Digitales Österreich – quo vadis?

Achim Kaspar, General Manager Cisco Austria

Achim Kaspar, General Manager Cisco Austria

Das World Economic Forum (WEF) hat jüngst seinen globalen Wettbewerbs-Report – The Global Competitiveness Report – veröffentlicht. Österreich befindet sich auf Platz 18 von 137 Ländern weltweit: auf den ersten Blick ein recht gutes Ergebnis – aber nicht gut genug für ein europäisches Hochlohn-Industrieland, das seinen Wohlstand langfristig sichern will.

Ein zentraler Wettbewerbsfaktor ist die Digitalisierung, und darüber herrscht allgemein Verunsicherung. Der Begriff wird sehr ambivalent aufgefasst: Auf der einen Seite steht er für die Vierte Industrielle Revolution, die beispiellose Chancen in sich birgt. Auf der anderen Seite sind Ängste damit verbunden – insbesondere vor Disruption, also der Zerstörung von traditionellen Geschäftsmodellen, Branchen oder gar gesamten Märkten und dem Einfluss auf Arbeitsplätze. Was bleibt, ist ein Nebel der Ungewissheit, was Digitalisierung, Internet of Things (IoT) oder Industrie 4.0 wirklich bedeuten – für das Land, für die Wirtschaft, für die Menschen selbst.

Aufholbedarf, aber gute Voraussetzungen für Verbesserung

Das Weltwirtschaftsforum (WEF) hat in seinem globalen Wettbewerbs-Report – The Global Competitiveness Report - den Grad der Wettbewerbsfähigkeit von 137 Ländern bewertet und sie in einem Ranking gelistet. Österreich liegt auf Platz 18 und konnte gegenüber dem Vorjahr wieder einen Platz gut machen (2016: Platz 19, 2015: Platz 23). Unangefochten an der Spitze ist weiterhin die Schweiz, vor den USA und Singapur; Deutschland belegt Platz 5 hinter den Niederlanden.

Der Wirtschaftsreport des WEF legt nahe, dass Wirtschaftswachstum und Wohlstand eines Landes von der Innovationsstärke abhängen und diese wiederum vom Grad der Digitalisierung. Im Bereich Technologie belegt Österreich Platz 17 und bei Innovation den guten Platz 13: positive Voraussetzungen, um die Innovation in Österreich voranzutreiben und den Wirtschaftsstandort Österreich zu sichern.

Das klingt im ersten Moment natürlich sehr erfreulich. Bei näherer Betrachtung der Details weisen wir dennoch in einigen Bereichen großen Aufholbedarf auf: Etwa bei der Bereitstellung von Breitband-Internet, eine zentrale Voraussetzung für die Digitalisierung, liegen wir nur auf Platz 33. Was die Nutzung von fortschrittlichen Technologieprodukten im öffentlichen Dienst betrifft, ist Österreich weit abgeschlagen auf Platz 67 – hier ist noch ein hohes Optimierungspotenzial vorhanden.

Technologien werden immer intelligenter

Die Digitalisierung findet bereits seit Jahren statt und es gibt bereits viele umgesetzte Projekte, auch in Österreich, wie „intelligente“ Straßenbahnen in Linz oder die virtuelle Teilnahme am Schulunterricht für schwerkranke Kinder in Wien. Der Einsatz neuer Technologien zeichnet sich jetzt schon ab: Künstliche Intelligenz, Machine Learning sowie Augmented und Virtual Reality sind die neuen Schlagworte der digitalen Trends. Aber auch bei bewehrten Technologien, wie zum Beispiel bei Netzwerken oder Rechenzentren brauchen wir völlig neue Ansätze. Denn das Netzwerk war noch nie so wichtig wie heute, aber es stand auch noch nie so unter Druck.

Im Jahr 2020 sollen weltweit jede Stunde eine Million neue Geräte angeschlossen werden. Cybersicherheit ist dabei ein Schlüsselpunkt. Da brauchen wir Systeme, die sich durch Machine Learning anpassen und intuitiv reagieren. Das klingt utopisch, ist es aber nicht. Das Prinzip ist einfach: Das System lernt, welches Verhalten bzw. welche Datenströme normal sind, und erkennt in der Folge Abweichungen von diesem Muster. Im Bereich der IT-Sicherheit befinden wir uns noch in einer Phase, in der die technologische Entwicklung und die damit einhergehende Regulierung eine Balance finden muss, damit Innovation stattfinden kann und nicht behindert wird.

Knackpunkt Bildung

Darüber hinaus sind jetzt – und zwar rasch – die Weichen für die Integration der IT in der Bildung zu stellen. Neue Berufsbilder werden traditionelle ersetzen bzw. zusätzliche IT-Kenntnisse erforderlich machen, doch es tun sich viele neue Jobprofile auf. Schon seit Jahren kämpfen wir in Österreich, aber auch weltweit mit einem IT-Fachkräfte-Mangel. Hier muss sich endlich etwas bewegen. Die Politik hat zwar die Notwendigkeit erkannt und setzt derzeit viele Maßnahmen, um den Umgang mit IT an Bildungseinrichtungen zu etablieren. Jedoch müsste dies rascher und flächendeckend erfolgen, damit in Österreich qualifizierte Arbeitskräfte zur Verfügung stehen.

Beste Voraussetzungen, jedoch noch Luft nach oben

Die Verbesserung im Wettbewerbsranking ist erfreulich. Jedoch kommt Österreich seit Jahren kaum vom Fleck und hat noch deutlich Luft nach oben. Wir müssen die Potenziale nutzen, um unsere Position weiter halten bzw. ausbauen zu können. Es wird wohl noch etwas Zeit ins Land gehen müssen, bis die digitale Transformation in wirklich jedem Sektor angekommen ist und wir unser Potenzial im Rahmen der Digitalisierung voll entfalten. Jetzt ist die Zeit, um zur Tat zu schreiten – und zwar in Form von funktionierenden Digitalisierungsprojekten.


Global Competitiveness Report

Klaus Schwab, World Economic Forum: Global Competitiveness Report 2017–2018, Genf 2017

Der Autor

Achim Kaspar, Jahrgang 1965, ist seit 2008 General Manager von Cisco Austria, der österreichischen Niederlassung des weltweit führenden Technologieunternehmens Cisco, sowie von Cisco Kroatien und Slowenien. Er war mehrere Jahre Präsident des Verbandes der alternativen Telekomprovider Österreichs (VAT) und ist Herausgeber mehrerer Fachbücher im Bereich Telekommunikation.

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