Einmal Weltmeister! Corona machte es möglich

Kommentar von trend-Chefredakteur Andreas Lampl zur misslichen Lge in der Corona-Pandemie: Entweder waren wir das dämlichste Volk der Welt oder das politische Management hat kläglich versagt. Eine andere Erklärung gibt es nicht.

trend-Chefredakteur Andreas Lampl

trend-Chefredakteur Andreas Lampl

Entweder waren wir das dämlichste Volk der Welt oder das politische Management hat kläglich versagt. Eine andere Erklärung gibt es nicht.

In den Bergen scheint seit Wochen fast durchgehend die Sonne. Es liegt Schnee. Ideale Bedingungen eigentlich, um aufkeimende Herbstdepressionen, die in diesem Jahr besonders häufig auftreten, von guter Gipfelluft vertreiben zu lassen. Aber die meisten von uns sitzen gelockdownt in den Niederungen fest. Selber schuld? Ja, auch. Stichwort: Garagenpartys und so. Ein gewisser Schlendrian im Umgang mit dem Virus während der Sommermonate ist nicht zu bestreiten. Aber gleich bis auf die höchsten Infektionsraten der Welt? Waren wir wirklich das weltweit dämlichste Volk? Offenbar ja. Nachdem die politischen Führungskräfte im Staat bei sich keine Fehler erkennen können, bleibt gar keine andere Erklärung.


Weil's eh schon wurscht ist, könnte man es damit gut sein lassen. So, wie sich die Zahlen entwickelt haben, bleibt sowieso keine Alternative zu harten Maßnahmen. Die bevorstehende Wintersaison, ein Kerngeschäft der heimischen Wirtschaft und eine tragende Säule des Österreich-Bildes im Ausland, ist mehr oder weniger zu vergessen. "Hätt ma, war ma " hilft nichts mehr. Aber die Selbstzufriedenheit der politischen Verantwortungsträger, die keine Verantwortung tragen wollen, ist schwer erträglich und verlangt trotzdem noch nach Aufarbeitung.

Vor allem, weil versucht wird, das grandiose Scheitern im Corona-Management mit dem Fingerzeig auf die Disziplinlosigkeit der Bevölkerung zu überdecken. Die gab und gibt es auch. Aber in Wahrheit hat nur die Eigenverantwortung der Mehrheit der Bürger noch Schlimmeres verhindert, während die öffentliche Hand im Nebel stocherte. Inzwischen kennt jeder jemanden, der infiziert war (oder ist), ohne dass sich irgendeine Behörde für seine Kontakte interessiert hätte. Solange sich die Zahlen noch einigermaßen in Grenzen hielten, hätte die Ausbreitung des Virus durch konsequente Separierung, rasches und breitflächiges Testen begrenzt werden können. Nichts davon passierte. Bis zu 14 Tage konnte die Ausstellung eines Bescheides dauern.

Wenigstens müssen wir uns von der Regierung nicht mehr dauernd anhören, dass Österreich besser als die anderen durch die Krise kommt, was schon ohne Seitenhiebe der ÖVP auf sozialistisch regierte Staaten absolut entbehrlich gewesen wäre. Jetzt lautet die geändert Parole: Die anderen sind auch nicht besser! Was erstens längst nicht für alle stimmt und zweitens elegant ausspart, dass wir immer noch zu den Allerschlechtesten zählen. Auch wenn die Infektionszahlen nun langsam zurückgehen, ändert sich nichts daran, dass die Folgen des Desasters noch lange nachwirken werden.

Sah es beim ersten Lockdown noch nach konsequentem Handeln der Regierung aus, stellte sich rasch heraus, dass die staatliche Logistik offensichtlich nur zur Überwachung von Ausgangsbeschränkungen reicht. Und niemand in der Politik ist sich irgendeiner Schuld bewusst. Das ist das Ärgerlichste.

Im besten Fall wird Verantwortung hin und her geschoben. Die Regierung wirft -teils offen, teils versteckt -den Ländern vor, zu langsam gearbeitet und die Sache verbockt zu haben. Dort wird der Ball zurückgespielt: Man sei eben in Entscheidungen, für die man die Verantwortung hätte übernehmen sollen, nur peripher eingebunden worden. Was vor allem in SPÖ-dominierten Ländern auch einen wahren Kern hat, weil die ÖVP-Spitze das Chaos gleich noch für parteipolitische Spielchen nutzte. Mit dem Murren über Sinn und Machbarkeit der vom Kanzler verordneten Massentests geht's in der gleichen Tonart weiter. Corona-Generalmanager oder eine Art von Erfolgskontrolle? Fehlanzeige.

Das Ergebnis: Ampel tot, Corona-App tot, Schulen geschlossen!

Warum erstmals im Oktober jemand auf die Idee gekommen ist, dass man die Corona-Hotline 1450 wenigstens teilweise durch eine Onlineplattform unterstützen könnte, und der Gesundheitsminister erstmals im November von umfassenden Digitalisierungsschritten redet, versteht niemand - zumal etwa die Wirtschaftskammer schon seit Sommer darauf pocht, dass die Technologie vorhanden und rasch zu implementieren wäre. Es wird wohl daran liegen, dass Politiker, die Fehler nicht eingestehen, sondern bestreiten, sie auch nicht beheben können.

Bleibt nur noch zu hoffen, dass die Regierung wenigstens die Impflogistik auf die Reihe kriegt. Dann können wir vielleicht noch die Frühlingssonne in den Bergen genießen.



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