Zum Bundesliga-Start: Pelinka vs. Pelinka - Doppelpass mit Deutschland?

Zum Bundesliga-Start: Pelinka vs. Pelinka - Doppelpass mit Deutschland?

Vater & Sohn im Wort-Match: Peter Pelinka (li) und Niko Pelinka.

Pro & Contra: Start der heimischen Fußball-Bundesliga, Anlass für ein Kommentar-Tackling zweier Aficionados: Niko Pelinka will, dass Austria, Rapid und Salzburg in der deutschen Liga mitspielen, Vater Peter hält nichts davon.

Niko Pelinka:

"Anschluss an Deutschland"

Die Idee für diesen Doppel-Kommentar entstand in einer launigen Runde bei einem Gläschen Wein. Einige - nach einer schwachen Saison deprimierte - Austrianer und Rapidler stellten sich aufgrund des (gefühlt) immer größer werdenden Qualitätsunterschieds der heimischen Liga zu den "großen" Internationalen die Frage aller Fragen: Wohin steuert Österreichs Klubfußball? Mein Vater und ich nahmen in der Diskussion überspitzte Extrempositionen ein, der anwesende trend-Chefredakteur bat uns spontan zum Kommentar-Doppelpass.

Mein damaliger Standpunkt (verkürzt): Die Bundesliga muss weg. Der "Fußball-Anschluss" an Deutschland ist die einzige Lösung. Die besten Vereine Österreichs sollen Teil der deutschen Bundesliga (oder der zweiten Liga) werden und somit Teil einer erfolgreichen Liga mit Spitzenklubs, breiter Öffentlichkeit und dementsprechendem Werbewert. Verkürzt: lieber ein kleiner Goldfisch im großen Teich als ein Hecht in einer ausgetrockneten Pfütze.

Warum? Österreich ist zu klein, um im globalen Fußball-Wettbewerb langfristig bestehen zu können. Die Zuschauerzahlen sowohl im linearen Fernsehen als auch in den Stadien ermöglichen keine finanzielle Basis für langfristige konstante sportliche Spitzenleistungen im internationalen Vergleich. Die drei zentralen Säulen der Finanzierung, Sponsoring, Fußball-Rechte und Fan-Einnahmen (Tickets, Merchandising etc.), können im Umfeld einer regionalen österreichischen Liga nicht ausreichend entwickelt werden, um dranzubleiben. Ein Beispiel: Sponsorenverträge werden immer härteren wirtschaftlichen Evaluierungen unterzogen. Was ist mein Engagement genau wert? Media-Agenturen und Spezialisten können hier erschreckend kühle Berechnungen vornehmen und langjährige Liebhaberprojekte von fußballaffinen Vorständen mit einer einzigen Analyse ins Land des Mäzenatentums verweisen.


Österreich ist zu klein, um im globalen Fußball-Wettbewerb langfristig bestehen zu können.

Speziell für weniger affine Nachfolger ein guter Hebel, um Marketingbudgets für neue Initiativen freizuräumen. Kein Wunder, dass der Pfeil bei vielen Neuverhandlungen nach unten zeigt. Und auch die öffentlichkeitsnahen Unternehmen, für die das Sponsoring auch immer Gemeinwohltätigkeit darstellt, sind aufgrund von Budgetzwängen von dieser Entwicklung nicht ausgenommen.

Zuschauer-Einnahmen hingegen sind nur durch attraktive Gegner signifikant zu steigern. Dorfvereine ohne Strahlkraft ziehen niemanden ins Stadion. Hier spreche ich als Austrianer aus Erfahrung: Salzburg und Rapid füllen die Generali-Arena, nicht namentlich genannte Dorfvereine deutlich weniger. Die österreichische Liga bietet hier aber einfach zu wenig hochkarätige attraktive Vereine.

Im Fernsehen das gleiche Bild: Rapid gegen Austria? Spitzenquote. Admira gegen Wolfsberg? Nicht signifikant mehr Zuschauer als im Stadion anwesend, also wenige Tausend. Die Vergabe der TV-Rechte an Pay-TV-Sender unter Ausschluss der Öffentlichkeit verstärkt den Teufelskreis der Bedeutungslosigkeit. Und das alles in einer Zeit, in der wir international einen immer absurderen Wettbewerb nach oben erleben: Noch höhere Gehälter, noch obszönere Ablösen.

