mit Show-Talent begabt, entzücken schnell und fallen noch schneller in die Hybris der Selbstvergötterung.

Das ist allerdings nicht unser Hauptproblem. Keinem der heutigen Parteichefs und Minister wird man Charisma vorwerfen. Es ist auch gar nicht sicher, dass die Spitzenpolitiker das größte Übel sind. Man stellte sie immer als Dirigenten auf ein Podest. Früher zu dem sinnvollen Zweck, ihnen einen besseren Überblick über das Orchester (ihre Hilfspolitiker als Bläser und Streichler) und das Auditorium (das Volk) zu schenken. Heute, um sie mit faulen Eiern besser treffen zu können.

Die Guten werden so wie die Schlechten beworfen. Auch von den Medien. Ein generelles "politicians-bashing" ist angesagt. Das entwertet jene Politiker, die sich Mühe geben und manches weiterbringen. Und entmutigt die besten unter den nachrückenden Jungen, ihre politische Laufbahn fortzusetzen.

KEINE UNTERSCHIEDE ZU MACHEN

ist das Kainsmal einer schwachen Zeit und ihrer schwachen Gesellschaft. Wir sind in 70 Jahren Frieden und Wohlstand dekadent geworden. Dekadenz zeigt sich in blassem Denken und vagem Gewäsch. Dieses in einer Sehnsucht nach künstlicher Harmonie. Und nach einer erträumten Gleichheit von allen, die weder in der christlichen Schöpfungsgeschichte noch bei Charles Darwin, ihrem Erzfeind, geschrieben steht.

Von der französischen Revolution 1789 blieben liberté (Toleranz) und fraternité (Brüderlichkeit) als realistische Traumziele. Das Ideal der Gleichheit (egalité) aber zerbröselte schon in den Händen der Revoluzzer. Und dort, wo sie später zum Sozialismus, Kommunismus und Marxismus fortentwickelt wurde, brachte sie Elend. Sie brachte Gleichheit nur als "Armut für alle". Erst vor 27 Jahren wurde dieser Versuch in Europa abgebrochen.

EINE GUTE ZUKUNFT

braucht neues, klares Denken und gutes Reden ohne das giftige Wort Gleichheit. Sie braucht eine wiedergewonnene Tapferkeit der Unterscheidung. Sie braucht unsentimentale Rangordnungen. Obwohl diese jedem zugleich denkenden und fühlenden Menschen gegen den Strich gehen. Sie könnten skizzenhaft wie folgt aussehen.

Rang 1: Wohlstand.

Nach allem, was wir aus der Vergangenheit lernten, ist Wohlstand für alle der einzige Garant für sozialen Frieden. Und gleichzeitig für Kriegsverzicht, da alle letzten Weltkriege auf Not gründeten.

Rang 2: Die privaten Unternehmer.

Wohlstand ist ausnahmslos mit ihnen zu machen. Auch wenn sie merkwürdige Menschen sind. Sie wollen mit totalem Existenzrisiko ihre technischen und kaufmännischen Ideen verwirklichen, nachher besser dastehen als alle anderen und dafür bewundert werden. Eine kluge Gesellschaft trägt dazu bei -und meuchelt im Hintergrund alle Neider und Haxlsteller.

Rang 3: Die neuen Politiker.

Sie akzeptieren den Vorrang von Wohlstand und Unternehmertum. Zusätzlich sorgen sie umsichtig für eine Verteilung des Wohlstands, die weder die Unternehmer demotiviert noch die Ärmsten im Stich lässt.

Rang 4: Die Ethik-Kommission.

Nicht groß, nicht teuer, nur streng. Gedacht künftig gegen die wenigen Idioten unter den Privatunternehmern. Die trotz der empfohlenen Verwöhnung keinen Charakter zeigen. Die alte Werte wie Handschlag verlachen. Die Kunden nach Bezahlung kein Service mehr bieten. Die ihre Steuern ins Ausland transferieren. Die trotz aller Förderungen den Standort verlassen. Die Lehrlinge nicht ausbilden, sondern um Wurstsemmeln schicken. Und sich dabei noch gut vorkommen - viel klüger als die Anständigen.

In Österreich sind es nur wenige Vollidioten. Aber sie färben wie ein Tropfen Tinte das Quellwasser. Sie gefährden das Standort-Image, das 200.000 erfolgreiche, teils weltmeisterliche KMU schufen. Man sollte sie mit Hilfe der Ethik-Kommission, in der emeritierte Unternehmer urteilen, abschütteln wie der elegante Windhund den Zeck.

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