Deutsche Bank: Game over!

Marc Friedrich (li) und Matthias Weik

Marc Friedrich (li) und Matthias Weik

"Die Deutsche Bank befindet sich im Endspiel und steht vor dem Aus. Das wird ein Game Changer sein", befinden die Ökonomen und Bestseller-Autoren Marc Friedrich und Matthias Weik. Ihr Gastbeitrag ist ein aktualisierter Text aus ihrem jüngsten Buch "Kapitalfehler - wie unser Wohlstand vernichtet wird und warum wir ein neues Wirtschaftsdenken brauchen".

Die Deutsche Bank steht vor dem Ruin. Sie hat so viele Fehler gemacht, dass ihr Modell sich überlebt hat. Mittlerweile ist es nicht mehr zu leugnen - das Wasser steht ihr bis zum Hals. Das US-Justizministerium fordert in einem ersten Vergleichsvorschlag im Streit um windige Hypothekengeschäfte vor der Finanzkrise 2008 eine Strafe in Höhe von 14 Milliarden Dollar (rund 12,5 Mrd. Euro) - ein Riesenbatzen Geld. Die Rückstellungen der Bank in Höhe von 5,5 Milliarden Euro werden da kaum ausreichen.

Selbst wenn diese Strafzahlung auf 5,4 Milliarden Dollar reduziert werden würde, wäre die Kasse schon recht knapp. Die Bank hat unter den "systemrelevanten" europäischen Banken eine der schwächsten Kapitalpositionen und die meisten Derivate. Schon im Sommer hat die DB einen unrühmlichen Titel gewonnen: das global gefährlichste Geldinstitut im Kontext systemischer Risiken, urteilt der IWF.

Wie konnte es so weit kommen, dass ein Bankhaus, das einst für Solidität und Seriosität und für den ehrbaren deutschen Bankkaufmann stand, vor den Trümmern seiner Existenz steht? Das ist der Beweis dafür, dass man doch nicht unbegrenzt Geld mit Geld verdienen kann; dass Investmentbanking ein Geldhaus nicht nur in luftige Höhen, sondern auch auf den harten Boden der Tatsachen befördern kann. Und schließlich ist das Auf und Ab des deutschen Branchenprimus ein Beleg dafür, dass langjähriger Lug und Trug keine Basis für ein nachhaltiges Geschäftsmodell sind. Mit einer Bilanzsumme von etwa 1.600 Milliarden Euro schafft sie es derzeit nicht einmal mehr unter die Top Ten der internationalen Großbanken.

Über 8.000 Prozesse und 180 aufsichtsrechtliche Verfahren werden gegen die DB geführt. Von betrügerischen Einzelfällen kann also keinesfalls mehr die Rede sein. Zahlreiche Urteile sind gesprochen, Vergleiche wurden geschlossen, in anderen Fällen wird noch ermittelt. Es geht um Geldwäsche, Steuerkriminalität und Zinsmanipulation. Seit 2012 wandte die Bank 12,7 Milliarden Euro für Rechtsstreitigkeiten auf. Alleine 2,5 Milliarden Dollar und 725 Millionen Euro wegen Manipulationen von Interbanken-Zinsen, 1,9 Milliarden Euro wegen Streitereien um Hypothekenpapiere, 925 Millionen Euro an die Erben von Leo Kirch -und ein Ende ist nicht in Sicht.

Warum hat kein Aktionär das Management auf exakt diese Summe verklagt? Doch es waren ja nicht nur die Manager und Händler der DB, die sich an nahezu jedem Finanzskandal der vergangenen Jahre beteiligt haben. Die Konzernführung tat jahrelang alles dafür, die Aufklärung zu erschweren. Im Januar 2016 dann der Hammer: 2015 erzielte die Bank den größten Jahresverlust ihrer Geschichte: 6,7 Milliarden Euro, damit fällt die Bilanz noch schlechter aus als einst im Krisenjahr 2008.

Brandgefährlich ist der Derivatebestand der Deutschen Bank von fast 46 Billionen Euro -knapp 17 Mal so viel wie die jährliche Wirtschaftsleistung Deutschlands -und das bei einem Eigenkapitalanteil von lediglich 61 Milliarden Euro! Diese Papiere laufen außerhalb der Bilanz und sind völlig intransparent. Sollten der Bank lediglich fünf Prozent aller Derivate um die Ohren fliegen, gehen in Frankfurt die Lichter ganz schnell aus. DB steht auch für "Derivate-Bomben".

Wir sind fest davon überzeugt , dass es die Deutsche Bank in ihrer jetzigen Form in Zukunft nicht mehr geben wird. Aufgrund ihrer Größe ist eine Pleite ausgeschlossen. Würde man sie wie Lehman Brothers pleitegehen lassen, hätten wir eine Finanzkrise von einer unvorstellbaren Dimension, jene von 2008 wäre ein entspannter Sonntagsspaziergang dagegen. Da es unwahrscheinlich ist, dass ein Konkurrent eine Bank mit knapp 8.000 laufenden juristischen Verfahren und einem Derivate-Portfolio außerhalb der Bilanz im Volumen von etwa 46 Billionen Euro übernehmen wird, dürfte es wohl auf eine Verstaatlichung hinauslaufen, auch wenn das Frau Merkel heute noch nicht wahrhaben und keinesfalls ihren Wählern kommunizieren möchte.

Ob in dem Fall die ausbezahlten Boni von den Topmanagern zurückgefordert werden, ist fraglich. Wie das vom Staat finanziert werden soll, ist ebenfalls mehr als fraglich, aber es liegt nahe, dass wir Bürger wieder herangezogen werden. Keinesfalls fraglich ist dagegen, dass der Steuerzahler bei dieser unvorstellbar teuren Bankenrettung abermals der Dumme sein wird. Aber eine andere Option gibt es nicht, denn die Deutsche Bank ist eine tickende, gigantische Zeitbombe.

Schnallen wir uns an.


MARC FRIEDRICH,(l.) / MATTHIAS WEIK sind Ökonomen und Bestseller-Autoren.
Der Beitrag ist ein aktualisierter Text aus ihrem jüngsten Buch "Kapitalfehler - wie unser Wohlstand vernichtet wird und warum wir ein neues Wirtschaftsdenken brauchen".


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