Downturn: Das süße Gift der Hochkonjunktur

Stefan Roeske

Stefan Roeske

SERIE MANAGEMENT COMMENTARY: Gastbeitrag von Stefan Roeske, Horváth & Partners Management Consultants: "Die Hochkonjunktur überdeckt oft Missstände in Unternehmen."

In der Serie "Management Commentary" bringt trend.at in Kooperation mit der Unternehmensberatung Horváth & Partners folgende Beiträge:


Downturn: Das süße Gift der Hochkonjunktur

Die Hochkonjunktur ist wie süßes Gift: Sie überdeckt oft Missstände in Unternehmen. Gewinne sprudeln, und den Mitarbeitern und Eigentümern geht es gut. Doch genau dann müssen die richtigen Maßnahmen getroffen werden und Frühwarnsysteme für den Abschwung installiert werden.

Volle Datentransparenz über interne Ertrags- und Leistungskennzahlen sowie deren richtige Aufbereitung sind die Grundlage für gute Frühwarnsysteme, angereichert durch externe Analysen & Prognosen diverser Wirtschaftsforschungsinstitute. Erfolgreiche Unternehmen greifen zudem auf „Predictive Analysis“-Methoden zurück, um höhere Prognosewahrscheinlichkeiten zu erzielen.

Horváth & Partners hat so etwa für einen Wellpappe-Produzenten ein datenbasiertes Frühwarnsystem entwickelt, mit dem die Marktpreise treffsicher bis zu zwei Monate in die Zukunft prognostiziert werden können. So ist das Unternehmen nunmehr besser als jeder Wettbewerber in der Lage, die Nachfrage seiner Kunden abzuschätzen und entsprechende Maßnahmen frühzeitig einzuleiten.

Gerade in guten Zeiten muss man sein Geschäftsmodell fit für den Abschwung machen – z.B. durch Innovationsinitiativen, strategische Partnerschaften oder neue Vertriebskanäle. Unternehmen, die das Zusammenspiel von internen & externen Daten und ihren Abhängigkeiten richtig verstehen, erkennen so weit früher als andere, wann die nächste Krise einsetzt.

Doch was genau macht eigentlich eine Krise aus? Im Unternehmensalltag wird sie erst wahrgenommen, wenn der wirtschaftliche Erfolg ausbleibt – z.B. durch Einbruch der Kundennachfrage oder negative Rentabilität. Eine Krise baut sich jedoch schon viel früher auf: Unternehmen durchlaufen während einer Krise oft mehrere Phasen (siehe Abbildung). Während der Handlungsdruck im Verlauf der Krise steigt, sinken die Handlungsmöglichkeiten, und am Ende einer „unbehandelten“ Krise steht im schlimmsten Fall die Insolvenz.

Eine Krise baut sich auf: Die sechs Phasen einer Unternehmenskrise. Für eine vergrößerte Darstellung bitte auf die Abbildung klicken.

Sei es durch einen konjunkturellen Abschwung oder durch interne Defizite – es kommt jedenfalls zu Situationen, in denen Unternehmen Kosten senken müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Kostensenkungsprogramme müssen dabei allerdings nachhaltig sein, um nicht zu verpuffen. Dazu gehört die perfekte Verzahnung mit der Unternehmensstrategie, die Integration von Mitarbeitern und Führungskräften schon in der Konzeptionsphase und die konsequente Umsetzung der Maßnahmen.

Fazit: Der nächste Abschwung (Downturn ) kommt wie das Amen im Gebet. Er trifft auch gut etablierte Unternehmen und erfolgsverwöhnte Manager. Wer die ersten Alarmsignale frühzeitig registriert und handelt, hat bessere Aussichten, die nächste Krise unbeschadet zu überstehen.


E-Mail an den Autor

Kommentar
Peter Pelinka

Standpunkte

Kern geht, doch die Kernfragen bleiben

Kommentar
trend-Chefredakteur Andreas Lampl

Standpunkte

Klassenkampferl gegen den Zwölf-Stunden-Tag

Kommentar
Oliver Greiner, Strategieberater bei Horváth & Partners.

Standpunkte

Touchdown: Wie Unternehmen unschlagbar werden