Bundespräsident - Vorbild und Moderator

Aleksandra Izdebska

Aleksandra Izdebska

Die Verantwortung des neuen HBP ist groß. Integration, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit stehen auf seiner To-do-Liste.

Die Rolle des österreichischen Präsidenten ist mit der Repräsentation des Landes nach außen im Wesentlichen definiert. Doch welche Rolle spielt heute die Repräsentation des Landes, und was bedeutet sie politisch? Aus meiner Sicht eine sehr große. Die Verinnerlichung der richtigen Werte und die Haltung des Staatsoberhaupts deuten ganz klar auf die Ausrichtung des Landes hin.

Für mich als Unternehmerin und Businessfrau wäre ein Leadership seitens einer Frau an der Spitze das beste Zeichen einer Wende in Richtung Gleichstellung, Umdenken, neue Werte und Reformen gewesen. Doch Frau Griss stand nicht mehr zur Debatte.

Jetzt gilt es, Themen in den Fokus zu nehmen und zu lösen, die tagtäglich unsere Schlagzeilen füllen. Die Kriege und diverse Unruhen beschäftigen uns seit mehreren Jahren. Wir brauchen Vorbilder, die gegenseitige Wertschätzung und Toleranz vermitteln. Wir brauchen Staatsoberhäupter, die stark genug sind, die Situation auf der Welt richtig einzuschätzen und in Richtung Frieden zu lenken. Doch zuerst muss mit dem Frieden im eigenem Land begonnen werden, um die Spaltung der Bevölkerung zu schließen.

Ich denke, dass unser neuer Bundespräsident, Alexander Van der Bellen, eine große politische Erfahrung mit sich bringt und stark genug ist, sich sowohl den wichtigen wie auch den dringenden Themen in Österreich zu widmen. Aus eigener Erfahrung und auch als Integrationsbotschafterin weiß ich, dass die Politik sehr viel dazu beitragen kann, Menschen, die nach Österreich kommen, zu integrieren und dazu zu motivieren, einen Beitrag für unser Land zu leisen. Die richtige Haltung, Respekt und Toleranz, ausgehend vom Staatspräsidenten, sind auf diesem Weg die Grundpfeiler dafür.

Gleichzeitig erwarte ich mir aber auch, dass unser neu gewählter Bundespräsident die Probleme im Land anspricht. So ist es eine Tatsache, dass es für österreichische Unternehmen immer schwieriger wird, konkurrenzfähig zu bleiben. Es braucht mehr unternehmerisches Denken und mehr Weichenstellungen zugunsten von Unternehmen, nur so kann ein kleines Land wie Österreich mit dem Rest der Welt mithalten.


Es braucht mehr Gerechtigkeit und Ausgleich.

Österreichische Unternehmen kämpfen mit den hohen Kosten durch Steuern und Sozialversicherung und der Anforderung, wettbewerbsfähig zu bleiben. Hier braucht es mehr Gerechtigkeit und Ausgleich.

Aber auch die Dringlichkeit, noch mehr für Umwelt und Nachhaltigkeit - auch außerhalb von Österreich - zu tun, finde ich sehr wichtig. Als Bundespräsident trägt Herr Van der Bellen Verantwortung und hat Vorbildwirkung in Bezug auf dieses Thema. So erhoffe ich mir in diesem Bereich, dass er -speziell als ehemaliger Grünen-Chef -Anregungen und Input liefert.

Ein umweltbewusstes Denken fundiert auf einem Wertegerüst von Verantwortung und Langfristigkeit. Diese Werte sind auch mir in meiner beruflichen Tätigkeit sehr wichtig. Hier österreichweit den Boden zu bereiten und Innovationen zu fördern, die Nachhaltigkeit, Vielfalt und Lebensqualität in Österreich vorantreiben, halte ich als wichtige Ausrichtung für Österreich, zu der unser Bundespräsident etwas beitragen kann.

Aber wie Herr Van der Bellen bereits mehrmals betont hat, sieht er sich in seiner zukünftigen Rolle als Moderator. Ein Moderator gleicht aus, stellt aber auch wichtige Fragen. So wünsche ich mir, dass unser Bundespräsident sowohl ausgleicht als auch Fragen stellt, die unsere Gesellschaft anregt und weiterbringt, um Österreich so zu mehr Respekt und Toleranz im Umgang miteinander, Gleichstellung, Unternehmertum und Umweltbewusstsein führt.


ALEKSANDRA IZDEBSKA ist Marketing-und Kommunikationschefin des vegetarischen Haubenrestaurants "Tian" sowie Aufsichtsrätin der Neovoltaic AG, die innovative Stromspeicherlösungen herstellt.

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