Christian Konrad - Meine Position: Linksverbinder

Mein erstes Meisterschaftsspiel endete mit der Roten Karte und zwei Spielen Sperre: über eine lebenslange Leidenschaft.

Christian Konrad - Meine Position: Linksverbinder

Christian Konrad - Flüchtlingskoordinator der Bundesregierung

Fußball ist für mich seit der Kindheit ein Thema. Immer schon war ich auf den Wiesen in Laa an der Thaya mit meinen Fußballerfreunden unterwegs. Die ersten Tore habe ich bei uns im Hof geschossen.

In der ersten Klasse Mittelschule bin ich neben Günter Kaltenbrunner gesessen. Er ist vier Tage jünger als ich. Er hat mich in Deutsch abschreiben lassen. Dafür habe ich ihm das Dribbeln beigebracht. Eine gute Basis für seine spätere Karriere im Nationalteam, als Torschützenkönig 1969/70 als Stürmer des Wiener Sportclubs und als Rapid-Präsident.

Mit 15 habe ich beim SV Laa an der Thaya begonnen. Meine Position war Linksverbinder. Das erste Meisterschaftsspiel endete für mich aber vorzeitig: Ausschluss wegen Foulspiels. Die Strafe: Sperre für zwei Spiele.

Leider wurden mir wegen Kurzsichtigkeit Brillen verordnet. Ein Fußballer mit vier Dioptrien und Brille, das war in der ersten Liga unmöglich. Die Brille, mit Gummiband am Kopf fixiert, hat mir aber zumindest beim SV Laa an der Thaya zwei Jahre Freude beim Training und am Spielfeld möglich gemacht.


Mein Weg in die Nationalmannschaft blieb verbaut. Ein Fußballer mit vier Dioptrien und Brille - das war unmöglich.

Aber der Weg in die Nationalmannschaft war verbaut. Hansi Buzek ist mir heute noch dankbar dafür. Buzek war ja ab dem Länderspiel gegen Jugoslawien am 30. Oktober 1955 der jüngste Teamspieler der Geschichte. Bei seinem Teamdebüt war er 17 Jahre und 161 Tage alt. Erst mit David Alaba wurde dieser Rekord unterboten. Alaba war bei seinem Debüt in der A-Nationalmannschaft am 14. Oktober 2009 17 Jahre und 112 Tage "alt".

Von Anfang an war und bin ich ein Rapid- Anhänger - mit all den damit verbundenen Leiden. Dass ich gute Freunde habe, die anderen Vereinen den Vorzug geben, muss ich akzeptieren. Es kann nicht jeder perfekt sein.

Heute besuche ich eher selten Spiele auf dem Fußballplatz. Ich nütze aber jede Gelegenheit, Fußballspiele im Fernsehen zu verfolgen. Der Samstagnachmittag mit dem Programm von Sky ist da ein Fixpunkt. Ab und zu schalte ich auch zum ORF und den österreichischen Spielen.

International habe ich vor Leicester City großen Respekt und Atlético Madrid hätte ich die Champions-League-Trophäe sehr gewünscht. Bei der Europameisterschaft ist Frankreich mein erklärter Favorit.

Fußball ist ein großartiger Mannschaftssport. Erst das gegenseitige Vertrauen ermöglicht wirklich guten Fußball. Da entstehen wirklich enge menschliche Bindungen. Es ist ein Sport, der viel Leidenschaft auslöst und möglich macht. Gemeinsames Training, gemeinsames Spiel, als Team ein Ziel anstreben, jedes Spiel als neue Herausforderung annehmen, Niederlagen überwinden, Siege feiern - Fußball ist eine besondere Lebensschule.

Fußball hat auch große Bedeutung für die Integration. Der österreichische Fußball ist ohne die Spieler, die aus zugewanderten Familien stammen, undenkbar. Das sollten sich gerade jene bewusst machen, die immer wieder sehr einseitig von der nationalen Identität sprechen. Vielfalt ist eine besondere Chance für die Gesellschaft. Und auch das macht der Fußball deutlich: Elf Stürmer werden nie einen Sieg erringen.


Zur Person
Christian Konrad
ist Flüchtlingskoordinator der Bundesregierung und war Raiffeisen-Generalanwalt.


Der Artikel ist in der trend-Ausgabe Nr. 23/2016 erschienen.
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