Warum also der Anschluss an die deutsche Liga? Weil wir das Potenzial haben, zumindest drei attraktive Teilnehmer am großen deutschen Fußball-Zirkus zu etablieren. Stellen Sie sich vor: Zwei mal im Jahr Heimspiele gegen Bayern, Dortmund, Schalke! Ein ungekannter Attraktivitätsschub wäre die Folge.


Ein Blick in die NBA zeigt die Möglichkeiten.

Auch für Sponsoring- und Werbeerlöse würden sich vollkommen neue Potenziale ergeben. Mit einem Schlag wäre ein österreichischer Verein dazu in der Lage, seinen Sponsoren die Öffentlichkeit und den Werbewert der deutschen Bundesliga zu offerieren. Außerdem ist Wien die zweitgrößte Stadt des deutschsprachigen Raums, völlig neue Sponsoren, auch aus Deutschland, könnten in dieser Konstellation angesprochen werden.

Insofern stimmt auch das Argument nicht, dass Rapid, Salzburg oder Austria in ihrer aktuellen Verfassung maximal in der zweiten Bundesliga mitspielen würden. Der wirtschaftliche Schub eines Platzes in einer starken internationalen Liga würde auf kurz oder lang einen Fixplatz in der Bundesliga mit sich bringen. Salzburg verfügt über einen langfristigen strategischen Partner, Austria und Rapid verfügen über eine große Heimatstadt mit einer aktiven Verankerung im Fan-Wesen, mit Zusatzeffekten wie mehr Attraktivität für Sponsoren und gesteigerten Zuschauerzahlen ist hier alles drin.

Für die österreichischen Kleinvereine würde das Gedankenexperiment sicher weniger attraktiv verlaufen. Aber auch in Bayern gibt es ein lebendiges Regionalliga- Netz mit Vereinen, es gibt keinen Grund, warum es in der - dann zu gründenden - österreichischen Regionalliga als Teil des deutschen Liga-Netzes kein aktives Vereinsleben geben sollte.

Sind das alles völlig illusorische Gedankenspielereien? Ein Blick in die NBA zeigt die Möglichkeiten: Dort spielen kanadische Vereine seit Jahren um den Titel der amerikanischen Basketball-Liga mit. Sogar sehr erfolgreich, wie der aktuelle Titelgewinn der Toronto Raptors zeigt.


Peter Pelinka:

"Eine bizarre Idee."

Im Oktober 1993 hatte der damalige Chef der Bank Austria, des Hauptsponsors von Rapid Wien, eine kommerziell logische Idee - man könne doch die beiden Wiener Großklubs, Rapid und Austria, fusionieren. Und damit Kosten sparen: weniger Aufwand für Spieler und Vereinsapparat, mehr Kapital für Investitionen in glänzende Stars und Stadien.

Das Motto: besser ein internationaler Wiener Großklub als zwei sportliche Mittelständler. Fans beider Lager waren sich ausnahmsweise einig: Das können nur einem Sponsorenvertreter einfallen, der keine Ahnung von ihren Emotionen habe. Eine grün-violette Fusion bedeute das Ende ihrer Leidenschaft, für viele das ihrer "Religion". Der Vorschlag wurde nie mehr wiederholt.

Konkreter ging zwölf Jahre später Dieter Mateschitz vor. 2005 übernahm sein Getränkekonzern Red Bull den in großen finanziellen Problemen steckenden Traditionsklub Austria Salzburg und gründete den heutigen Serienmeister Red Bull Salzburg.

Jene traditionsbewussten Fans, die anfangs die Übernahme begrüßt hatten, sahen sich angesichts der Leugnung aller Wurzeln (Symbol war die Änderung der Vereinsfarben von violett-weiß auf rotblau) bald enttäuscht und gründeten in der Folge den SV-Austria Salzburg, derzeit auf Amateurbasis in der Regionalliga Salzburg kickend. Dessen kurzfristiger Ausflug in die zweite Profiliga endete im finanziellen Chaos und einem baldigen Abstieg. Immerhin gibt es den Klub der Enttäuschten noch, für seine Fans bleibt der "große Bruder" ein verachteter Kommerzklub.


Die kleine österreichische Bundesliga ist besser als ihr Ruf.

