Daniel Keiper-Knorr: "Erfolg braucht Kapital"

Hinter rot-weiß-roten Technologieerfolgen steckt oft ausländisches Risikokapital. Höchste Zeit, mehr rot-weiß-rote Millionen lockerzumachen, fordert Speedinvest-Mitbegründer Daniel Keiper-Knorr

Daniel Keiper-Knorr

Daniel Keiper-Knorr

Digitale Hochtechnologie made in Austria ist international erfolgreich. Das hat gerade die junge und jüngste Zeit gezeigt: 2017 erhält Tricentis aus Wien ein 165-Millionen-Dollar-Investment vom US-Venture-Capital-Fonds Insight Partners, 2019 feiert Dynatrace aus Linz mit einer Bewertung von 13 Milliarden Dollar das Börsendebüt an der NASDAQ.

Ende September markierten gleich zwei Ereignisse einen neuen Höhepunkt in dieser österreichischen Erfolgsgeschichte: Bitpanda erhält 52 Millionen Dollar vom Peter-Thiel-Fonds Valar und macht somit die größte Series-A- Finanzierung Europas im Jahr 2020. Und der Wiener Onlinemarketing-Spezialist Emarsys wird von SAP um eine im Handelsblatt kolportierte Bewertung von mehr als 500 Millionen Euro übernommen. Und das waren jetzt nur vier der wichtigsten Ereignisse im Bereich der digitalen Hochtechnologie, die Bereiche Lifescience, Biotech, Werkstoff- und Verfahrenstechnologie und viele andere kämen da noch dazu.

Zwei Dinge fallen aber bei näherer Betrachtung auf:

Erstens: Solche Erfolge haben oft sehr lange Vorlaufzeiten, von denen die Öffentlichkeit nichts bemerkt: Emarsys wurde im Jahr 2000 gegründet, Dynatrace 2005, Tricentis 2007, und selbst die vergleichsweise junge Bitpanda ist schon Jahrgang 2014.

Und zweitens: Es sind oft oder fast immer ausländische, allen voran US-Investoren, die diese Firmen finanzieren. Nun ist Vernetzung unserer Unternehmen über internationale Investoren absolut zu begrüßen, da sich die Chancen, weltweit erfolgreich zu sein, dadurch schlagartig vervielfachen. Ein Investitionskontrollgesetz hingegen ist hier nur wenig hilfreich.


Es braucht mehr inländisches Wagniskapital.

Und doch sollten diese Beobachtungen die österreichische Wirtschaft und auch die Politik alarmieren. Ohne heimische Scale-ups, also digitale Unternehmen, die von globaler Relevanz sind, droht der Abfluss von hochqualifizierten Arbeitsplätzen, von Steuergeldern und von Möglichkeiten zum Vermögensaufbau. Alle drei keine erfreulichen Konsequenzen.

Um diese und weitere Technologieunternehmen in Österreich zu halten, braucht es eigentlich nur eines: mehr inländisches Wagniskapital. Alleine Speedinvest hat über 50 Investments in Österreich, und eines davon - Adverity - hat beste Chancen, den Pfad der Emarsys zu beschreiten. Denn SAP hat Anfang 2020 einen zweistelligen Millionenbetrag in Adverity investiert.

Die Mittel wären nahezu im Überfluss vorhanden. Allein auf Sparbüchern liegen an die 250 Milliarden Euro. Bei der wohl noch lange Zeit herrschenden negativen Realverzinsung von etwa minus einem Prozent bedeutet das, dass jedes Jahr Kaufkraft etwa im Gegenwert von zehn Wiener Innenstadtzinshäusern vaporisiert. Vermögensaufbau sieht anders aus.

Das Kapital ist da, es muss lediglich freigesetzt werden. Und dafür braucht es Rahmenbedingungen und ein Anreizsystem, das internationalen Standards gehorcht.


Es ist unverständlich, dass der inländische Kapitalmarkt so gar nicht teilnimmt.

Alles andere, auf das zu Recht stolz hingewiesen wird, ist längst da: Wir haben die Talente, wir haben Ausbildungsstätten, wir haben die Lebensqualität. Einzig die Finanzierungslandschaft muss noch bestellt werden. Denn ohne ausreichendes Eigenkapital ist das alles nichts.

Es ist daher vollkommen unverständlich, dass der inländische Kapitalmarkt an diesen Wachstumsstorys so gar nicht teilnimmt. Um hier Klarheit zu schaffen: Der Kapitalmarkt ist wesentlich größer als die Börse. Die in der öffentlichen Diskussion oft vorgenommene Reduktion des Kapitalmarktes auf die Börse ist eine sträfliche Verkürzung. Alleine im Speedinvest-Portfolio wurden 2019 und 2020 rund 650 Millionen von internationalen Investoren investiert. Es sei angemerkt, dass dies freilich nicht der Wert der Speedinvest-Portfolios ist, da wir nur immer mit Minderheitsanteilen an unseren Firmen beteiligt sind. Ab nur zum Vergleich: Die OMV hat eine Marktkapitalisierung von 7,5 Milliarden Euro, ist also nur gut elfmal so groß.

Dieser Vergleich ist bezeichnend: Der Private-Equity-Markt ist mindestens genauso wichtig wie der Public-Equity- Markt. Und er ist vor allem die unverzichtbare Vorstufe zur Börse. Ohne Private Equity kein Public Equity!

Es braucht mehr heimisches Eigenkapital für die Technologieszene. Es braucht den teilweise risikoabgesicherten sogenannten "Runway-Fonds" und den viel größeren von der AVCO vorgeschlagenen Dachfonds, um den Pensionskassen, Banken, Versicherungen und Vermögensverwaltern und auch den österreichischen Unternehmen und privaten Investoren den Einstieg in die Assetklasse Venture Capital &Private Equity zu erleichtern. Der soeben vorgestellte bis zu 200 Millionen große Austrian Growth Capital Fund von Raiffeisen und C-Quadrat ist ein richtiger erster Schritt. Mehr davon, bitte!


Zur Person

Daniel Keiper-Knorr, 49. Der Vorarlberger hatte mit dem Start-up 3united einen erfolgreichen Exit, hat den VC-Fonds Speedinvest mitgegründet. Er macht dort Fundraising, Investor Relations und Portfoliobetreuung im Ad-und Mediatechbereich.



Andreas Salcher, Bildungsexperte, Autor und Unternehmensberater

Schwarze Schwäne, chinesische Fledermäuse, russische Bären

Die unverfügbare Welt: Sind die Pandemie und Putins Überfall auf die …

Der Twitter-Account von Neo-Twitter-Eigentümer Elon Musk, gestartet im Juni 2009

44 Milliarden Gründe für einen letzten Tweet

Milliardär und Tesla-Gründer Elon Musk kauft Twitter und will die …

Trotz Putin: China bleibt der Hauptgegner

An der Stanford University dominiert der Krieg in der Ukraine die …

Andreas Wimmer, Vorstand C-Quadrat

Immobilienfinanzierung: Endgültiger Abschied vom Eigenheim

Die angekündigte Verschärfung der Vergabekriterien für Immobilienkredite …