Aber auch Red Bull Salzburg ist vor Rückschlägen nicht gefeit: Zwar errangen die "Dosen", wie sie von rivalisierenden Fans genannt werden, zehn Meistertitel (neun seit 2010 in Folge, die drei "Ausrutscher" seit 2007 verursachten zweimal Austria Wien und einmal Rapid). Aber: Erst heuer ist der zehnfache Fußballmeister automatisch für die Gruppenphase der Champions League qualifiziert, zuvor hatte es auch blamable Niederlagen gegeben, etwa 2012 gegen den FC Düdelingen aus Luxemburg.

Seit zwei Jahren jedoch lohnt sich die Langzeitstrategie der Marketingmaschine Red Bull. Die hohen Budgets, das Doppelte der beiden Wiener Traditionsklubs zusammen, werden zunehmend durch starke Transfergewinne ermöglicht. Die langfristige Strategie, durch Kooperationen mit Fußballakademien in Afrika und Lateinamerika blutjunge Spieler auszubilden und zu verkaufen, erweist sich als goldrichtig.

Mateschitz, laut akutellem trend-Ranking zweitreichster Österreicher mit einem Vermögen von 15,6 Milliarden Euro, mischt sich zum Unterschied von Frank Stronach, einst Sponsor der Wiener Austria, nicht in den operativen Betrieb ein. Und er beweist auch in der Trainerfrage Geduld: International anerkannte Könner wie Marc Rose wurden statt aufgeblasene Abenteurer wie Lothar Matthäus engagiert. Das honorieren langsam auch die Fans: Salzburg hatte bei Heimspielen den vierthöchsten Fanzuspruch nach Rapid, Sturm Graz und Austria Wien.

Größe verführt aber oft zu Größenwahn. So wälzen Vertreter großer europäischen Vereine aus Deutschland, Italien, England, Spanien und Frankreich, mit dem dicken Geldsack internationaler Investoren ausgestattet, die Idee einer "Super-Champions-League". Also: Achtmal Bayern gegen Real, achtmal das Manchester-Duell, achtmal Juventus gegen Paris?

Das würde bedeuten: Die endgültige Durchsetzung der Zweiklassengesellschaft im Fußballgetriebe, den Verzicht auf Überraschungsteams - heuer etwa Ajax Amsterdam -, den Ersatz der Fankultur durch ein ausschließlich TV-orientiertes Systems mit garantiert wachsender Fadesse. Spät, aber doch regt sich hoffentlich entscheidender Widerstand.


Sollen wir den heimischen Profifußball ganz zusperren?

Die kleine österreichische Bundesliga ist insgesamt besser als ihr Ruf. Das neue System mit einer Play-off-Phase bewährt sich, bringt mehr Spannung und Zuschauer. "Meine" Wiener Austria hatte fast 50 Prozent mehr Besucher und eine 98-prozentige VIP-Auslastung, sicher auch eine Folge der neuen Generali-Arena.

Wichtige Einnahmen bringen auch die TV-Rechte, Sky meldet in Österreich ebenfalls steigenden Seherzahlen. Die TV-Einnahmen allein haben den Vereinen der englischen Premiere League zu gigantischen Budgets verholfen, wenn auch nicht zu so vielen Zuschauern wie der diesbezüglich führenden deutschen Bundesliga. Deren enge kommunikative Anbindung an die heimischen Fußballfans führt zu bizarren Ideen: warum nicht die stärksten vier heimischen Vereine (neben Salzburg und den beiden Wiener Großklubs auch Sturm Graz) an die deutsche Bundesliga angliedern, realistisch wohl eher an die zweite als an die erste? Wird schon sein, dass auch deren Spitzenvereine wie Stuttgart oder Hamburg in Wien, Graz oder Salzburg mehr Zuseher garantieren als Altach, Hartberg oder Wattens.

Aber soll man den Rest des heimischen Profifußballs zusperren und damit endgültig auch das Nationalteam, das in der europäischen Fünfjahreswertung immerhin um Platz elf kämpft?

P. S.: Auch die deutschen Fans und Manager würden sich wohl nicht freuen über die Zwangsbeglückung durch die Ösis.


Zu den Autoren

Niko Pelinka ist Unternehmer und Werbemanager. Seit seiner Kindheit besucht er mit seinem Vater Spiele der Wiener Austria.
Peter Pelinka , Journalist und Medienberater, ist Mitglied des Austria-Wien-Kuratoriums.


Der Artikel ist der trend-Ausgabe 29-30/2019 vom 19. Juli 2019 entnommen.

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